Spanischer Wein

Die Geschichte des spanischen Weinbaus lässt sich bis etwa 3000 v. Chr. zurückverfolgen und ähnelt aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft vor allem von der Frühzeit bis zum Mittelalter sehr stark dem Verlauf der portugiesischen Weinbaugeschichte. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die iberischen Ureinwohner zu dieser Zeit bereits Wein aus wildwachsenden Reben hergestellt haben. Ein gezielter Anbau, erste Zuchtversuche oder ähnliches lassen sich jedoch bislang nicht nachweisen und wurden vermutlich erst wesentlich später, um 1100 v. Chr. im heutigen Spanien bekannt.

 

Das Seefahrervolk der Phönizier gründete damals an der Südküste die Stadt Gades (heute Cádiz) und unterhielt ein ausgedehntes Handelsnetz, das sich über die gesamte Mittelmeerregion erstreckte. Zu den importierten Waren zählten auch Weine samt der zugehörigen Reben, die in dem sonnigen Land prächtig gediehen. Im 5. vorchristlichen Jahrhundert eroberte Karthago hauptsächlich die Küstengebiete Spaniens, verlor diese jedoch 200 Jahre später an Rom. Die Römer wiederum machten sich daran, die gesamte Iberische Halbinsel zu unterwerfen und sorgten somit gleichzeitig für eine flächendeckende Verbreitung ihrer eigenen Weinkultur. Selbst in den entlegensten Winkeln Iberiens wurden in der Folgezeit Weinberge angelegt.

 

Die Einheit des Reiches und der vielerorts recht stabile Frieden kamen dem Handel und der Wirtschaft zugute; Fundstücke antiker Amphoren belegen, dass spanischer Wein auch den Weg in die Hauptstadt Rom gefunden hatte. Doch selbst in so entfernte Provinzen wie Nordfrankreich und England exportierten die Römer, vermutlich vorwiegend zur Versorgung der Legionäre, Weine aus Andalusien und anderen Gegenden Hispaniens.

 

Vertrieben durch die mitteleuropäischen Franken, drängte zu Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. das Volk der Westgoten auf die Iberische Halbinsel und überrannte die dortigen römischen Provinzen vollständig. Sie nutzten weitgehend die Errungenschaften der vormaligen Landesherren, wozu auch ein intensiver Weinbau gehörte.

 

Schon bald nach dem Jahr 700 eroberten die muslimischen Mauren von Nordafrika ausgehend den größten Teil der Halbinsel und verboten aus Glaubensgründen die Herstellung von Wein und anderen berauschenden Getränken und Substanzen. Nur einige wenige Privilegierte durften unter strengen Auflagen und immensen Steuerlasten noch Wein Keltern, der Großteil der Weinberge wurde hingegen entweder aufgegeben oder zur Herstellung von Rosinen genutzt. Zeitgleich drängten jedoch von Nordspanien ausgehend christliche Glaubenskrieger die Muslime wieder langsam in Richtung Süden zurück. Dieser Prozess, der als “Reconquista” (span.: “Wiedereroberung”) in die Geschichtsbücher eingegangen ist, dauerte bis zum ereignisreichen Jahr 1492, als die Stadt Grenada, die letzte islamische Hochburg in Spanien, von der Christenheit zu Fall gebracht wurde.

 

Mit der abendländischen Kultur hielt naturgemäß auch die katholische Kirche wieder Einzug ins Land, die sofort in den eroberten Gebieten Klöster gründete und ihre Macht etablierte. Somit wurden zunächst vor allen Dingen in der näheren Umgebung von Klöstern erneut Weinberge angelegt, da die Mönche Messwein für rituelle Zwecke benötigten. Dank ihres Wissens, ihrer Macht und der vorhandenen Möglichkeiten trieben die Glaubensbrüder die Entwicklung des Weinbaus und des Kelterns schnell voran, woraufhin sich die Weinwirtschaft in den folgenden Jahrhunderten zu einem überaus wichtigen Wirtschaftsfaktor Spaniens entwickelte.

