Noilly Prat

Noilly Prat ist der Name einer französischen Wermut-Marke aus Marseillan im Süden Frankreichs.


Hintergrund

Das Unternehmen wurde im Jahr 1813 vom Wein- und Spirituosenhändler Joseph Noilly im südfranzösischen Marseillan gegründet. Der kräuterkundige Noilly hatte bereits um 1800 das Rezept für den ersten trockenen Wermut der Welt ausgearbeitet, während man allgemein bis dahin nur die süßeren italienischen Varianten kannte. Der heutige Firmenname entstand jedoch erst in 1855, als Josephs Sohn Louis sich mit seinem Schwiegersohn Claudius Prat zusammenschloss und das Unternehmen in Noilly Prat & Cie umbenannte.

 

Nach dem Tod der beiden Partner in den Jahren 1859 (Claudius Prat) bzw. 1865 (Louis Noilly) übernahm Anne Rosine Prat, Tochter und Witwe der Gründer, die Geschäfte und führte die Firma trotz hartnäckiger Widerstände, die ihr als weibliche Chefin von der Öffentlichkeit entgegenschlugen, in den folgenden vierzig Jahren zu internationaler Anerkennung und Größe. Im Jahr 1878 gewann die Marke auf der Weltausstellung in Paris die Goldmedaille und 1896 fand der Noilly Prat Wermut bei dem mutmaßlich ersten veröffentlichten Rezept des Martini Dry Cocktails von Thomas Stewart Erwähnung.

 

Das Unternehmen befindet sich bis heute im Besitz der Familie, außerdem ist die Marke Noilly Prat eine der beliebtesten, bekanntesten und am häufigsten verwendeten trockenen Wermuts der Welt.

           

Ausgangsbasis für Noilly Prat sind die für Südfrankreich typischen Weißweine Clairette und Picpoul, die jung gekauft und auf dem Firmengelände in große, bis zu 400 hl fassende Fässer aus kanadischer Eiche gefüllt werden. Dieses Holz gibt keine Farbe an den Wein ab, zudem sorgt die immense Größe der Fässer für einen nur geringen Tanninaustausch. Dort lagern die Weine getrennt voneinander für etwa 8 Monate, bevor man sie in kleinere Eichenfässer umfüllt und für weitere 12 Monate unter freiem Himmel lagert, wo sie dem mediterranen Wetter (Wind, Hitze, Kälte und Meeresluft) ausgesetzt sind und sich optimal entwickeln können. Dieses Verfahren ist eine Imitation der Bedingungen, als die Weine noch auf Segelschiffen transportiert wurden und viele Monate auf hoher See verbrachten. Hierbei verdoppelt sich der Anteil verflüchtigten Alkohols (engl.: “Angels Share” = “Anteil der Engel”) von den in Kellern normalen 3% auf etwa 6%, was natürlich einen nicht unerheblichen, dennoch in Kauf genommenen Verlust für das Unternehmen bedeutet. Denn die Weine werden dadurch trockener und körperreicher, erinnern gar an trockene Madeira- oder Sherry-Weine. Als nächstes werden die Weine in Lagerhäuser geschafft, wo sie weitere 6 Monate verbringen, bevor man sie vermischt und zusätzlich Mistelle, eine Mischung aus Traubensaft und Alkohol, sowie Himbeer- und Zitronenlikör beigibt. In dieses Gemisch wird nun für 3 Wochen eine geheime Zusammenstellung aus 20 Kräutern und Gewürzen (u. a. Kamille, Koriander, Orangenschalen und Muskat) eingelegt, bis der Wein die Aromen aufgenommen hat (= Dodinage). Nach der Filtrierung muss der Wermut erneut 6 Wochen lang ruhen, bevor er endlich, nach einem über 2 Jahre dauernden Prozess in Flaschen abgefüllt werden kann.


Produkte


Noilly Prat Dry

Der Klassiker seit 1813; alc. 18% vol.


Noilly Prat Rouge

Roter, süßer Wermut; bestehend aus dem Basisrezept des Noilly Prat Dry; zusätzlich mit Safran, Chinarinde, Nelken und Karamell versetzt; alc. 16% vol.


Noilly Prat Ambré

Bernsteinfarbener (frz.: “Ambré” = “Bernstein”) Wermut; bestehend aus dem Basisrezept des Noilly Prat Dry; zusätzlich mit Orange, Zimt, Vanille und weiteren Kräutern und Gewürzen versetzt; alc. 16% vol.


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