Zwack

Zwack ist der Name eines ungarischen Spirituosen-Herstellers.


Hintergrund

Die Ursprünge des Unternehmens gehen zurück auf das Jahr 1790, als der ungarische Arzt Dr. József Zwack nach mehrjährigen Experimenten einen heilsamen Kräuterlikör aus über 40 Zutaten zusammenstellte. Als Leibarzt des österreich-ungarischen Kaisers Joseph II. (1741 – 1790) war er schon allein aus Berufsgründen auf der Suche nach einem bekömmlichen, gesundheitsfördernden und - da für die Zunge des Kaisers bestimmt - noch dazu schmackhaften Tonikum. Seine Versuche entwickelten sich zu einer wahren Obsession, die schließlich belohnt werden sollte. Als Joseph II. noch im Jahr seines Todes den ersten Schluck des Kräutertrunks zu sich genommen hatte, soll er hinterher anerkennend ausgerufen haben: “Das ist ein Unikum!” (Unikum = Unikat, Einzelstück).

 

Nach erfolgreicher Erprobung an einem durchlauchten Probanden, mit blaublütigen Referenzen ausgestattet und auf den Namen “Unicum” getauft, gründete József Zwack im Jahr 1840 in Budapest eine Destillerie, um seinen Kräuterlikör auch außerhalb des königlichen Hofes gewinnbringend zu vermarkten. Als Dr. Zwack später im Alter von stattlichen 94 Jahren verschied, produzierte sein Unternehmen bereits beachtliche 220 (!) verschiedene Destillate, Liköre und Tokajer-Weine, die schon damals in alle Welt verschickt wurden. Bis zum Jahre 1890 war das schon zuvor zum K. u. K.-Hoflieferanten ernannte Unternehmen einer der größten und bedeutendsten Spirituosen-Hersteller Mittel- und Osteuropas und weltweit für seine Produkte bekannt. Diesen Status behielt die Firma auch unter der Leitung von Lajos Zwack, dem Sohn des Gründers, noch lange Zeit bei.

 

Der Erste Weltkrieg ließ Ungarn als unabhängiges Land aus dem Weltenbrand hervorgehen und trotz der überall in Europa vorherrschenden schwierigen Wirtschaftslage waren die Sterne dem Hause Zwack noch immer wohlgesonnen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Situation jedoch völlig. Die budapester Destillerie wurde durch laufende Bombenangriffe in den letzten Kriegsjahren vollkommen zerstört, die zurückweichenden deutschen Wehrmachtsverbände sprengten sämtliche Brücken über die Donau und die vorrückende Rote Armee zweckentfremdete mancherorts Unikum-Fässer, um daraus schwimmende Ponton-Brücken zu errichten. Neben Berlin und Warschau war Budapest die am schlimmsten durch den Krieg zugerichtete Großstadt Europas.

 

Nach Kriegsende hauste die Familie Zwack, zusammen mit zwei nicht explodierten Blindgängern über ihren Köpfen, in einem Kellergewölbe auf ihrem Betriebsgelände. Trotz der trostlosen Umstände machten sich die Brüder János, Béla und Péter Zwack umgehend daran, die Destillerie behelfsmäßig wieder aufzubauen, mit allen technischen Gerätschaften, die zu jener Zeit eben irgend aufzutreiben waren. Gerade im Jahr 1948, als die Anlage ausreichend wiederhergestellt schien, um die Produktion endlich wieder aufnehmen zu können, übernahm die von der im Hintergrund agierenden Sowjetunion eingesetzte kommunistische Regierung die Macht in Ungarn. Sämtlicher Besitz der Familie Zwack wurde beschlagnahmt, Béla in ein Internierungslager für “Klassenfeinde” verschleppt, Péter floh über Jugoslawien nach Italien und lediglich János konnte das Unicum-Rezept über die Grenze in den Westen retten. Während János und Péter in die USA emigrierten, konnten Béla und seine Frau erst in 1955 Ungarn verlassen und sich hinzugesellen.

