Pineau des Charentes

Pineau des Charentes (auch “Pineau Charentais”, “Pineau”) ist die geschützte Bezeichnung für französischen Likörwein, der aus 1/4 Cognac und 3/4 teilweise vergorenem Traubenmost (Saft) hergestellt wird und aus der Cognac-Region stammen muss. Der Alkoholgehalt muss zwischen 16 und 22% vol.  betragen.


Hintergrund

Dieser Likörwein entstand der Legende nach durch einen Zufall, als ein Winzer in der Charentes namens Pineau im ausgehenden 16. Jahrhundert frischen Traubenmost in ein vermeintlich leeres Fass füllte und diesen auf diese Weise unbeabsichtigterweise mit einer kleinen Menge Weinbrand - die Bezeichnung “Cognac” existierte zu dieser Zeit noch nicht - vermischte, die sich irrigerweise noch im Fass befand. Pineau versiegelte das Fass und lagerte es zusammen mit den anderen zur Gärung im Weinkeller ein, ohne seinen Irrtum zu bemerken. Einige Wochen später öffnete Pineau die Fässer wieder und stellte dabei ratlos fest, dass in einem der Fässer noch immer keine Gärung eingesetzt hatte. So nahm er dieses eine beiseite und stellte es in einen entfernten Winkel seines Weinkellers, um es später zu entleeren und zu säubern, doch letztlich vergaß er sein Vorhaben neben seinen anderen Arbeiten vollkommen. Als er besagtes Fass nach einigen Jahren zufällig wieder entdeckte und öffnete, stutzte er zunächst in Anbetracht des unerwarteten Geschmacks, der seinen Gaumen nach einem Probeschluck erfüllte. Nachdem er jedoch seine anfängliche Überraschung verwunden hatte, war er begeistert von den einzigartigen Aromen seiner ungewollten Kreation.

 

Diese Geschichte soll sich im Jahre 1589 abgespielt haben, weshalb dieses Jahr gemeinhin auch als Geburtsjahr des Pineau des Charentes gilt. Die Kenntnisse um diesen zufällig entstandenen Likörwein erreichten in der nachfolgenden Zeit auch andere Winzer der Gegend, doch blieb seine Herstellung im Wesentlichen auf die heutigen Départements Charente und Charente-Maritime im Westen Frankreichs beschränkt. Auch konnte der Pineau nie an die Bedeutung des Cognacs heranreichen und blieb über Jahrhunderte hinweg eine Spezialität, die nur zu besonderen Anlässen, wie z. B. Hochzeiten, serviert wurde und außerhalb der Region praktisch nicht bekannt war.

 

Seit 1935 ist die Bezeichnung Pineau des Charentes gesetzlich geschützt, die Bestimmungen wurden zudem in 1945 und 2008 weiter konkretisiert und verschärft.

           

Auch heute noch ist der Pineau des Charentes jenseits der Grenzen Frankreichs, ja teilweise nicht einmal innerhalb derselbigen, kaum ins Bewusstsein der Menschen gedrungen und spielt daher mit einer jährlichen Produktionsmenge von etwa 100.000 Hektolitern auf dem internationalen Markt eine eher untergeordnete Rolle. Wer jedoch Sinn für süße Besonderheiten hat, der sollte es nicht verpassen einmal in den Genuss eines Pineau des Charentes zu kommen, am besten leicht gekühlt, sowohl als Aperitif wie als Digestif.


Herstellung

Pineau des Charentes darf nur in der gesetzlich definierten Cognac-Region aus Cognac sowie dem Most folgender Rebsorten hergestellt werden: Ugni Blanc, Folle Blanche, Colombar, weißer und roter Merlot, weißer Jurançon, Semillion, Montils, Meslier Saint-François, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon. Zudem müssen der verwendete Cognac und Most von ein und demselben Weingut stammen, weshalb praktisch jeder Cognac-Brenner auch Pineau des Charentes in mehr oder weniger großen Mengen herstellt. Der Höchstertrag an Most darf pro Hektar nicht mehr als 40 (bei weißen Trauben) bzw. 50 Hektoliter (bei roten Trauben) betragen.

 

Der frisch gekelterte Traubenmost wird zunächst zu Wein vergoren. Bevor jedoch der Zucker vollständig in Alkohol und Kohlenstoffdioxid aufgespalten worden ist, wird die Gärung durch die Zugabe von 60%igem Cognac gestoppt, um genügend Restzucker und die charakteristische Süße zu erhalten. Das Mischungsverhältnis muss dabei ¼ Cognac und ¾ Traubenmost betragen. Der verwendete Traubenmost und dessen Kelterung (nach Weißwein- oder Rotweinverfahren) entscheiden dabei über weißen, roten oder rosé-farbenen Pineau. Bevor der Likörwein abgefüllt werden darf, muss er folgende Mindestreifezeiten erreicht haben: weißer Pineau des Charentes – 18 Monate, davon 12 Monate in Limousin-Eichenfässern; roter/rosé Pineau des Charentes – 14 Monate, davon 8 Monate in Limousin-Eichenfässern. Der Alkoholgehalt muss zwischen 16 und 22% vol. betragen.