Südafrikanischer Wein

Mit der Landung des Niederländers Jan van Riebeeck in der Nähe des heutigen Kapstadt im Jahre 1652 wurde der Grundstein für die Kolonisierung Südafrikas gelegt. Im Auftrag der niederländischen Ostindien Kompanie gründete er dort am äußersten Südende Afrikas, dem Kap der Guten Hoffnung, einen kleinen Außenposten zur Versorgung vorbeifahrender Schiffe auf ihrem langen Weg von und nach Asien.

 

Um der Station am Ende der Welt eine dauerhafte Basis zu verleihen, ließ van Riebeeck heimische Nutzpflanzen einführen und anbauen. Darunter waren schon 3 Jahre nach seiner Ankunft auch die ersten aus Frankreich, Deutschland und Spanien stammenden Weinreben, die sich dank des mediterranen Klimas hervorragend entwickelten. Bereits in 1659 wurde der erste südafrikanische Wein gekeltert, wenn auch noch unter niederländischer Hoheitsflagge. Die Anfänge waren freilich eher unscheinbar, tatsächlich wurde Wein zunächst eher als Zierpflanze für Veranda und Garten denn als Nutzpflanze angebaut. Dennoch zeigten die Bemühungen von van Riebeeck und dessen Nachfolger als Gouverneur, Simon van der Stel (1639 – 1712), dass Weinbau in dieser Region der Erde durchaus wirtschaftlich sein konnte.

 

Letzterer verfügte über tiefgehendere Fachkenntnisse im Weinbau und sorgte schließlich für die Bepflanzung von 750 ha der unteren Hänge der Steenbergen in Constantia. Die dort 1685 auf seinem persönlichen Landbesitz angelegten Weinberge sollten sich in den kommenden 2 Jahrhunderten als herausragend für den südafrikanischen Weinbau herausstellen. Das “Groot Constantia” genannte Weingut wurde kurz nach der Gründung von der eingewanderten Familie Cloete erworben, die aus den dort angebauten Rebsorten Muskateller, Pontac und Frontignac süße Dessertweine kelterte. Mit besonderer Sorgfalt, die sie von den meisten anderen Winzern am Kap unterschied, widmeten sie sich der Herstellung ihrer Constantia-Weine, die sich schon bald zum Exportschlager entwickelten und unter den besseren Gesellschaften in Europa für lange Zeit en vogue waren. So befanden sich unter den Liebhabern aussagekräftige Namen wie Friedrich der Große, Napoleon Bonaparte, Johann Sigismund Schulin, Jane Austen und Charles Baudelaire.

 

Durch die Verfolgung von Protestanten unter der Herrschaft des streng katholischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638 – 1715) sahen sich im späten 17. Jahrhundert viele französische Hugenotten gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Nicht wenige von ihnen verließen das Land in Richtung Südafrika, wo sie dem dortigen Weinbau weitere wichtige Impulse verliehen.

 

Trotz alledem sorgte die unkontrollierte Anlage von neuen Weinflächen für eine zunehmende Überproduktion von größtenteils minderwertigen Weinen. Scheinbar unbeeindruckt durch die enormen Absatzschwierigkeiten hielt diese Entwicklung bis ins 19. Jahrhundert hinein an; nur einige wenige namhafte Marken wie Constantia erfreuten sich unverminderter Nachfrage.

