Prosecco

Prosecco ist die geschützte Bezeichnung für italienischen Schaum- und Perlwein, der aus der Rebsorte Glera (ehemals Prosecco) hergestellt werden und aus einer genau festgelegten Region nördlich von Venedig stammen muss. Siehe auch Cava, Champagner, Crémant, Perlwein, Sekt und Schaumwein.


Hintergrund

Bereits die Römer kannten die weiße Prosecco-Rebsorte, damals freilich noch unter einem anderen Namen, die im Nordosten Italiens erstmals angebaut wurde. Jahrhunderte hindurch auch in anderen Regionen zu einfachem Wein verarbeitet, war die Entdeckung des Prosecco-Schaumweins bloßer Zufall und ist, wie auch beim Champagner, eng mit der Einführung der Glasflasche verknüpft.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen einige der venezianischen Winzer damit, den frisch gekelterten Traubenmost in Glasflaschen zu füllen, anstatt wie bisher Holzfässer zu benutzen. Als der Winter hereinbrach zog es viele Familien wie gewohnt in ihre Winterquartiere am Ufer des Piave und sie ließen den jungen Wein in ihren Hütten zurück. Als sie im Frühling zurückkehrten, stellten sie erstaunt fest, dass sich der Most in ungewohnt süßen, prickelnden Wein verwandelt hatte. Vermutlich hatte die hereinbrechende Kälte den Gärprozess zwischenzeitlich gestoppt und in den Glasflaschen konnte die sich bildende Kohlensäure weniger gut entweichen als in den sonst üblichen Holzfässern. Nach der verwendeten Rebsorte tauften die Winzer ihren neuen Schaumwein “Prosecco”, der Name hat also nichts mit dem italienischen Wort “Secco” (= “trocken”) zu tun.

 

Zunächst nur zu familiären Feierlichkeiten ausgeschenkt, war der Prosecco lange Zeit eine regionale Spezialität, die außerhalb Venetiens kaum Beachtung fand. Erst die 1950er Jahre brachten den Aufschwung, als man den bisher recht süßen Schaumwein auch als trockene Variante anbot und damit den internationalen Geschmack wesentlich besser traf.

 

In Verruf kam der Prosecco paradoxerweise gerade aufgrund seines Erfolgs. Viele Gastronomie-Betreiber nutzten in den 1990er Jahren seine Beliebtheit vermehrt für ihre eigenen Zwecke, indem sie billigen Prosecco-Perlwein zu horrenden Preisen unters Volk brachten. Gerade weil vielen Konsumenten der Unterschied zwischen “Spumante” und “Frizzante” oder Schaum- und Perlwein nicht ganz klar war (und noch immer ist), haftet dem Prosecco auch heute noch ein zweifelhafter Ruf an.

 

Um dem entgegenzutreten erließ Italien eine Reihe von Verordnungen, die die Bezeichnung Prosecco schützen, regional begrenzen und gewisse Qualitätsstandards garantieren. Seither befindet sich der Prosecco auch bei uns wieder auf dem Weg der Rehabilitierung. Seit dem 01.01.2010 trägt die Rebsorte nicht mehr den gleichen Namen “Prosecco”, sondern wird als “Glera” bezeichnet, um Verwechslungen und Etikettenschwindel vorzubeugen.


Die Region

Die Rebsorte Glera selbst darf zwar auch weiterhin überall angebaut und verarbeitet werden, doch nur Schaum- und Perlweine aus festgelegten Gebieten der Regionen Venetien (1), Treviso (2), eine Provinz der Region Venetien, und Friaul (3) dürfen die Bezeichnung Prosecco tragen. Etwa 90% aller dort angebauten Trauben werden zu Schaum- und Perlwein verarbeitet.

 

Rund um die Orte Conegliano und Valdobbiadene in der Provinz Treviso in Venetien werden die hochwertigsten Marken hergestellt und mit “Conegliano/ Valdobbiadene DOCG” deklariert. Die höchste Qualitätsstufe besitzt der “Cartizze-Prosecco”, der aus einem winzigen Gebiet um die Gemeinden Follo und Saccol stammen muss. Da die dort produzierten Mengen naturgemäß sehr gering sind, ist der Cartizze selten, schwer zu bekommen und nicht ganz billig.




Herstellung

Bei der Herstellung von Prosecco wird zwischen Spumante (Schaumwein) und Frizzante (Perlwein) unterschieden:


Spumante

Ausgangsbasis bildet der Grundwein, der ausschließlich aus der Glera-Rebsorte gekeltert werden darf. Ihm wird die sog. Fülldosage (= Wein + Zucker + Hefe) zugegeben, um die zweite Gärung einzuleiten. Diese erfolgt bei hochwertigen Marken im Flaschengärverfahren, meist jedoch im wesentlich günstigeren Tankgärverfahren.


Frizzante

Die verwendeten Grundweine dürfen bis zu 15% aus einer anderen Rebsorte als der Glera-Traube bestehen, ohne dass dies auf dem Etikett angegeben werden muss. Die Verwendung prozentual darüberliegender Fremdsorten muss deklariert werden. Wie jeder Perlwein verfügt auch der Frizzante grundsätzlich über weniger Kohlensäure als Schaumwein oder Sekt. Hochwertige Marken werden ebenfalls im Tankgärverfahren hergestellt, doch ist es auch erlaubt, stillen Wein unter Druck mit Kohlensäure zu versetzen, was die Produktionskosten erheblich reduziert, aber auch die Qualität mindert.