Sambuca

Sambuca ist die Bezeichnung für Liköre, die aus neutralem Alkohol, dem Aroma von Sternanis, grünem Anis und evtl. anderen Gewürzpflanzen, sowie Zucker hergestellt werden. Die Verwendung künstlicher Aromastoffe ist nicht erlaubt. Der Zuckergehalt muss wenigstens 350 g/l, der Alkoholgehalt mindestens 38% vol. betragen. 


Hintergrund

Das Ursprungsland des Sambuca ist Italien, doch ist nicht bekannt, wann er erstmalig hergestellt wurde. Es gibt keinerlei Dokumente oder ähnliches, die auf ein jahrhundertealtes Rezept schließen lassen, lediglich der Name könnte einen Hinweis hierauf geben. Lange Zeit wurde angenommen, “Sambuca” stamme vom italienischen Wort für Holunder, “Sambucus”, ab, den der Likör zwar enthalten kann, aber nicht muss. Forschungen haben jedoch mittlerweile ergeben, dass sich der Name tatsächlich von “Sambuco” ableitet, einer Bootsart, die im Mittelalter von den Arabern verwendet wurde.

 

Der Zusammenhang zwischen Boot und Likör mag zunächst merkwürdig erscheinen, bei genauerer Betrachtung wird das Bild jedoch klarer. Ab dem Jahre 827 begannen die Araber damit, Sizilien und Teile Süditaliens gewaltsam zu erobern. Die Herrschaft der arabischen Eindringlinge währte bis weit ins 11. Jahrhundert hinein, dann wurden sie wieder aus dem Land vertrieben. Mit den Fremden kamen zudem bis dahin in Italien unbekannte Pflanzen, Kräuter und Gewürze ins Land, darunter befanden sich auch Sternanis und grüner Anis. Die Schiffe, die von den Arabern zum Handel mit diesen Gewürzen benutzt wurden, hießen auf Arabisch “Sambuco”.

 

Fraglich bleibt aber auch weiterhin die genaue Entstehungszeit des Sambuca-genannten Likörs aus Anis und anderen Gewürzen. Es ist sehr wohl wahrscheinlich, dass bereits die Araber im 9. Jahrhundert neben den exotischen Pflanzen eine eng mit dem Rakí bzw. Arrak verwandte Spirituose im Gepäck hatten und in Süditalien einführten. Wie für Sambuca ist auch für Rakí, und teilweise auch für Arrak, eine deutliche Anis-Note typisch. Da beide Spirituosen im 9. Jahrhundert nicht nur längst bekannt, sondern sogar überall in den von Muslimen besetzten Gebieten verbreitet waren, ist eine enge Verwandtschaft mit dem Sambuca anzunehmen. Internationale Bekanntheit erlangte der Sambuca erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dabei hat sich vor allem die namhafte italienische Firma Molinari hervorgetan.

            

Obwohl Italien als Ursprungsland anzusehen ist und Sambuca praktisch ausnahmslos in Italien hergestellt wird, so ist diese Bezeichnung bislang jedoch an keine feste Region gebunden, darf also überall auf der Welt verwendet werden. Getrunken wird der Likör oftmals im oder zum Kaffee, aber auch ungekühlt als Shot mit 3 Kaffeebohnen (ital.: “Sambuca con la Mosca”, “Sambuca mit Fliege”).

 

Die Art, den Anislikör mit Kaffeebohnen zu trinken, geht auf eine kleine Geschichte zurück, die man sich in Italien gerne erzählt. Danach soll vor einigen Jahrhunderten eine alte Dame damit begonnen haben, Sambuca selbst zu brennen. Jedes Mal wenn sie den hausgemachten Likör ihrer Familie nach dem Essen servieren wollte, setzten sich angelockt vom hohen Zuckergehalt drei Fliegen auf eines der Gläser. Um die lästigen Fliegen endlich loszuwerden, und um sicherzustellen, dass sie auch tatsächlich tot wären, zündete sie den Sambuca kurzerhand an.

 

Bei dem heute durchgeführten Trinkritual werden die Kaffeebohnen durch die Flamme geröstet und ein Teil des im Likör enthaltenen Zuckers karamellisiert. Beim Trinken sollte der Sambuca kurz im Mund behalten und die Bohnen zerkaut werden. In Italien ebenfalls beliebt ist der “Sambuca Negra”, der bereits mit Kaffee vermischt ist.