Pastis

Pastis ist die Bezeichnung für Spirituosen, die aus Anis, Süßholz, weiteren Kräutern und Gewürzen, sowie weniger als 100 g/l Zucker hergestellt werden. Es dürfen nur natürliche Aromastoffe zugesetzt werden. Der Alkoholgehalt muss mindestens 40% vol. betragen. Eine Untergruppe stellt der Pastis de Marseille dar, für den 2 g/l Anethol (Bestandteil des Anisöls, bei Pastis mind. 1,5 bis max. 2 g) und mindestens 45% vol. vorgeschrieben sind. Siehe auch Anis, Destillierter Anis, Ouzo, Pastis de Marseille, Raki und Spirituose mit Anis.


Hintergrund

Vorläufer des Pastis war der vor allem in Frankreich weitverbreitete, berühmt-berüchtigte Absinth, der im ausgehenden 18. Jahrhundert entstanden war. Der zunehmende Missbrauch des alkoholstarken und mit dem Nervengift Thujon belasteten Absinth, der übertriebener Weise sogar für den angeblichen Verfall der französischen Gesellschaft mitverantwortlich gemacht wurde, führte zu dessen Verbot im Jahre 1915. Um die so entstandene Nische auszufüllen, entwickelten einige Hersteller, allen voran der ehemalige Absinth-Hersteller Pernod, ein gleichartig schmeckendes anishaltiges Getränk, jedoch ohne die Verwendung des aufgrund des Thujons verbotenen Wermutkrauts und mit einem vom Gesetzgeber festgelegten maximalen Alkoholgehalt von 30% vol. (dieser wurde später wieder schrittweise auf 45% erhöht und in der neueren Zeit schließlich ganz freigestellt).

 

Die Bezeichnung “Pastis” wurde dem französischen Wort “Pastiche” entlehnt und bedeutet “Nachahmung”. So ist diese Bezeichnung auch heute noch, obwohl durch kein Gesetz an irgendeine Region gebunden, fast ohne Ausnahme für französische Anis-Spirituosen üblich. Ähnlich wie die verwandten Anisgetränke Anisée, Anisette, Raki, Ouzo, Sambuca und Arak ist auch der Pastis vorwiegend eine Spezialität des Mittelmeerraums, aber auch bei uns findet er immer seine Freunde und ist besonders als Aperitif sehr beliebt.

           

Man trinkt Pastis klassischerweise mit Eiswasser verdünnt, aber auch pur oder als Longdrink mit Cola, Schaumwein oder Orangensaft. Durch das Verdünnen mit alkoholfreien Flüssigkeiten (auch durch starke Kühlung) tritt der typische “Louché-Effekt” zutage, bei dem der herabgesetzte Alkoholgehalt die ätherischen Öle nicht mehr binden kann und sich das Getränk daher milchig trübt.


Produkte

Pastis wird hergestellt, indem man Anis, Süßholz und andere Kräuter, Gewürze und Pflanzen, wie z. B. Fenchel, Ingwer, Zimt und Nelken, in hochprozentigen neutralen Alkohol einlegt und über mehrere Tage oder Wochen auslaugt (mazeriert). Das Mazerat wird danach gefiltert, um es von unerwünschten Bestandteilen und Schwebstoffen zu befreien, und mit weniger als 100 g/l Zucker versetzt. Einige Hersteller lagern ihr Produkt für mehrere Monate in Holzfässern, bevor der Pastis mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt und in Flaschen abgefüllt wird.


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