 

Spaniens Aufstieg zur Weltmacht ist es letztlich zu verdanken, dass die Konquistadoren im 15. und 16. Jahrhundert den Weinbau in die Neue Welt, sprich nach Amerika, brachten. Durch die Eroberung weiter Teile des westlichen Doppelkontinents und die Einfuhr heimischer Reben legten sie den Grundstein vieler heutiger weinbaubetreibender Nationen wie z. B. Argentinien, Chile, Peru, Mexiko und dem Westen der USA. Im Gegenzug gelangte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein allerdings sehr viel weniger erfreulicher Organismus aus der Neuen Welt in die Alte: Die amerikanische Reblaus.

 

Nach Frankreich eingeschleppt, verbreitete sich dieser Schädling rasend schnell über alle anderen europäischen Weinländer und vernichtete einen Großteil der urtümlichen Rebsorten, die dem fremden Eindringling nicht das Geringste entgegenzusetzen hatten. Sehr bald nach Frankreich wurden auch die Weinberge des benachbarten Spanien von der Reblaus befallen, doch konnte sie sich dort vor allem in sehr heißen und trockenen Regionen nur bedingt vermehren und ausbreiten. So erreichte die Reblaus bspw. das berühmte Rioja-Gebiet erst, nachdem man längst dazu übergegangen war, die Weinstöcke auf resistente amerikanische Wurzeln aufzupfropfen.

 

Gerade Frankreich, das von dieser Katastrophe besonders schwer getroffen wurde, entwickelte sich wegen des allgemein vorherrschenden Weinmangels zum wichtigsten Exportmarkt für spanische Weine. Auch wanderten viele Franzosen, die durch die Reblaus ihrer Existenzgrundlage beraubt waren, in das Nachbarland aus und prägten in den ersten Jahrzehnten nach 1900 den dortigen Weinbau entscheidend mit. Vor allem ihre fortschrittlichen Anbau- und Keltertechniken sorgten für eine verbesserte Effizienz und steigende Qualität spanischer Weine.

 

Gehemmt wurde diese Entwicklung lediglich durch den spanischen Bürgerkrieg in den 1930er Jahren und der ab 1939 erfolgten Machtübernahme durch die rechtsgerichteten Nationalisten unter Führung General Francisco Francos. Der Krieg verheerte viele Weingüter und führte zu jahrzehntelanger politischer Isolation Spaniens, infolgedessen auch der Weinexport erlahmte. Nach dem Tod Francos im Jahre 1975 sorgte dessen Nachfolger König Juan Carlos für die zunehmende Demokratisierung des Landes. Seither hat die internationale Nachfrage nach spanischen Weinen, vor allem nach Sherry und Rioja-Weinen, stetig zugenommen.

           

Heute ist Spanien neben Frankreich und Italien eines der bedeutendsten Weinbauländer der Erde. Auf einer Gesamtfläche von rund 1,2 Mio. Hektar produzieren 150.000 Winzer ca. 43 Mio. Hektoliter Wein jährlich. Trotz der überwiegenden Bekanntheit Spaniens als Rotweinproduzent sind doch 50% der Anbauflächen mit Weißweintrauben bestockt. Mit der somit anfallenden Fläche von 600.000 ha weißer Reben ist Spanien der größte Weißweinhersteller der Welt.


Die Region

Spanien befindet sich im Westen Europas und nimmt dort flächenmäßig etwa 6/7 der Iberischen Halbinsel ein. Das Land grenzt im Norden und Südwesten an den Atlantischen Ozean, im Westen an Portugal, im Süden und Osten an das Mittelmeer und im Nordosten an Frankreich und den Zwergstaat Andorra.