 

Zwischenzeitlich hatte die Familie einen Gerichtsprozess vorangetrieben, der den Zwacks die alleinigen Markenrechte am weltbekannten Kräuterlikör Unicum zubilligen sollte. Denn schon kurz nach der Enteignung der budapester Brennerei hatte der ungarische Staat versucht, sich den Erfolg der traditionsreichen Marke zunutze zu machen und die Produktion des Unicums, in Ermangelung des Originalrezepts jedoch in nicht annähernd  vergleichbarer Qualität, wiederaufgenommen. 1958 verstarben Béla und János beide innerhalb von nur zwei Wochen und konnten so nicht mehr erleben, wie der Rechtsstreit nur wenig später zu ihren Gunsten entschieden wurde. Die Familie Zwack wurde als Inhaber der Urheberrechte vom Gericht bestätigt. Die Staatsdestillerie in Budapest verkaufte zwar auch weiterhin “ihren” Unicum, doch durfte dieser fortan nicht mehr in den Westen exportiert werden.

 

Im Jahr 1970 kehrte Péter den USA den Rücken und baute in Italien eine neue Likörfabrik auf. Während man von dort aus die westlichen Märkte mit Unicum belieferte, besserte sich langsam die Lage in seiner Heimat Ungarn. 1987 wurde die Familie Zwack sogar von der ungarischen Regierung eingeladen, nach Hause zurückzukehren und die alte Destillerie gemeinsam mit dem Staat in einer Joint-Venture zu leiten. In 1991 gelang es Péter Zwack dann mit Hilfe seines finanzkräftigen Partners, der deutschen Underberg-Gruppe, sämtliche Anteile des bisherigen Staatsunternehmens mit insgesamt 13 Destillerien und Abfüllanlagen zu erwerben. Seither ist nach langen Irrwegen wieder die Familie Zwack Herr im eigenen Haus und produziert ihre Destillate in gewohnter Qualität direkt in Budapest und Kecskemét, einer kleinen Stadt in der berühmten Puszta-Region. Selbst die alte, so geschichtsträchtige Destillerie wurde im Jahre 2002 vollständig restauriert und befindet sich nun wieder in dem Zustand, den sie vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs besessen hat.


Produkte


Zwack Unicum

Der klassische Kräuterlikör seit 1790; aus 40 verschiedenen Kräutern und Gewürzen; 6 Monate in Eichenfässern gereift; alc. 40% vol.


Zwack Unicum Next

Basierend auf dem Originalrezept; mit zusätzlichen Auszügen von Zitrusfrüchten; alc. 30% vol.


Zwack Sándor Noble Pálinkas

Verschiedene Obstbrände aus der Umgebung der Stadt Kecskemét in der Puszta-Region; erhältlich sind Apricot (Aprikose), Rosy Apricot (Aprikose, in Holzfässern gereift), Plum (Pflaume), Penyigei Plum (Pflaume, in Holzfässern gereift), Blackberry (Brombeere), Wild Mulberry (Wilde Maulbeere), Strawberry (Erdbeere), Marc (Tresterbrand), Raspberry (Himbeere), Sour Cherry (Sauerkirsche, alc. 43% vol.), Quince (Quitte, alc. 43%), Blackcurrant (Schwarze Johannisbeere) und Spicy Pear (Birne); alle alc. 40% vol.


Zwack Kecskeméti Apricot Pálinka

Aprikosenbrand aus Aprikosen der Umgebung von Kecskeméti; dieser Brand wird schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts von der Firma Zwack hergestellt und war lange Zeit eine ihrer bekanntesten Marken; alc. 40% vol.


Zwack Maximilian Tokaji

Branntwein (darf aufgrund des niedrigen Alkoholgehalts jedoch nicht offiziell so bezeichnet werden) aus ausgewählten Tokajer-Weinen; erstmals 1912 von Maximilian Zwack hergestellt; mehrere Jahre in Eichenfässern gereift; alc. 33% vol.


Zwack Riserva

Likör aus Tokajer-Weinen, Tokajer-Weinbrand und Gewürzen; in Eichenfässern gereift; jedes Jahr wird nur eine stark begrenzte Anzahl hergestellt; alc. 40% vol.


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