Pernod

Pernod ist der Name einer französischen Anisée-Marke. 


Hintergrund

Die Geschichte der Marke Pernod begann mit dem französischen Arzt Dr. Pierre Ordinaire, der vor den blutigen Auswüchsen der französischen Revolution ins schweizerische Couvet geflohen war. Dort arbeitete er an einem neuartigen Anis-Getränk, das er neben anderen Bestandteilen mit Wermutkraut anreicherte und seinen Patienten unter dem Namen “élixir d'absinthe” (lat. “Absinthium” = “Wermut”) als Medizin verabreichte.

 

Im Jahr 1797 veräußerte er das Rezept an einen Major Dubied, der sich mit seinem Sohn Marcellin und seinem Schwiegersohn Henry Louis Pernod zusammentat und das ursprünglich als Medizin gedachte Getränk als Genussmittel für Jedermann herstellen wollte. Zu diesem Zweck gründeten die drei in 1805 im nahegelegenen französischen Pontarlier eine Absinth-Destillerie, deren alleiniger Besitzer später Henry Louis Pernod wurde.

 

Der Durchbruch des Absinths gelang indessen mit Hilfe der stark vergrößerten französischen Armee unter Napoléon Bonaparte (1769 – 1821), der die Spirituose bei der Truppe als Vorbeugung gegen Krankheiten und zur Desinfektion von Trinkwasser verbreiten ließ. Das in ganz Europa vorpreschende Heer und die damit einhergehende Verehrung desselbigen in der Heimat machte den Absinth auch unter der Bevölkerung schnell beliebt und die sog. “grüne Stunde” etablierte sich als allgemein übliches Trinkritual zu bestimmten Uhrzeiten.

 

Dem Vorbild und Erfolg Pernods folgten bald zahlreiche andere Unternehmer, woraufhin die Absinth-Brennereien wie Pilze aus dem Boden schossen. Auch besonders viele Künstler und Intellektuelle begeisterten sich für das aufgrund des im Wermutkraut enthaltenen, giftigen Thujons äußerst berauschenden Getränks und nutzten es als Quelle der Inspiration, nicht jedoch ohne einen teilweise hohen Preis dafür zu bezahlen. So soll sich beispielsweise der niederländische Maler Vincent Van Gogh im Absinthrausch die linke Ohrmuschel abgeschnitten haben, doch ist dies bis heute unter Fachleuten umstritten.

 

Die Abhängigkeit und zunehmende Verelendung vieler Trinker führte letztlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Ächtung des Absinth, der sogar für den allgemeinen Verfall der Gesellschaft verantwortlich gemacht und 1915 per Gesetz in Frankreich als erstem Land verboten wurde. Nur fünf Jahre später wurde er auf Verlangen der Bevölkerung wieder legalisiert, allerdings mit der Auflage, den Alkoholgehalt abzusenken und kein Wermutkraut mehr zu verwenden. Dies war die Geburtsstunde des heute bekannten Pernod-Anisées, dessen neue Rezeptur sich schnell durchzusetzen begann.

 

Im Jahr 1975 schloss sich die Firma Pernod mit dem Konkurrenten Ricard zum Konzern Pernod-Ricard zusammen, der heute zahlreiche bekannte Marken unter seinem Dach vereint und als der größte internationale Spirituosen-Hersteller gilt. Die Marke Pernod selbst ist mittlerweile in über 150 Ländern der Welt vertreten und die größte Anisée-Marke.

 

Pernod trinkt man klassisch auf Eis, meist in Verbindung mit stillem Wasser im Verhältnis 1:5. Auch Cola, Fanta, Orangensaft oder Bitter Lemon haben sich in der neueren Zeit als Filler durchgesetzt.

            

Wichtigster Bestandteil ist wie bei allen Anisées das in der Sternanis enthaltene ätherische Öl Anethol. Dieses Anethol wird zusammen mit anderen Kräutern und Gewürzen destilliert, um es von Verunreinigungen zu befreien und eine konzentrierte Essenz zu erhalten. Nun werden nur noch dreifach destillierter neutraler Alkohol, Zucker und Wasser zugegeben und der fertige Pernod ist bereit für die Abfüllung.


Produkte


Pernod Paris

Der Klassiker seit 1920; hergestellt aus neutralem Alkohol, Sternanis, Fenchel, Minze, Koriander und Zucker; alc. 40% vol.


Pernod Absinthe

Seit 2001 erhältlicher Absinth; mit einem Thujongehalt von 1,7 mg/l und alc. 68% vol.


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