Perlwein

Perlwein (engl. “Semi-Sparkling Wine”, ital. “Vino Frizzante”, frz. “Vin Pétillant”) ist die Bezeichnung für Weine, die mittels verschiedener Verfahren mit einem Kohlensäureüberdruck von 1 bis 2,5 Bar versetzt werden (ab einem Druck von 3 Bar ist die Bezeichnung “Schaumwein” zulässig). Der Alkoholgehalt muss mindestens 8,5% vol. betragen. Siehe auch Schaumwein und Sekt.


Hintergrund

Im Grunde genommen handelt es sich bei Perlweinen um Schaumweine mit niedrigerem Kohlensäuregehalt. Die Geschichte dieser beiden eng verwandten Getränke dürfte also ohne  größere Abweichungen denselben Verlauf genommen haben.

 

Interessant wurde eine Unterscheidung zwischen Schaum- und Perlweinen in Deutschland erst vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) erließ nämlich im Jahr 1902 eine Sektsteuer, mit deren Hilfe er das an Größenwahn grenzende Projekt des Flottenwettrüstens finanzieren und damit der Seemacht Großbritannien ernsthaft Konkurrenz machen wollte - diese Steuer wurde interessanterweise bis heute nicht wieder aufgehoben und beschert dem Fiskus jährliche Einnahmen von mehreren hundert Millionen. Da Perlwein per Definition nicht als Sekt galt, war dieser von der Besteuerung ausgenommen und erfreute sich aufgrund des daraus resultierenden niedrigeren Preises bald immer größerer Beliebtheit.

 

Dieser Trend hielt bis in die 1950er Jahre hinein an, doch gerieten Perlweine damals allmählich in Verruf. Schuld war wohl der massenhafte Vertrieb von minderwertigen Produkten, auch aus dem Ausland. Viele Hersteller machten sich die allgemeine Beliebtheit von Schaumweinen und die gleichzeitige Unkenntnis der Bevölkerung, wenn es um die Unterscheidung von Schaum- und Perlwein geht, zunutze. Gerade zu Anfang der 90er wurde qualitativ nicht sehr hoch stehender italienischer Perlwein, Vino Frizzante und Prosecco, die allesamt durchaus von überzeugender Qualität sein können, zu unverschämt hohen Preisen verkauft. Die Kundschaft fühlte sich zu Recht betrogen und kehrte dem Perlwein für lange Zeit den Rücken.

 

Auch heute noch machen Kenner um Frizzante und Co. einen großen Bogen, Sekt und Champagner stehen dagegen ganz allgemein wesentlich höher im Kurs. Dennoch gibt es auch unter den geringschätzig beäugten Perlweinen Produkte von erster Güte. Auch hier gibt es Marken, die nicht nur auf künstliche Weise mit Kohlensäure versetzt werden, sondern eine hochwertige und aufwendige Tankgärung hinter sich haben.


Herstellung

Perlweine lassen sich wie auch Schaumweine auf verschiedene Art und Weise herstellen, entscheidend für die Definition des Produkts ist letztlich der Kohlensäureüberdruck. Das einfachste und kostengünstigste Verfahren besteht darin, den Stillwein mit dem beim vorangegangenen Gärprozess aufgefangenen Kohlenstoffdioxid mittels des sog. Imprägnierverfahrens  zu versetzen. Der Stillwein wird also künstlich mit Kohlensäure angereichert, indem diese gewissermaßen unter hohem Druck in den Wein “gepresst” wird. In Deutschland ist hierbei die Bezeichnung Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure vorgeschrieben. Demgegenüber höherwertiger ist das Tankgärverfahren. Der junge, zuckerreiche Traubenmost wird direkt in speziellen Drucktanks vergoren, aus diesen kann die entstehende Kohlensäure nicht entweichen und verbleibt somit im Wein. In diesem Fall wird lediglich von Perlwein gesprochen. Stammen die Weine aus einem bestimmten deutschen Anbaugebiet, so sind ebenfalls die Bezeichnungen Perlwein mit geographischer Angabe bzw. Qualitätsperlwein bestimmter Anbaugebiete zulässig.

 

Je nach Herkunftsland können sich die gesetzlichen Vorschriften für Perlwein, Vino Frizzante, Vin Pétillant usw. geringfügig voneinander unterscheiden. So gibt es Länder, die einen Mindestzuckergehalt vorschreiben, mehr oder weniger hohen Kohlensäuredruck festlegen oder den Alkoholgehalt beschränken. Ganz allgemein sind Perlweine jedoch meist deutlich süßer als Schaumweine,  prickeln weniger stark und auch nicht so anhaltend.