Pisco

Pisco ist die geschützte Bezeichnung für Branntwein, der entweder aus Peru oder aus Chile stammen muss. Da sich beide Staaten seit Jahren ergebnislos um das alleinige Recht der Benutzung dieser Bezeichnung streiten, gilt sie bis auf weiteres für Destillate aus beiden Ländern. Siehe auch Branntwein, Brandy und Weinbrand.


Hintergrund

Im April des Jahres 1532 landeten die Spanier unter der Führung von Francisco Pizarro an der Küste des heutigen Peru. Überwältigt von ihrer Gier nach Gold und Silber, unterwarfen sie innerhalb kürzester Zeit das sagenhafte Reich der Inka, schlachteten die Bevölkerung ab und plünderten die enormen Reichtümer der hochentwickelten Andenkultur. Die Spanier ließen die in ihren Augen heidnischen Tempel und Kultstätten niederbrennen und errichteten auf deren Ruinen ihre eigenen Kirchen und Gebäude und begannen mit der allmählichen Kolonisation des Landes.

 

Die neuen Herren brachten naturgemäß auch Produkte aus ihrer Heimat mit, so u. a. auch Weinreben, die sie Vermutungen zufolge bereits ab den späten 1550er Jahren anpflanzten. Die teils sehr gravierenden klimatischen Unterschiede des riesigen Landes - das Inkareich erstreckte sich zur Zeit seiner größten Ausdehnung über etwa 950.000 m² und bedeckte Teile der heutigen Länder Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und Argentinien - sorgten dabei für eine natürliche Auslese der verwendbaren Rebsorten und entschieden darüber, welche Sorte wo angepflanzt werden konnte. Hieraus ergeben sich auch die heute von Peru und Chile für die Herstellung von Pisco vorgeschriebenen Traubensorten.

 

Neben der Kelterung von Wein begannen einige Winzer auch sehr bald damit, Branntwein nach spanischem Vorbild zu destillieren, was gemeinhin als die Geburtsstunde des Pisco zu betrachten ist, auch wenn sich dieser Name bis dahin noch nicht eingebürgert hatte. Dies geschah vermutlich erst ab dem 17. Jahrhundert, als beinahe sämtlicher Branntwein über die uralte peruanische Hafenstadt Pisco nach Europa und in andere Kolonien verschifft wurde, bis der Name der Stadt irgendwann zum Synonym für peruanischen Branntwein wurde. Einer anderen Theorie über den Namensursprung zufolge, die jedoch weniger glaubwürdig erscheint, soll sich die Bezeichnung vom Quechua-Wort (Quechua = Sprache der Inka) “Pisco” (auch “Pisqu”, “Pisku”, “Pisccu”) herleiten, das so viel wie “fliegender Vogel” bedeutet und das Gefühl versinnbildlichen soll, das man nach dem Genuss des Branntweins verspürt.

 

Nach den verwirklichten Unabhängigkeitsbestrebungen Chiles (1818), Perus (1824) und der anderer spanischer Kolonien Südamerikas, war das ehemals zusammenhängende Staatsgebiet der Inka völlig zerrissen, die traditionelle Pisco-Produktion ging jedoch in vielen dieser Länder wie in den Jahrhunderten davor unverändert weiter. Die neu erworbene staatliche Eigenständigkeit führte sehr bald zu wachsender Rivalität zwischen den benachbarten Ländern, die in mehreren Kriegen mündete. Daraus resultieren letzten Endes auch die Streitigkeiten zwischen Chile und Peru, welches der beiden Länder nun als die Urheimat des Pisco anzusehen ist und deshalb über das alleinige Recht verfügt, den Branntwein unter dieser Bezeichnung herzustellen und zu vermarkten.

 

Geographisch betrachtet besteht kein Zweifel darüber, dass in Peru der erste Branntwein destilliert und über die Stadt Pisco verschifft worden ist. Andererseits sollte jedoch auch nicht vergessen werden, dass beide Länder zu Beginn des Weinbrennens noch nicht als selbständige Staaten existiert haben und auch das Gebiet des heutigen Chile über eine jahrhundertealte Brenntradition verfügt. Der juristische Streit läuft bereits seit mehreren Jahrzehnten und da beide Länder einen offenbar berechtigten Anspruch erheben, ist eine Einigung noch immer nicht in Sicht. International wird deshalb der Branntwein beider Länder als Pisco vermarktet. Peru hat allerdings ein Gesetz erlassen, das die Einfuhr von als Pisco bezeichnetem Branntwein aus dem Ausland untersagt und gleichzeitig den Export desselbigen nach Chile verboten.