 

Spanien wird großflächig von mächtigen Gebirgsmassiven und zahllosen Flusssystemen durchzogen. Klimatisch lässt es sich in drei Zonen einteilen: Ein atlantisches Klima mit heißen, regenreichen Sommern und kalten Wintern herrscht im Norden mit den Regionen Aragonien (Aragón) (1),   Baskenland (País Vasco) (2)Galicien  (3), Kastilien-Leon (4), Katalonien (Catalunya) (5)Navarra (6) und La Rioja (7); sehr heiße Sommer und sehr kalte Winter mit durchweg wenig Niederschlag sind typisch für das zentralgelegene Hochplateau und die dort befindlichen Regionen Extremadura (8) und La Mancha (9); die südliche Zone entlang der Mittelmeerküste mit einem geringen Anteil Atlantikküste im äußersten Südwesten. Hier herrschen sehr heiße, regenarme Sommer und milde Winter. Die sommerliche Hitze und Trockenheit wird durch kühlende Meeresbrisen etwas abgemildert. Dort finden sich die Regionen Valencia (10), Murcia (11) und Andalusien (12). Ebenfalls zu Spanien gehörend sind die Inselgruppen der Balearen (13) im Mittelmeer und der Kanaren (14) im Atlantik unweit der Afrikanischen Küste.




Die Weine

Spanien verfügt über rund 600 in weiten Teilen autochthone (= einheimische) Rebsorten, wovon allerdings sehr viele nur von beschränkter regionaler Bedeutung sind. Unter den zahlreichen Weinen des Landes existiert eine ganze Reihe von Weltrang. Darunter befinden sich vorwiegend Verschnittweine, weniger solche, die Sortenrein gekeltert werden.

 

Die bedeutendsten Rebsorten sind: Weiß: Airén, Pardillo, Macabeo, Palomino, Pedro Ximénez, Cayetana Blanca, Chelva, Parellada, Xarel-Lo; Rot: Tempranillo, Bobal, Garnacha Tinta, Monastrell, Mencía, Carignan.

 

Regionale Kontrollbehörden aus Winzern, Beamten, Wissenschaftlern und Produzenten entscheiden über die in der jeweiligen Region zulässigen Höchsterträge pro Hektar, Anbau- und Herstellungsmethoden, Rebsorten usw., sowie über die Verleihung der folgenden Qualitätsstufen:


Vino

(Bis August 2011 „Vino de Mesa VdM) – einfache Tafelweine, die meist aus den Trauben mehrerer Regionen verschnitten werden und somit für gewöhnlich über keine Herkunfts- und Jahrgangsangabe verfügen.


Indicación Geográfica Protegida

(IGP; bis August 2011 „Vino de la Tierra VdlT) – ein besserer Tafelwein/Landwein, auf dessen Etikett Herkunftsort und Rebsorten vermerkt sein müssen. Weiterhin wird dieser Wein einer Prüfung durch die regional zuständige Kontrollbehörde unterzogen.


Denominación de Origen Protegida

(DOP; bis August 2011 „Denominación de Origen DO bzw. „Denominación de Origen Calificada DOCa) – die höchste Qualitätsstufe, die nur an besonders hochwertige Lagen vergeben wird. Die Produktion der Weine wird strengstens überwacht, zudem sind Rebsorten, Höchsterträge und Ausbau unmissverständlich klar definiert. Weine dieser Klasse müssen über viele Jahre eine gleichbleibend hohe Qualität aufweisen. Bislang fallen nur eine Handvoll erlesenster Gebiete (z. B. La Rioja, Priorato, Ribera del Duero) unter diese Kategorie.

 

 

Weiterhin sind folgende Zusatzbezeichnungen zulässig:


Joven

Nicht oder nur kurz (max. 6 Monate) gereifter Wein.


Crianza

Mindestens 2 Jahre gereifter Wein (davon mind. 6 Monate im Fass und 18 Monate in der Flasche).


Reserva

Mindestens 3 Jahre gereifter Wein (davon mind. 12 Monate im Fass und 24 in der Flasche). Nur für DOP-Weine erlaubt.


Gran Reserva

Mindestens 5 Jahre gereifter Wein (davon mind. 18 Monate im Fass, den Rest in der Flasche).


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