Pimento Dram

Pimento Dram (auch nur „Pimento“) ist die übliche aber nicht geschützte Bezeichnung für Liköre, die aus Rum, Pimentkörnern, Zucker und ggf. weiteren Zutaten wie Zimt, Ingwer, Nelken, Muskatnuss u. ä. hergestellt werden. Der Alkoholgehalt kann stark variieren und beträgt meist zwischen 20 und 50% vol.


Hintergrund

Die Heimat des Pimenta dioica, des Piment-Baumes, liegt in Mittel- und Südamerika, vor allem in der Karibik ist er weit verbreitet. Als die ersten Europäer unter dem Kommando von Christopher Kolumbus im Jahr 1492 erstmals auf die aromatischen Körner stießen, hielten sie sie zunächst für Pfeffer, was nicht weiter verwundern sollte, denn sowohl in Aussehen als auch Geschmack bestehen durchaus gewisse Ähnlichkeiten. Außerdem waren die Entdecker der festen Überzeugung, sie seien in Indien gelandet, dem ursprünglichen Ziel ihrer Reise. Die Erschließung einer West-Route sollte schließlich Spanien den Zugang zu den sogenannten Gewürzinseln sichern, denn gerade Pfeffer war in Europa sehr gefragt und wurde zeitweise in Gold aufgewogen. Die Europäer bemerkten später zwar ihren Irrtum, doch hielt der Piment in den folgenden Jahrhunderten Einzug in die europäische Küche.

               

Schon die Ureinwohner nutzten Pimentkörner zur Verfeinerung von Speisen oder als Heilmittel, die Azteken bspw. verliehen damit ihrem als göttlich geltenden Schokoladengetränk den richtigen Pep. Piment besitzt einen intensiven Geschmack und weist dabei Aromen von Gewürznelken, Zimt und Muskat auf, verbunden mit einer leichten Pfefferschärfe, weshalb er oftmals auch als „Nelkenpfeffer“ oder „Allgewürz“ (engl. „Allspice“) bezeichnet wird. Da die hochwertigsten Qualitäten außerdem aus Jamaika stammen, ist auch „Jamaikapfeffer“ eine gängige Bezeichnung.


Piment
Piment

Wann genau die Rum-Industrie auf die Körner aufmerksam wurde, ist nicht überliefert. Da jedoch sowohl der Piment-Baum als auch der Rum in der Karibik beheimatet sind, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis jemand irgendwann beide Produkte miteinander kombinierte. Gerade Jamaika wird als Ursprung des später als Pimento Dram bekannten Rumlikörs gehandelt, denn zum einen liefert die Insel die mit Abstand besten Piment-Qualitäten, zum anderen wurde hier mutmaßlich in der Mitte des 17. Jahrhunderts der allererste Rum gebrannt. Es kann davon ausgegangen werden, dass mit Piment versetzter Rum nicht sofort als kommerziell ausgerichtetes Fertigprodukt entstanden, sondern stattdessen zunächst von der einheimischen Bevölkerung für den Hausgebrauch angesetzt worden ist. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelangte der Pimento Dram (engl. "Dram" = "Schlückchen") als eigenständiger Likör in den Handel, blieb jedoch auch weiterhin ein Nischenprodukt. Seine goldene Ära brach erst in den 1940er bis 1960er Jahren mit dem Aufkommen der Tiki-Kultur an, als Victor Jules Bergeron alias Trader Vic und Donn Beach alias Don the Beachcomber Pimento Dram verstärkt für ihre Rum-Kreationen nutzten (beide waren erbitterte Konkurrenten und beanspruchten die Erfindung des Mai Tai Cocktails für sich). Gegen Ende des Tiki-Fiebers geriet allerdings auch der Pimento Dram wieder allmählich in Vergessenheit, sodass in den 1980ern kaum mehr vernünftige Qualitäten zu haben waren.

 

Die neubelebte Cocktail-Kultur und Wiederentdeckung klassischer Rezepturen erweckten ab der Jahrtausendwende auch den Pimento Dram wieder zu neuem Leben. Es war jedoch noch immer ausgesprochen schwierig, hochwertige Marken durch den Handel zu beziehen, und so stellten viele Bartender ihren eigenen Pimento Dram her. Erst seit einigen Jahren sind wieder qualitativ ausgezeichnete Fertigprodukte auf dem Markt erhältlich.


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