Portwein

Portwein (auch “Port”) ist die geschützte Bezeichnung für gespriteten (mit Alkohol verstärkten) Wein, der aus dem Douro-Tal im Norden Portugals stammen muss. Es sind nur bestimmte Rebsorten für die Herstellung zugelassen. Der Alkoholgehalt muss zwischen 19 und 22% vol. betragen. Siehe auch Madeira, Málaga, Marsala, Mavrodaphne, Sherry und Südwein.


Hintergrund

Im portugiesischen Douro-Gebiet wird spätestens seit der Römerzeit, möglicherweise sogar schon früher Wein angebaut, doch begann die eigentliche Geschichte des Portweins erst sehr viel später, etwa in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Damals wurde das Douro-Tal bereits seit Jahrhunderten intensiv zur Weinbewirtschaftung genutzt und die Hafenstadt Porto (auch “Oporto”) hatte sich längst als Dreh- und Angelpunkt zur Verschiffung des Weines aus der Region einen Namen gemacht. So kam es, dass erstmals in 1678 in Zolldokumenten die Bezeichnung “Porto” benutzt wurde, um den Wein, der im Hafen der gleichnamigen Stadt verladen wurde, zu kennzeichnen. Diese Bezeichnung sollte sich fortan immer stärker durchsetzen und wurde irgendwann schließlich ganz allgemein üblich.

 

Zu dieser Zeit galt Großbritannien bzw. England längst als einer der wichtigsten Abnehmer für nahezu jegliche Art von Wein, doch führten fortwährend aufflammende Konflikte mit dem bis dato wichtigsten Weinlieferanten Frankreich dazu, dass sich die englischen Kaufleute vermehrt nach Alternativen umsahen und sich letztlich immer mehr Spanien, Portugal und später auch Italien zuwandten. Auf ihrer ruhelosen Suche nach qualitativ hochwertigen Weinen wurden die Engländer u. a.  in einem abgelegenen Kloster im Douro-Tal fündig. Um den Wein für die Seereise haltbar zu machen, mischte man ihm eine gewisse Menge Weinbrand oder anderen gebrannten Alkohol bei, was den zunächst unbemerkten Nebeneffekt hatte, dass der Gärprozess durch den erhöhten Alkoholgehalt gestoppt wurde und der noch unvergorene Fruchtzucker erhalten blieb.

 

Nach dem Abschluss eines Handelsvertrages zwischen England und Portugal war dem Aufstieg des Portweins der Weg bereitet. Steigende Nachfrage und konstant hohe Preise ließen immer mehr Portwein-Firmen entstehen, auch zog es viele Briten ins Douro-Tal, die dort ihr Glück suchten - davon zeugen noch heute die vielen englischen Namen unter den großen Portwein-Marken.

 

Mit der Nachfrage und dem Profit stieg jedoch auch die Konkurrenz und viele Hersteller sahen sich bald gezwungen, zu billigeren Produktionsmethoden überzugehen, minderwertige Ware anzubieten oder schlichtweg zu panschen und zu betrügen. Auch das Mischen des Weins mit billigem Holundersaft war eine durchaus gängige Praxis. Diese unerfreuliche Entwicklung führte bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zum rapiden Niedergang des Ports, dem nun der Ruf anhaftete, ein billiger, schlecht schmeckender und zudem ungesunder Fusel zu sein. Die Exportzahlen gingen zurück und die Preise fielen ins Bodenlose, doch die Produktion stieg unverändert weiter an. Mit sinkender Nachfrage verarmte auch die Region zusehends.

 

Um diesem negativen Trend ein Ende zu setzen und ihre Interessen zu schützen, schlossen sich einige der größten Winzer und Port-Produzenten zusammen, um eine Petition an Sebastião José de Carvalho e Mello (1699 – 1782), Marquis von Pombal und zukünftiger erster Minister Portugals, zu richten. Daraufhin rief dieser im Jahr 1756 die Companhia Geral dos Vinhos do Alto Douro ins Leben, die fortan Richtlinien und Regeln für sämtliche Herstellungsbereiche des Portweins festlegen und überwachen sollte und zudem das Portwein-Gebiet gesetzlich eingrenzte. Außerdem wurde angeordnet, dass sämtliche Holundersträucher im Umkreis von 5 km um die Ufer des Douro gerodet werden mussten.

 

Einhundert Jahre später sorgten jedoch die Mehltau- und Reblausplage wie überall in Europa für eine flächendeckende Verheerung der Weinberge und versetzten fast alle Winzer in eine existenzbedrohende Lage. Infolgedessen wurde 1865 das zugelassene Produktionsgebiet ausgeweitet, wodurch nun auch die höher gelegenen Gegenden, die von der Reblaus weniger stark befallen waren, Port herstellen durften. Hinzu kamen nun neuartige Techniken der Bebauung und Bepflanzung sowie hochwertige Kunstdünger, die zu einem erneuten Anstieg von Qualität und Exportzahlen führte.