 

Der Aufschwung kam paradoxerweise erst mit der gewaltsamen Änderung der Machtverhältnisse in Südafrika: Im Jahr 1797 besetzten britische Truppen Gebiete rund um das Kap der Guten Hoffnung. Im Zuge der napoleonischen Kriege in Europa wurden die Niederlande von französischen Truppen besetzt. Um nun zu verhindern, dass die niederländische Kolonie in Südafrika ebenfalls in französische Hände fiele, annektierten die Briten sie kurzerhand. Der Vorteil für die örtlichen Winzer bestand nun darin, dass Napoleon über das europäische Festland eine Blockade verhängt hatte und die Ausfuhr kontinentaler Waren nach Großbritannien unterband. Schmuggler und risikofreudige Händler waren bei weitem nicht in der Lage, die gewaltige Nachfrage des englischen Marktes nach Wein zu decken. Mit der Besetzung Südafrikas und unter dem Schutz der starken britischen Flotte sahen sich die südafrikanischen Weinbauern nun in der einmaligen Lage, dieses Marktvakuum dank vorteilhafter Zölle mit ihren im Überfluss produzierten Weinen zu füllen. In 1802 wurde Südafrika zwar durch den Friedensschluss von Amiens wieder an die Niederlande zurückgegeben, doch besetzten die Briten das Land schon vier Jahre später erneut und beanspruchten es diesmal endgültig für sich.

 

Als sich der europäische Frieden wieder einigermaßen gefestigt hatte und daraufhin im Jahr 1861 die Schutzzölle wieder abgeschafft worden waren, standen die Südafrikaner einmal mehr vor einem großen Problem. In den vergangenen Jahrzehnten hatten sie kaum etwas zur Verbesserung der Weinqualität unternommen und aufgrund der nunmehr angeglichenen Einfuhrzölle bevorzugten die Briten wieder die weitaus hochwertigeren Weine aus Frankreich, Spanien, Portugal und Deutschland. In der Folge wurde wieder weit mehr Wein produziert, als abgesetzt werden konnte. Hinzu kam ab den 1880er Jahren der flächendeckende Befall durch die aus Europa eingeschleppte Reblaus. Trotz der Vernichtung großer Rebbestände führte die im Nachhinein erfolgte, oftmals planlose Neubepflanzung mittels widerstandsfähiger amerikanischer Wurzelstöcke zu erneuter Überproduktion.

 

Die von 1899 bis 1902 tobenden Burenkriege zwischen den burischen Siedlern und der britischen Armee sorgten für eine kurzeitige Drosselung der Produktion, während der die südafrikanischen Weine vergleichsweise gut abgesetzt werden konnten. Mit dem Ende des Krieges war diese Phase jedoch schnell wieder vorüber und viele Winzer standen kurz vor dem finanziellen Ruin. Erst im Jahr 1918 reagierte man endlich mit der Gründung der Genossenschaft KWV (Kooperatiewe Wijnbouwers Vereniging van Zuid-Afrika). Die Interessen der Erzeuger wurden somit unter einem Dach vereinigt, die Produktion wurde reglementiert und Mindestpreise wurden für alle verbindlich festgelegt.

 

Der nun folgenden Zeit der relativ konstanten Sicherheit machte jedoch der 1948 erfolgte Regierungswechsel in Südafrika ein Ende. Mit der Politik der Apartheid manövrierte sich das Land selbst ins außenpolitische Abseits. Viele Staaten legten aufgrund der katastrophalen menschenrechtlichen Situation ihre bis dahin guten Beziehungen zu Südafrika auf Eis. Als Ergebnis der in weiten Teilen vorherrschenden wirtschaftlichen Isolation blieben den Winzern viele wichtige Märkte verschlossen und eine weitere Entwicklung des Weinbaus war praktisch unmöglich.

 

Dieser Zustand der Stagnation begann sich erst ab Mitte der 1980er Jahre zu lockern, als die Einfuhr hochwertiger ausländischer Rebsorten, wie z. B. Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot usw., von der Regierung erlaubt wurde. Diese neuen Sorten verdrängten nach und nach die vielerorts bisher angebauten minderwertigen Reben. Mit der Freilassung Nelson Mandelas im Jahr 1994 und der sich daran anschließenden Demokratisierung Südafrikas wurde das Land wieder in die internationale Gemeinschaft aufgenommen.

