Met

Met (auch “Honigwein”) ist die Bezeichnung für alkoholische Getränke, die aus vergorenem Honig hergestellt werden. Oftmals wird Met zusätzlich mit Fruchtsäften und künstlichen oder natürlichen Aromastoffen versetzt angeboten. Der Alkoholgehalt beträgt meist zwischen 11 und 16% vol.


Hintergrund

Met ist eines der ältesten alkoholischen Getränke der Menschheit und wurde vermutlich bereits um 10.000 v. Chr. entdeckt, möglicherweise aber auch schon wesentlich früher. Die Menschen der Steinzeit dürften schon sehr früh eine Vorliebe für Honig entwickelt haben, dem süßen Gold der Bienen, doch stellte die Art der gefahrlosen Beschaffung sicherlich ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Mit einem ganzen Bienenstaat, der ausrückt, um seinen Stock zu verteidigen, ist bekanntermaßen nicht zu spaßen. Versuche von Menschen, an die kostbaren Waben heranzukommen, endeten zweifellos nicht selten tödlich. Aus 9000 Jahre alten Höhlenmalereien geht hervor, dass der Honig zudem nicht nur für den eigenen Verzehr gedacht war, sondern sogar als Köder für die ausgesprochen riskante Jagd auf Bären genutzt wurde. Schon damals war den Menschen bekannt, dass auch die zotteligen Riesen dem süßen Honig nicht zu widerstehen vermochten.

 

Aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. sind Hinweise erhalten, die darauf hindeuten, dass zu dieser Zeit erstmals in der heutigen Türkei damit begonnen wurde, Bienenstöcke gezielt zu pflegen und zu halten, um den begehrten Rohstoff stets verfügbar zu haben.

 

Die Ursprünge des Mets lassen sich nicht exakt rekonstruieren, vermutlich war er den Menschen nicht lange nach dem Honig selbst bereits bekannt. Es ist anzunehmen, dass auf Vorrat eingelagerter Honig entweder bewusst mit Wasser vermischt, quasi als Trinkhonig, oder durch eindringendes Regenwasser verwässert wurde. Bei dem auf diese Weise herabgesetzten Zuckergehalt ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich in der Luft vorkommende Bakterien und Hefepilzsporen auf dem Honig niederlassen und mit der Zersetzung beginnen. Der somit durch spontane Gärung  entstandene Met hat wohl weit mehr als nur einen Entstehungsort, da sich die zufällige oder bewusste Verdünnung und die daraufhin sehr leicht eintretende Gärung an vielen Orten zur mehr oder weniger gleichen Zeit ereignet haben sollte.

 

Jedenfalls blieben Honig und Met über viele Jahrtausende weg ein beliebtes, ja sogar vergöttertes Genussmittel - immerhin konnte man sich den Vorgang der Gärung lange Zeit nicht erklären und betrachtete ihn deshalb als Gabe der Götter. Sie galten bei Kelten, Germanen und Ägyptern gleichermaßen als heilig und wurden als Geschenk der Götter angesehen. Während die Menschen des gemäßigten Europas bis in den kalten Norden der Wikinger hinauf ihren Honigwein zu allerlei Festivitäten und Gelagen in rauen Mengen verzehrten, war Honig in Ägypten ein teures Luxusgut und wurde sogar den Pharaonen als Grabbeigabe für das Leben im Jenseits mitgegeben. Auch Griechen und Römer waren Liebhaber des vergorenen Bienensaftes, doch wurde er durch die Ausbreitung des wesentlich einfacher und günstiger herzustellenden Traubenweins, aber auch durch Bier, allmählich verdrängt und spielte im Mittelmeerraum bald nur noch am Rande eine Rolle.