 

An den Erfolg des Ports suchten gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch andere Nationen anzuknüpfen, indem sie ihren Winzern gestatteten, ihre Weine ebenfalls als Portwein zu bezeichnen. So kursierten auf dem europäischen Markt nun plötzlich französische, spanische und hamburger Portweine, die den Preis beträchtlich drückten und die Douro-Winzer einmal mehr in arge Bedrängnis brachten. Das Resultat war, dass Portugal als Reaktion auf die neuerliche Gefahr eine ganze Reihe weiterer Verordnungen zum Schutz und auch zur qualitativen Aufwertung des Portweins erließ. In 1926 wurde zudem das Städtchen Vila Nova de Gaia zur Zollzone erklärt, weshalb seither alle Port-Firmen dort ihre Weine unter staatlicher Aufsicht einlagern müssen. Nicht zuletzt diese Maßnahme hat dazu geführt, dass sich der Portwein zu einem der am besten und strengsten kontrollierten Weine der Welt entwickelt hat, der längst seinen festen Platz unter den großen Südweinen der Welt besetzt hält.

           

Heute ist die Bezeichnung Portwein international geschützt und anerkannt. Der Port besitzt weltweit wieder viele Freunde und Liebhaber und bietet dem Feinschmecker nahezu endlose Geschmackseindrücke. Die Bandbreite an Produkten, Marken und Jahrgängen ist schier endlos, doch werden in der Gastronomie zumeist lediglich eine Handvoll einfacher Ports angeboten; reichlich ausgestattete Restaurants oder Händler sind eher selten. Die größten Abnehmer sind derzeit Frankreich, Holland, Belgien, England und Portugal, Deutschland rangiert weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.


Die Region

Das Douro-Tal befindet sich im Norden Portugals und erstreckt sich über etwa 100 km von West nach Ost auf einer Fläche von 240.000 ha. Es wird durch hohe Schiefergebirge eingefasst, die es vor den kalten Winden des atlantischen Ozeans schützen. Für gewöhnlich bricht dieses Schiefergestein durch die Bewegung der Kontinente in Form von länglichen Platten waagerecht auf, im Douro-Tal hingegen brechen sie in einem Winkel von 60 bis 90° zur Erdoberfläche, wodurch die Wurzeln angepflanzter Rebstöcke mehr als 10 m tief in die Erde wachsen können. Dadurch ist es den Reben einerseits möglich, sich besonders fest im Erdreich zu verankern, andererseits gelangen sie so auch an tiefer liegende Wasservorkommen und können anhaltende Trockenzeiten besser überstehen. Weiterhin dient dieses Wasserreservoir während der Nacht als Wärmespeicher und begünstigt das mikroorganische Leben der Rebstöcke.

 

Nur etwa 1/10 des Gebietes wird für den Weinbau genutzt, der größere Teil besteht aus Wäldern, Olivenhainen und einigen Obstgärten.

 

Das Klima wird von heißen Sommern und regenreichen Wintern dominiert, die den Trauben und dem  späteren   Wein  ihr  besonderes   Aroma  verleihen.  Die Weingärten werden seit jeher terrassenförmig angelegt. Dies geschieht zum Einen, um in der von Hügeln und steilen Berghängen durchzogenen Region die Anbauflächen zu vergrößern, zum anderen wird dadurch erreicht, dass die zum Teil sehr heftig ausfallenden Regengüsse nicht die kostbare Erde von den Hängen herunterspülen.




Herstellung

Zur Herstellung von Portwein sind über 40 verschiedene Rebsorten zugelassen, doch werden etwa noch einmal so viele für die Produktion anderer Weine im Douro-Tal angebaut. Unter diesen 40 Rebsorten gibt es solche, die von der staatlichen Kontrollbehörde “empfohlen” werden, andere, die “nicht bevorzugt” aber “erlaubt” sind, und einige, die zwar “nicht gerne zugelassen” aber dennoch “toleriert” werden. Zu den wichtigsten roten Rebsorten gehören: Touriga Nacional, Tinta Barroca, Touriga Francesca, Tinta Roriz, Tinta Amarela und Tinto Cão. Die bedeutendsten weißen sind: Malvasia Fina, Codega, Rabigato, Donzelinho Branco, Esgana Cão, Folgasão, Gouveio, Malvasia Rei, Moscatel und Viosinho. Die Traubenlese findet von Ende September bis Anfang Oktober statt.

 

Nachdem die Trauben eingemaischt worden sind, füllt man den Saft (bei rotem Port die gesamte Maische) in riesige, umfunktionierte Zementbehälter, die natürlich niemals mit Zement befüllt worden sind. Um eine vorzeitige Gärung zu unterbinden, muss der Most während der etwa 2 Tage dauernden Befüllung gut gekühlt werden. Erst wenn der Behälter voll ist, wird die Kühlung abgebrochen und die nun langsam steigende Temperatur löst den Gärprozess aus, es wird dem Most also keine Hefe beigegeben. Sobald etwa die Hälfte des Zuckers vergoren ist, was bei einem Alkoholgehalt von ca. 8% vol. erreicht ist, wird der Most in Holzfässer umgefüllt und gärt dort solange weiter, bis er den gewünschten Alkoholgehalt erreicht hat. Um die Gärung nun zu stoppen und darüber hinaus die Haltbarkeit zu verlängern, mischt man dem Jungwein bis zu 1/5 80%igen Weinbrand bei.

