Steinhäger

Steinhäger ist die geschützte Bezeichnung für Spirituosen, die aus mit Wacholderbeeren aromatisiertem neutralen Alkohol hergestellt werden und aus der Gemeinde Steinhagen in Westfalen stammen müssen. Der Zusatz von weiteren natürlichen oder künstlichen Aromastoffen ist erlaubt, wobei der Wacholdergeschmack vorherrschend bleiben muss. Der Alkoholgehalt muss mindestens 30% vol. betragen. Siehe auch Genever, Gin und Spirituose mit Wacholder.


Hintergrund

Zwischen Bielefeld und Halle (Westfalen) liegt am Südhang des Teutoburger Waldes der Ort Steinhagen. Schon seit Jahrhunderten wachsen dort auf den Heideflächen wilde Wacholderbeeren, denen der Steinhäger sein Entstehen verdankt. Bereits im 15. Jahrhundert, also noch vor der Geburtsstunde der ersten berühmten Wacholderspirituose der Welt, dem Genever (um 1550 erfunden), soll hier der erste Steinhäger gebrannt worden sein.

 

Die Legende will, dass ein Schäfer, der seine Herde auf den Heidehängen weiden ließ, seine Schafe regelmäßig dabei beobachten konnte, wie sie bei Krankheitserscheinungen von den Wacholdersträuchern fraßen und kurze Zeit darauf wieder wesentlich lebhafter wirkten. Schließlich fasste der Schäfer bald den folgenschweren Gedanken, dass der Verzehr von Wacholderbeeren wohl auch dem Menschen nicht schaden dürfe, sondern, gezielt eingesetzt, die Gesundheit sogar fördern sollte. Die Bauern aus Steinhagen begannen schließlich damit, aus ihrem überschüssigen Getreide Korn zu brennen und diesen mit Wacholderbeeren und anderen Kräutern zu versetzen. Das Ergebnis war ein in der gesamten näheren Umgebung geschätztes Destillat, das, um dem ursprünglichen Gedanken des Schäfers Rechnung zu tragen, als Arznei gegen verschiedenste Symptome eingesetzt und in kleinen bäuerlichen Hausbrennereien hergestellt wurde. Ob der Steinhäger nun tatsächlich älter als der weitaus berühmtere Genever ist oder nicht, bleibt letztlich unklar, fraglos liegt die Entstehungszeit dieser beiden “Brüder” jedoch sehr dicht beisammen.

 

Als der Große Kurfürst von Brandenburg (1620 - 1688) im Jahr 1688 ein Edikt erließ, das Dörfern das Brennen von Korn, vermutlich zur Sicherstellung der Grundversorgung mit Brot, verbot, erhielt Steinhagen als eine der wenigen Ausnahmen eine Sondergenehmigung. Wahrscheinlich war der exzellente Ruf der Steinhagener Spezialität zu dieser Zeit längst bis in die obersten Gesellschaftskreise vorgedrungen.

 

Die erste, nach heutigen Maßstäben gewerblich zu nennende Produktion des Steinhäger, begann im Jahr 1664 mit der Gründung der Firma Schwarze und erhielt bedeutenden Zuwachs mit der Gründung der Firma Heinrich Wilhelm Schlichte (1766). Letzteres Unternehmen war es auch, das seine Brennerei in 1840 als erste in Steinhagen den technischen Neuerungen der industriellen Fertigung anpasste und die produzierten Mengen somit erheblich steigern konnte.

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brach die Blütezeit des Steinhägers an und im kleinen Ort Steinhagen existierten zu dieser Zeit 20 Brennereien. Heute sind davon nur noch die Destillerien “Schwarze-Schlichte” (aus einem Zusammenschluss der oben genannten Firmen entstanden) im Betriebsgebäude des ehemaligen Steinhäger-Unternehmens H. C. König, sowie die Brennerei “Zum Fürstenhof Robert H. Günther” erhalten geblieben.

           

Seit 1989 steht die Bezeichnung “Steinhäger” unter rechtlich-geographischem Schutz der EU und darf ohne Ausnahme nur für Wacholderbrände aus Steinhagen in Westfalen verwendet werden. Steinhäger ist der bekannteste deutsche Wacholderbrand und wird in charakteristischen, “Kruke” genannten Steingut- oder Tongefäßen angeboten.


Herstellung

Ausgangsbasis zur Herstellung von Steinhäger stellt einerseits Getreide dar (meist Roggen, Weizen oder Gerste), aus dem zunächst ein Kornbrand hergestellt wird. Der zweite bedeutende Baustein wird aus Wacholderbeeren gebrannt. Diese werden jedoch nicht, wie bei Genever oder Gin, schlicht in den hochprozentigen Alkohol eingelegt und destilliert. Vielmehr werden die Beeren eingemaischt, durch Zugabe von Hefe vergoren und danach destilliert. Dieses “Wacholderlutter” genannte Destillat wird mit dem Kornbrand vermischt und ein drittes Mal gemeinsam gebrannt. Nach einer eventuellen Lagerung in Holzfässern wird der Steinhäger gefiltert, mit Brunnenwasser auf Trinkstärke herabgesetzt und in Steingut- oder Tongefäße abgefüllt.


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