Picon

Picon ist der Name einer französischen Bitter-Aperitif-Marke.


Hintergrund

Die Marke wurde im Jahr 1837 von dem Franzosen Gaétan Picon in Philippeville (heute Skikda) in Algerien, das damals noch Teil des französischen Kolonialgebietes war, erfunden.

 

In 1809 geboren, machte Picon in Destillerien in Aix-en-Provence, Toulon und Marseille seine Ausbildung, bevor er sich später freiwillig zum Dienst in der Armee meldete und nach Algerien versetzt wurde. Noch während seiner Dienstzeit soll Picon wie viele seiner Kameraden an einem klimabedingten Fieber erkrankt sein, das er mittels eines selbst kreierten Tonikums zu bekämpfen suchte. Dank seiner vorangegangenen Destillateurausbildung zeigte sein Mittel, das er “Amer Africain” nannte, schnell Wirkung.

 

Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst nutzte er seine während der Lehrzeit erworbenen Kenntnisse und entwickelte den Amer Africain weiter, den er nach Erreichen der subjektiven Perfektion, wie damals üblich, nach sich selbst “Amer Picon” benannte. Picon gelang es, einen überaus profitablen Vertrag mit der französischen Fremdenlegion auszuhandeln, die fortan regelmäßig größere Mengen seines Bitter-Aperitifs zur Versorgung der Soldaten bezog. In den folgenden Jahren gründete Picon weitere Destillerien in Constantine, Bône und Algier, bis er 1872 nach Frankreich zurückkehrte und eine Anlage in Marseille gründete, die einzige davon, die bis heute in Betrieb geblieben ist.

 

Nachdem die Goldene Ära des Absinths im Jahr 1915 durch das Verbot in Frankreich endgültig zu Ende ging, erlebten Picons Produkt und ähnlich geartete Bitter- und Wein-Aperitifs ihre große Blütezeit, da sie die durch das Absinth-Verbot entstandene Lücke ihrerseits schnell auszufüllen verstanden.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch begann der schrittweise Niedergang der Marke Picon. Die Verkaufszahlen gingen von Jahr zu Jahr zurück und die Destillerie in Marseille musste zuletzt verkauft werden.

 

Picon ist heute im Besitz des Spirituosen-Konzerns Diageo, wird von diesem allerdings recht stiefmütterlich behandelt, d. h. werbe- und marketingtechnisch vernachlässigt, und ist deshalb außerhalb Frankreichs eher unbekannt und recht schwer zu bekommen.

           

Der auch als “Amer Picon” bzw. “Picon Amer” (frz. “Amer” = “Bitter”) bekannte Bitter-Aperitif hatte ursprünglich einen wesentlich höheren Alkoholgehalt von 39% vol., der seit den 1970er Jahren jedoch schrittweise auf die heutigen 18% vol. herabgesetzt wurde. Man trinkt Picon wie andere Bitter pur oder auf Eis. Eine Besonderheit liegt darin, dass es in einigen Teilen Nordfrankreichs und Belgiens üblich ist, ca. 3 cl Picon mit einem halben Liter Bier und einem Schuss Zitronensirup aufzufüllen. Dieses Picon-Bière ist in Frankreich mancherorts auch als bereits fertige Mischung in Flaschen erhältlich.


Produkte


Picon Amer

Hergestellt aus Weindestillat, Wein, Orangenschalen, Chinarinde, Enzian, Kräutern, Gewürzen, Karamell und Zucker; alc. 18% vol.