Perrier

Perrier ist der Name einer französischen Mineralwasser-Marke aus Vergèze.


Hintergrund

Der Überlieferung zufolge wurden die Perrier-Quellen im südfranzösischen Vergèze, zwischen Nîmes und Montpellier, schon im Jahr 218 v. Chr. vom berühmten karthagischen Heerführer Hannibal entdeckt, als dieser auf seinem Weg nach Rom von Spanien kommend den Süden des heutigen Frankreichs durchquerte. Weitere Erwähnung finden die Quellen zur Zeit Julius Cäsars um 58 v. Chr., als der berühmte römische Kaiser verdiente Soldaten mit Ländereien in der Languedoc-Region beschenkte. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten steinernen Bauten rund um die Quelle und die Anfänge der Nutzung als Heil- und Trinkwasser zeichneten sich bereits ab.

 

In der Folgezeit gerieten sie jedoch wieder in Vergessenheit und erst viele Jahrhunderte später im Jahr 1841 begann die eigentliche Geschichte der Quellen, als Alphonse Granier, dessen Familie das umliegende Land besaß, eine kommerzielle Nutzung in Betracht zog. Nach der Installation eines Heilbades in den frühen 1860er Jahren fand das Geschäftsvorhaben ein jähes Ende, denn 1869 zerstörte ein Feuer die Gebäude und das Unternehmen ging durch die hohen Kosten der Wiedererrichtung bankrott.

 

Nach einem weiteren Besitzerwechsel kamen die Quellen durch die Übernahme durch den Arzt Louis Perrier aus Nîmes im Jahr 1898 zu ihrem späteren Namen. Dessen Vorhaben war nicht ohne Ehrgeiz, wollte er den französischen Markt mit Mineralwasser versorgen, in einer Zeit, da Wein, Bier und Absinth als eigentliches “Trinkwasser” der Bevölkerung galten. In 1903 verpachtete er sein Unternehmen trotz aller ursprünglichen Pläne an den gebürtigen Dubliner St. John Harmsworth, der es drei Jahre später vollständig übernahm und die Quellen Louis Perrier zu ehren nach diesem umbenannte.

 

Der neue Besitzer entschied bald, sich ausnahmslos auf den Vertrieb des Mineralwassers zu konzentrieren und den Spa- und Heilbad-Bereich zu schließen. Harmsworth führte die noch heute verwendete bauchige Flaschenform ein und brachte die Marke auf dem Weg über die britischen Kolonien und Schutzgebiete zu internationaler Bekanntheit. Nach Harmsworth' Tod im Jahr 1933 fiel die Firma an eine Gruppe britischer Investoren, die jedoch nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen im 2. Weltkrieg den Zugang zu den Perrier-Quellen verloren.

 

Am Ende des Krieges waren die Anlagen einmal mehr sanierungsbedürftig, doch den Inhabern fehlte durch den langen Geschäftsausfall das Geld, weshalb sie 1947 an den jungen Pariser Broker Gustave Leven verkauften. Unter seiner Leitung wurden umfangreiche Modernisierungen vorgenommen und, mit dem Ziel alle Bereiche der Produktion in Eigenregie abzudecken, sogar 1973 eine eigene Glashütte errichtet. So stieg die jährliche Produktionsmenge zwischen 1948 und 1952 von 30 auf 150 Mio. Flaschen, wobei sich nicht mehr länger die britischen Einflussgebiete als Hauptmarkt behaupteten, sondern Frankreich selbst zum Absatzmarkt Nr. 1 wurde.

 

In den 1950er Jahren begann man mit der Übernahme anderer Wasserquellen und der Verstärkung der Softdrink-Sparte, so z. B. durch den Erwerb der Abfüllrechte von Pepsi-Cola in Frankreich. Nach dem Beginn der Eroberung des US-Marktes ab dem Jahr 1976 überstiegen nur 12 Jahre später die allein dort verkauften Flaschen die 300 Mio.-Grenze, was damals etwa 80% des gesamten in die USA importierten Trinkwassers entsprach.

 

Seit 1992 befindet sich Perrier im Besitz des Konzerns Nestlé, dem weltgrößten Wasser-Abfüller.

 

Das Wasser weist aus tiefer Quelle kommend einen sehr hohen Kohlensäuregehalt auf, im Gegenzug jedoch einen vergleichsweise geringen Anteil an Mineralstoffen.


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