Rotkäppchen

Rotkäppchen ist der Name einer deutschen Wein- und Sektkellerei in Freyburg in Sachsen-Anhalt.


Hintergrund

Das Unternehmen wurde im Jahr 1856 von den Brüdern Moritz und Julius Kloss zusammen mit ihrem Freund Carl Foerster in Freyburg im Weinbaugebiet Saale-Unstrut als Weinhandlung gegründet. Nachdem man sich an dem Aufbau der “Freyburger Champagner-Fabrik-Gesellschaft” beteiligt hatte, beschloss man nur 1 Jahr später die Errichtung einer eigenen Sektkellerei, die zunächst im Hinterhaus der Familie eingerichtet wurde. In 1858, also gut ein Jahr nach Gründung der Kellerei, wurde die erste Flasche Sekt der Marke Kloss & Foerster auf der Hochzeit von Julius Kloss und Emma Gabler geöffnet.

 

Trotz bescheidener Anfänge, mit einer jährlich produzierten Menge von nur wenigen tausend Flaschen, erzielte die Firma doch höhere Gewinne als die Freyburger Champagner-Fabrik, wodurch diese 1866 von Kloss & Foerster übernommen und die Produktion ausgeweitet werden konnte. Schon kurz darauf reichte der in unmittelbarer Umgebung gekelterte Wein nicht mehr aus, und um der steigenden Nachfrage noch gerecht werden zu können, begann man in 1887 mit dem Bau eines fünfstöckigen 13.000 m² großen Reifekellers, der auch heute noch zu besichtigen ist.

 

Der Markenname Rotkäppchen entstand erst im Jahr 1895 im Anschluss an das Warenbezeichnungsgesetz. Stets war es unter Sekt-Herstellern üblich gewesen, nach Vorbild der französischen Champagner-Häuser den Sekt-Marken französische Namen zu geben. So hatte man bei Kloss & Foerster bis 1894 einen Sekt mit der Bezeichnung “Monopole” im Sortiment, die allerdings auch vom Champagner-Haus Waldbaum-Heidsieck seit 1846 verwendet wurde. Nach Inkrafttreten des Gesetzes verlor Kloss & Foerster den Rechtsstreit und musste sich nach einem neuen Markennamen umsehen. Aufgrund der bereits verwendeten roten Verschlusskapsel entschied man sich nun also für den Namen Rotkäppchen.

 

Zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs (1871 – 1918) wurde die Marke auch in vielen Offizierskasinos ausgeschenkt, was sich aufgrund des auch ins Zivilleben übergreifenden Militarismus besonders werbewirksam ummünzen ließ. Nach Einführung der Sektsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Flotte im Jahre 1909, die teuren Sekt höher besteuerte als billigen, verlegte sich die Firma auf die Produktion von kostengünstigeren Schaumweinen. Während des Ersten Weltkrieges konnte man sich trotz der Verknappung von Zucker und Kork dank der guten Verbindungen zum Militär gleichbleibend hoher Nachfrage erfreuen, Kriegsende und Weltwirtschaftskrise trieben die Firma jedoch an den Rand des Ruins. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die tiefen, praktisch bombensicheren Kellerräume zu Rüstungszwecken der Firma Krupp unterstellt, weshalb die Produktion von Sekt fast vollständig zum Erliegen kam.

 

Nach der Aufteilung Deutschlands nach dem Krieg in Ost und West wurde das Unternehmen im Jahr 1948 enteignet und verstaatlicht. Der bisherige Eigentümer Günther Kloss ging danach in den Westen und gründete 1953 die Sektkellerei Kloss & Foerster in Rüdesheim neu, woraufhin der Freyburger Betrieb, die einzige Sektkellerei in Ostdeutschland, in “Rotkäppchen Sektkellereien” umbenannt werden musste.

 

Bis 1958 stellte man die Produktion auf das billigere Transvasierverfahren um - die bislang verwendeten Rüttelpulte verbrauchten beachtliche 50% der Lagerfläche - wodurch die Produktivität um 180% gesteigert werden konnte. Um mit der sprunghaft anwachsenden Nachfrage Schritt halten zu können, sah man sich Ende der 1960er Jahre dennoch gezwungen, das Großraum- oder Tankgärverfahren anzuwenden. In den 70ern sah man sich weiterhin genötigt, zwei weitere Produktionshallen zu errichten, um den Ausstoß auf jährlich 100.000 Hektoliter zu steigern.

 

Erst mit der Wiedervereinigung brachen die Absatzzahlen durch die Einfuhr von Westprodukten um dramatische 50% ein. Nach der erneuten Privatisierung im Jahre 1993, an der einige der führenden Mitarbeiter des Betriebes beteiligt waren, stabilisierte sich die Lage jedoch wieder.

 

Im Jahr 2000 erfolgte mit der Übernahme der Godefroy H. von Mumm & Co. Sektkellereien, der Matheus Müller Sektkellereien und der Geldermann Privatsektkellerei die Gründung der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien – eine der wenigen Übernahmen von “westdeutschen” Unternehmen durch ein “ostdeutsches”. In 2006 wurden Weine ins Sortiment aufgenommen, ein Jahr später stieg man mit dem Kauf von Eckes Spirituosen & Wein GmbH ins Spirituosen-Geschäft ein. Heute ist Rotkäppchen mit über 80 Mio. verkauften Flaschen jährlich die größte Sekt-Marke Deutschlands.


Produkte


Rotkäppchen Traditionssortiment

Im Tankgärverfahren hergestellt; erhältlich in den Geschmacks-richtungen Trocken (20 g/l Restzucker), Halbtrocken (36 g/l), Mild (55 g/l) sowie als Rosé (31 g/l) und Rubin (38 g/l); alle alc. 11% vol.


Rotkäppchen Flaschengärsekt

Im Flaschengärverfahren hergestellt; erhältlich sind Extra Trocken  (17 g/l Restzucker), Riesling Trocken (22 g/l), Brut (8 g/l) und Weißburgunder (13 g/l); alle alc. 11% vol.


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