Mavrodaphne

Mavrodaphne (auch “Mavrodafni”, “Mavrodaphne von Patras” oder “Mavrodaphni Patras”) ist die geschützte Bezeichnung für gespriteten (mit Alkohol verstärkten) griechischen Likörwein, der zu mindestens 51% aus der gleichnamigen Rebsorte hergestellt werden und aus der Umgebung der Stadt Patras stammen muss. Siehe auch Madeira, Málaga, Marsala, Portwein, Sherry und Südwein.


Hintergrund

Griechenland gilt neben dem Iran als eine der ältesten Weinbauregionen der Welt. Aktuelle Funde datieren die Anfänge der gezielten Nutzung und Verarbeitung von Weinreben auf etwa 10.000 v. Chr., doch begann die eigentliche Kultivierung und das Anlegen größerer Weinberge erst wesentlich später, etwa um 2000 v. Chr. Jahrtausende hindurch war der Wein ein fester Bestandteil der griechischen Kultur, auch unter römischer Herrschaft (ab 146 v. Chr.) büßte er nichts von seiner Bedeutung ein, sondern blieb auch weiterhin ein wichtiges Handels- und Kulturgut.

 

Der Niedergang kam mit der Eroberung Griechenlands, das zu dieser Zeit Teil des Byzantinischen Reiches war, durch die Osmanen und dem Fall Konstantinopels (heute Istanbul) im Jahr 1453. Während der nun folgenden 400jährigen osmanischen Dominanz verkümmerte der Weinbau zusehends, da der Konsum von Alkohol den Muslimen durch den Koran verboten war und die Herstellung von Wein entweder ganz untersagt, oder doch unerträglich hoch besteuert wurde. Erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Türken wieder allmählich aus dem Land zurückgedrängt und der neu entstandene Staat Griechenland startete erste Versuche, den Weinbau wieder im Land zu etablieren.

 

Die Bemühungen der unerfahrenen Winzer waren jedoch zumeist recht unbeholfen und erfolgten mit Hilfe primitivster Mittel und Werkzeuge und unter der Verwendung minderwertiger Rebsorten, wodurch griechischer Wein unmittelbar nach seiner Wiedergeburt in der Welt keinen allzu guten Ruf genoss - und seine alte Größe tatsächlich bis heute nicht einmal annähernd wieder erreicht hat. Lediglich einige Inseln, die dank Sonderregelungen auch während der vergangenen 400 Jahre in bescheidenem Ausmaß Weinbau betrieben hatten, konnten schnell wieder hervorragende Produkte aufweisen und an die alten Traditionen und Erfolge anknüpfen.

 

Zu den ersten Gewinnern der Festland-Winzer zählte ausgerechnet der im Jahr 1859 aus Bayern eingewanderte Gustav Clauss, der, wie viele andere Deutsche, dem 1832 zum ersten neuzeitlichen König Griechenlands ernannten bayerischen Prinzen Otto  (Otto I.) ins Land gefolgt war. Die Herrschaft des Königs währte indessen nicht lange: Nach einem wiederholten Aufstand der Bevölkerung floh er in 1862 zurück ins bayerische Exil. Gustav Clauss jedoch blieb und erwarb neben einer Weinhandlung zusammen mit seinem Partner Jakob Klipfel ein Weingut in der Nähe von Patras und gründete dort 1861 die Achaia Clauss Kellerei. Er orientierte sich an den zur damaligen Zeit äußerst beliebten Südweinen wie Sherry, Madeira oder Port und spezialisierte sich auf die Herstellung vorwiegend süßer Weine. Hierzu verwendete er überwiegend die in Griechenland schon seit der Antike heimische Rebsorte Mavrodaphne (griech.: “Schwarzer Lorbeer”), die besonders viel Fruchtzucker bildet. Für Reife und Ausbau übernahm er das spanische Solera-Verfahren.

 

Der Bayer Gustav Clauss gilt somit als der Erfinder des Mavrodaphne-Likörweins und naturgemäß hatte das Unternehmen diesbezüglich lange Zeit die unangefochtene Führungsposition inne und wurde als eines der ganz wenigen griechischen Weingüter zunehmend international bekannt. Die Firma existiert auch heute noch und gehört unverändert zu den bedeutendsten Wein-Produzenten Griechenlands.

           

Die autochthone (heimische) Rebsorte Mavrodaphne wird seit der Wiedereinführung des Weinbaus in Griechenland auch in anderen Teilen des Landes angebaut, doch darf der aus ihr gekelterte Wein nicht überall auch diese Bezeichnung tragen - sie ist ohne Ausnahme dem Likörwein aus der Region Patra vorbehalten. Der Mavrodaphne ist neben dem Samos der bekannteste Likörwein des Landes, bleibt in seiner Bedeutung jedoch weit hinter der von verwandten Produkten wie Sherry, Portwein oder Madeira zurück und ist in der Gastronomie - abgesehen von griechischen Restaurants - nur wenig verbreitet. Es existieren jedoch hervorragende Qualitäten, die sich durchaus mit erstklassigen Südweinen anderer Länder messen können.


Die Region

Die Stadt Patras ist die Hauptstadt der westgriechischen Region Achaia. Hier, im gebirgigen Nordwesten der Peloponnesischen-Halbinsel, herrschen heiße, trockene Sommer und milde Winter. Der Boden setzt sich aus Tonerde, Lehm und Mergel zusammen und begünstigt bis zu einer Höhe von 800 m üppigen Pflanzenwuchs. In den Ebenen werden vor allem Zitrusfrüchte, Obst, Oliven und Wein angebaut. 




Herstellung

Mavrodaphne muss zu mindestens 51% aus der gleichnamigen Rebsorte hergestellt werden, den Rest bildet Wein aus der Sorte Korinthiaki. Die Trauben werden erst sehr spät geerntet, wenn sie schon zum Teil von der Sonne ausgetrocknet worden sind und dadurch mehr Zucker bilden konnten. Nachdem die Trauben eingemaischt worden sind, wird der süße Traubenmost durch die Zugabe von Hefe zu Wein vergoren. Bevor der Zucker vollständig in Alkohol umgewandelt worden ist, wird der Gärprozess durch die Zugabe von hochprozentigem  Alkohol,  meist  in Form von Weinbrand, gestoppt. Auf diese Weise wird erreicht, dass genügend Restzucker für die erwünschte Süße des Weines erhalten bleibt. Der Wein wird nun für einige Zeit in Holzfässern zur Reife eingelagert, manche Hersteller bauen ihren Mavrodaphne auch über mehrere Jahre im aufwändigen Solera-Verfahren aus.