 

Möglicherweise wäre es das Sinnvollste, sowohl Peru als auch Chile den Schutz der Bezeichnung auch in Zukunft weiterhin zu gestatten, denn letztlich verfügen beide Länder über eine lange gemeinsame Geschichte und jeder Konsument sollte selbst entscheiden können, ob er nun chilenischen oder peruanischen Pisco bevorzugt. Doch scheint allein der berühmte Name viel zu prestigeträchtig zu sein, als dass der Kampf einfach aufgegeben würde.

           

Pisco ist das Nationalgetränk Chiles und Perus, darüber hinaus wird er in nahezu allen Ländern Südamerikas in großen Mengen konsumiert. Internationale Berühmtheit erlangte der Weinbrand nicht zuletzt dank des Cocktailklassikers Pisco Sour (bestehend aus Pisco, Limettensaft, Zuckersirup und Eiweiß), der vermutlich in den 1920er Jahren in Lima, der Hauptstadt Perus, erfunden worden ist. Heute ist Pisco auch bei uns leicht zu bekommen und in jeder guten Bar zu finden.


Die Region

Peruanischer Pisco stammt in erster Linie aus der Region Ica (1), in der auch die Stadt Pisco sowie die Weinanbaugebiete Tacama und Ocucaje liegen. Weitere Herkunftsorte sind die Regionen Moquegua (2), Tacna (3) und Lima (4). Das Hauptanbaugebiet in Chile  befindet sich im Elqui-Tal (5).





Herstellung

Pisco wird wie jeder andere Branntwein auch aus dem vergorenen Saft von Trauben, also Wein, durch Destillation gewonnen. Die verwendeten Rebsorten sowie die Klassifizierung der Qualitätsstufen sind jedoch in Peru und Chile unterschiedlich geregelt.


Peruanischer Pisco

Die verwendeten Rebsorten sind überwiegend Muskateller, Albilla, Italia, Torontel, Mollar, Negra Corriente, Quebranta, Black Common und Uvina. Es ist sowohl üblich, den frisch vergorenen Most sofort zu destillieren, als auch in Holzfässern ausgebauten Wein zu verwenden. Es existieren vier unterschiedliche Qualitätsstufen:


Acholado

Hergestellt aus dem vergorenen Most mehrerer Rebsorten.


Mosto Verde

(“Grüner Most”) – hergestellt aus dem vergorenen Most einer oder mehrerer Rebsorten. Der Most muss destilliert werden, bevor die Gärung vollständig abgeschlossen, der Zucker also völlig in Alkohol umgewandelt ist.


Aromatic

Ausschließlich aus dem vergorenen Most nur einer der folgenden Rebsorten hergestellt: Muskateller, Albilla, Italia oder Torontel.


Pure

Ausschließlich aus dem vergorenen Most nur einer der folgenden Rebsorten hergestellt: Quebranta, Black Common oder Mollar.

 

 

Peruanischer Pisco muss laut Gesetz für mindestens 3 Monate in Stahltanks, innen  verglasten Keramikgefäßen oder anderen Behältern reifen, die die physischen oder chemischen Eigenschaften des Destillats nicht beeinflussen. Die Beimischung weiterer Zusatz-, Farb- oder Aromastoffe ist nicht erlaubt. Der Alkoholgehalt muss zwischen 38 und  48% vol. betragen.


Chilenischer Pisco

Verwendet werden vorwiegend die Rebsorten Muskateller, Torontel, Torrontés Riojano, Torrontés Sanjuanino und Piedro Ximénez. Die Einteilung der Qualitätsstufen erfolgt anhand des Alkoholgehalts:


Regular

Alc. 30 bis 35% vol.


Special

Alc. 35 bis 40% vol.


Reserve

Alc. 40 bis 43% vol.


Gran

Alc. 43% vol. oder mehr.

 

 

Eine Mindestreifezeit ist nicht vorgeschrieben, erfolgt oftmals jedoch für einige Monate in Eichenholzfässern. Der Most darf aus allen zugelassenen Rebsorten gemischt werden.