 

Die germanischen Völker hingegen hielten auch weiterhin an ihrem Göttertrank fest. Von ihnen ist der Brauch überliefert, den mit Wasser verdünnten Honig zu bespucken, um so eine erfolgreiche Gärung durch die Mächte des Himmels zu beschwören. Tatsächlich sind, wie wir heute wissen, im menschlichen Speichel Enzyme vorhanden, die den Gärprozess unterstützen und beschleunigen. Hiervon freilich wussten die alten Germanen noch nichts, schrieben die erfolgreich einsetzende Gärung stattdessen ihren Gottheiten zu. Aus dem Indogermanischen stammt auch unser heutiges Wort “Met”, das von “Madhu” kommt und so viel wie “Süßer Trank” bedeutet.

 

Nicht nur viele Gelehrte der Antike, sondern auch spätere Wissenschaftler und Heilkundige, wie z. B. Pfarrer Sebastian Kneipp, schrieben dem Met gesundheitsfördernde Wirkungen zu. Dies ist zum guten Teil dadurch zu begründen, dass bei der damaligen Met-Herstellung zumeist die gesamte Bienenwabe vergoren wurde. Zu den ohnehin schon als gesund geltenden und im Honig enthaltenen Drüsen- und Wuchsstoffen der weiblichen Bienen (Immen)  kamen auf diese Weise noch Propolis (Bienenharz) und Blütenpollen hinzu, die weitere Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren lieferten und deren antibakterielle Wirkung auch heutzutage gemeinhin als anerkannt gilt. Doch konnte sich der Met aufgrund der aufwendigen und teuren Herstellungsweise nie wieder gegen Wein und Bier durchsetzen und seine antike Bedeutung wiedererlangen.

           

Über die Jahrtausende hinweg wurde der Genuss von Met niemals ganz aufgegeben und erlebte mancherorts sogar eine erneute, aber kurze Blütezeit, doch gehört er auch heute zu den eher unbekannten bzw. von den meisten Leuten nie gekosteten alkoholischen Getränken. Die absolute Dominanz unserer westlichen Kulturgetränke wie Wein und Bier lässt dem Met kaum eine Chance. In der Gastronomie ist er so gut wie gar nicht zu finden und für gewöhnlich nur über Spezialitätengeschäfte zu beziehen. Seine geschmacklichen und gesundheitlichen Vorzüge sind jedoch nicht zu bestreiten und allein seine in die Frühzeit des Menschen zurückreichende Geschichte dürfte nicht wenig beeindrucken.


Herstellung

Honig ist in purer Form extrem zuckerhaltig und daher unverdünnt nur sehr bedingt gärfähig. Der Zucker wirkt konservierend, indem er eindringenden Bakterien oder Hefepilzen das lebensnotwendige Wasser entzieht und ein Überleben bzw. Vermehren derselbigen somit erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Deshalb ist es notwendig, den Honig mit ausreichend Wasser zu verdünnen.

 

Während sodann die Hefe den Zucker in Alkohol und Kohlenstoffdioxid aufspaltet, gibt man dem Gemisch nach und nach weiteren Honig zu, um die Konzentration zu erhöhen, gleichzeitig aber auch die Gärung weiter am Laufen zu halten. Ist nach einigen Wochen ein Alkoholgehalt von ca. 16% vol. erreicht, stoppt die Hefe den Gärprozess selbsttätig und muss entfernt werden, um ein Nachgären oder Verderben zu verhindern. Danach weist der Met eine klare und ungetrübte gelb-goldene Farbe auf. Durch die Erhöhung des Alkoholgehalts mittels Zugabe von neutralem Alkohol oder anderen Spirituosen ist es jedoch auch möglich, die Hefe im Met zu belassen, wodurch der Geschmack beeinflusst und die Trübung erhalten werden kann. Oftmals werden dem Honigwein noch Fruchtsäfte, Aromastoffe, weiterer Honig oder Gewürzauszüge beigegeben, um den Geschmack weiter in die gewünschte Richtung zu verändern. Auch eine längere Lagerung in Holzfässern wird von einigen Herstellern praktiziert.