 

Damit sich der Wein optimal mit dem Weinbrand verbinden kann, ist eine längere Lagerzeit notwendig. Hierzu werden die Fässer nach Vila Nova de Gaia gebracht und in den Kellern, “Lodges” genannt, der Portwein-Firmen eingelagert. Nur hier, in einem eng eingegrenzten Gebiet, dürfen die Weine altern und werden vom “Instituto do Vinho Porto” strengstens kontrolliert. Haben die Weine nach 2 bis 6 Jahren in riesigen 20.000-l-Fässern oder Stahltanks ihren idealen Reifegrad erreicht, wird je nach gewünschtem Portwein-Typ weiter mit ihnen verfahren, d. h. sie werden verschnitten und nochmals in kleinere Holzfässer, sog. “Pipes”, eingelagert:


White (weiß)

Ein Verschnitt aus verschiedenen weißen, im Fass gereiften Rebsorten mehrerer Jahrgänge und Lagen. Der Geschmack reicht von süß bis sehr trocken.


Red (rot)/Ruby (rubinrot)

Ein Verschnitt aus verschiedenen roten, im Fass gereiften Rebsorten mehrerer Jahrgänge und Lagen, meist halbtrocken oder süß.


Tawny (lohfarben)

Ein Verschnitt aus verschiedenen roten, im Fass gereiften Rebsorten. Älter und heller als roter Portwein, halbtrocken oder süß im Geschmack.


Portwein mit Altersangabe

Zumeist ein lange gelagerter Tawny von besonders guter Qualität. Auf dem Etikett sind Alter und Abfülldatum angegeben.


Colheita

Mit Datum der Ernte. Aus Weinen eines einzigen Jahrgangs, mindestens 7 Jahre im Fass gereift. Ernte- und Abfülljahr sind auf dem Etikett vermerkt. Eine Untergruppe bilden die Garrafeira-Weine, die einige Jahre vor ihrem Verkauf in Flaschen gefüllt werden, um dort weiter zu reifen.


Vintage

Aus Weinen eines einzigen Jahrgangs, 2 bis 3 Jahre im Fass gereift. Vor dem Verkauf reift ein Vintage für weitere Jahre in der Flasche. Das Jahr der Ernte ist auf dem Etikett angegeben.


Vintage Character

Diese Bezeichnung ist ein wenig irreführend, denn es handelt sich hierbei keineswegs um einen Jahrgangs-Port. Er wurde lediglich wie ein “echter” Vintage nach 2 bis 3 Jahren Fassreife in Flaschen gefüllt und zur weiteren Reife eingelagert. Die Verschnitt-Weine selbst stammen aus unterschiedlichen Jahrgängen und Lagen.


Late Bottled Vintage (L.B.V.)

Ein Vintage-Port, also aus Weinen eines Jahrgangs, der jedoch 4 bis 6 Jahre im Fass reift bevor er abgefüllt wird. Erntejahr und Abfülldatum sind auf dem Etikett vermerkt.


Crusted Port

Ein Verschnitt mehrerer Jahrgänge, 4 bis 5 Jahre im Fass gereift. Der Name ist auf den Umstand zurückzuführen, dass sich während der Fassreife an der Oberfläche des Weins eine dünne Kruste bildet, die jedoch vor der Abfüllung beseitigt wird.

 

 

Die zusätzlich oft auf dem Etikett vermerkten Geschmacksangaben werden nach dem jeweiligen Restzuckergehalt wie folgt eingeteilt:


Extra Dry/Extra Seco

 

Dry/Seco

 

Semi Dry/Meio Seco

 

Sweet/Doce

 

Very Sweet/Muito Doce

Weniger als 40 g/l

 

40 bis 65 g/l

 

65 bis 90 g/l

 

90 bis 130 g/l

 

mehr als 130 g/l



Eventuell auf dem Flaschenetikett vermerkte Altersangaben (“10 Years”, “40 Years Old”, “Aged 20 Years” usw.) beziehen sich immer auf das Durchschnittsalter der enthaltenen Weine und sollten nicht als exakte Reifezeit angesehen werden. Die jeweilige Flasche enthält also (außer bei Jahrgangsports) sowohl jüngere, als auch ältere Weine, als die Altersangabe angibt.

 

Viele der Portwein-Häuser verfügen über keine eigenen Weinberge, sondern beziehen die benötigten Trauben von Winzern aus der Region und keltern den Wein anschließend in ihren Anlagen im Douro-Gebiet. Zum Verkauf werden die Portweine in die Stadt Porto gebracht und von dort aus in alle Welt verschifft.

 

Hochwertige Portweine reifen auch nach der Abfüllung noch jahrelang in der (ungeöffneten) Flasche nach. So können sich vor allem Jahrgangsports zu Weinen von ungeahnter Qualität entwickeln.


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