           

Viele junge, südafrikanische Kellermeister und angehende Winzer bereisten in der jüngeren Vergangenheit die klassischen Weinländer Europas und sorgten mit ihren dort erworbenen Kenntnissen für eine umfangreiche Modernisierung des bis dato zurückgebliebenen südafrikanischen Weinbaus und ein Anheben des allgemein gültigen Standards. Heute produziert Südafrika auf einer Gesamtfläche von etwa 120.000 ha  rund 730 Mio. Liter Wein im Jahr.


Die Region

Südafrika, an der äußersten Südspitze des afrikanischen Kontinents gelegen, verfügt über eine Vielzahl unterschiedlicher Klimazonen. Für den Weinbau geeignet ist allerdings lediglich ein vergleichsweise kleiner Bereich im Südwesten des Landes, dominiert von der Provinz Westkap. Selbst dort wäre das Klima eigentlich zu warm, gäbe es nicht den Benguela-Meeresstrom, der kaltes Wasser aus der Antarktis mit sich führt und an der Küste so seine kühlende Wirkung entfaltet. Das dadurch vorherrschende, gemäßigte maritime Klima erweist sich als ideal für den Weinbau. Aufgrund der Lage Südafrikas, tief unten auf der Südhalbkugel, sind die Jahreszeiten denen auf der Nordhalbkugel entgegengesetzt. Winter herrscht von Juni bis August, Sommer von Dezember bis Februar.

 

Die Weinregionen sind im Einzelnen: Olifants River (1) mit den Gebieten Lutzville Valley, Citrusdal Valley und Citrusdal MountainCoastal Region  mit den  Gebieten Swartland (2), Tygerberg (3)Constantia (4), Cape Point (5), Stellenbosch (6), Tulbagh (7) und Paarl (8); Walker Bay (9), Overberg (10), Breede River Valley mit den Gebieten Worcester (11), Swellendam (12) und Robertson (13); Little Karoo (14) mit dem Gebiet Calitzdorp (15);  weiterhin gibt es Weingebiete, die keiner Region zugeordnet werden können: Douglas (16), Lower Orange (17) sowie die kleineren Bezirke, die ebenfalls offiziell als Herkunftsorte für Wein anerkannt sind: Ceres (18), Cederberg (19) und Upper Langkloof (20).




Die Weine

Seit dem Ende der Apartheidpolitik sind südafrikanische Weine wieder zunehmend auf dem internationalen Markt vertreten. Darunter sind viele von absoluter Spitzenqualität, die den Vergleich mit ihren namhaften Konkurrenten aus Frankreich, Spanien und Italien nicht zu scheuen brauchen. Das Anbauverhältnis von weißen zu roten Trauben ist mit 56:44 relativ ausgeglichen.

 

Die wichtigsten Rebsorten sind: Weiß: Chardonnay, Chenin Blanc (Steen), Colombard, Sultana (Thompson Seedless), Sauvignon Blanc, Semillion, Viognier; Rot: Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinotage, Pinot Noir, Cinsault, Shiraz.

 

Das südafrikanische Qualitätssystem Wine of Origin beruht lediglich auf der amtlichen Kontrolle der auf dem Etikett angegebenen Daten wie Hersteller, Herkunftsort, Rebsorte(n) und Jahrgang. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der jeweilige Wein tatsächlich nur zu mind. 85% aus der angegebenen Rebsorte gekeltert worden sein und ebenfalls nur zu mind. 85% aus dem angegebenen Jahrgang stammen muss. Bezüglich des Herkunftsortes ist zu sagen, dass je exakter die Ortsangabe ist, der Wein individueller und meist auch hochwertiger ausfällt. Die Angabe „Coastal Region” bspw. weist also auf die Verwendung von Trauben aus einer weit gefächerten Region hin, während “Prince Albert Valley” ausschließlich Trauben aus einem eng eingegrenzten Gebiet zulässt und somit sehr viel präziser ist. 


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