Quinquina

Quinquina (auch “China-Wein”) ist die vor allem in Frankreich übliche, jedoch nicht geschützte Bezeichnung für Kräuterbitter oder Wermuts, die einen hohen Anteil an Chinin aufweisen. Der Alkoholgehalt beträgt üblicherweise zwischen 15 und 24% vol. Siehe auch Wein-Aperitif und Wermut.


Hintergrund

Als die Spanier im 16. Jahrhundert das südamerikanische Inkareich eroberten, lernten sie von den Einheimischen die Wirkung des Chinarindenbaums kennen. Die Inka hatten vermutlich irgendwann in ihrer Geschichte kranke Tiere dabei beobachtet, wie sie die Borke eines bestimmten Baums fraßen und danach wesentlich lebhafter wirkten als zuvor und schließlich sogar wieder gesund wurden. Die Rinde dieses Baumes nannten die Inka “Kina”, was schlicht “Rinde” bedeutete, woraus die Spanier später “China” machten und wovon sich letztlich der Name “Chinin” ableitet.

 

Forschungsreisende und Ärzte kamen nach Südamerika und lernten aus der Chinarinde ein Extrakt zu gewinnen, das sich zur Behandlung gegen Fieber und andere Krankheiten hervorragend verwenden ließ. Im 17. Jahrhundert heilte der Brite Sir Talbor mit Hilfe einer Mischung aus Wein und zu Pulver zermahlener Chinarinde den Sohn des französischen Königs Ludwig XIV., der an hohem Fieber litt, und erregte damit einiges an Aufmerksamkeit.

 

Als es im Jahr 1820 zudem erstmals Chemikern gelang, den Wirkstoff Chinin aus der Rinde des Chinarindenbaums zu isolieren, wurden chininhaltige Getränke vor allem von den Armeen Frankreichs, Großbritanniens und Spaniens dazu benutzt, ihre in tropischen Regionen stationierten Truppen gegen Malaria zu schützen. Durch die aus den Kolonien heimkehrenden Soldaten verbreiteten sich diese Getränke auch zunehmend in Europa und einige Hersteller begannen mit der Herstellung von mit Chinin versetzten Wermuts oder Kräuterlikören für den zivilen Markt.

 

In Frankreich setzte sich bald die Bezeichnung “Quinquina” durch (möglicherweise abgeleitet vom Inka-Wort “Kina-Kina”, “Rinde der Rinden”), die sich vermutlich irgendein längst vergessener Spirituosen-Hersteller für sein Produkt ausgedacht hatte. Die Quinquinas waren gerade um 1900 in Frankreich überaus beliebt, verloren in den Jahrzehnten danach jedoch zusehends an Bedeutung.

 

Auch heute noch ist diese Bezeichnung durchaus üblich, doch unterliegt sie keiner gesetzlichen Definition und ist nicht geschützt. Sie steht lediglich als allgemeiner Oberbegriff für stark chininhaltige, alkoholische Getränke und wird praktisch ohne Ausnahme in Frankreich verwendet. Chinarindenbäume werden heute vor allem in Indien, Afrika und Südostasien kultiviert.