Málaga

Málaga ist die geschützte Bezeichnung für Weine, die aus der gleichnamigen spanischen Provinz rund um die Stadt Málaga in Andalusien stammen müssen. Málaga-Weine gibt es sowohl in gespriteter (mit Alkohol verstärkter) als auch ungespriteter Form, zudem sind nur bestimmte Rebsorten zugelassen. Der Alkoholgehalt beträgt meist zwischen 13 und 23% vol. Siehe auch Madeira, Marsala, Mavrodaphne, Portwein, Sherry und Südwein.


Hintergrund

Die heutige Stadt Málaga an der andalusischen Mittelmeerküste wurde um 1000 v. Chr. von phönizischen Seefahrern unter dem Namen “Malaka” (von “Malak” = “Salzen der Fische”) gegründet. Den Weinbau brachten jedoch vermutlich erst die Griechen, die um 600 v. Chr. an der iberischen Mittelmeerküste einige Kolonien gegründet hatten, in die sonnenreiche, fruchtbare Region.

 

Nach den Römern und Westgoten eroberten im Jahr 711 die Mauren die Stadt und begannen darüber hinaus mit der Unterwerfung großer Teile der iberischen Halbinsel. Unter ihrer Herrschaft wurde der Weinbau aufgrund des islamischen Verbots von Rauschmitteln in den Hintergrund gedrängt, ortsweise sogar ganz untersagt. Die schon damals tief in der regionalen Kultur verwurzelte Weintradition ließ sich jedoch auch nach Jahrhunderten des Verbots nicht völlig beseitigen. Dies mussten letztlich auch die muslimischen Machthaber erkennen, die von den anfänglichen Todesstrafen für Betrunkene auf Geldstrafen auswichen, und diese wiederum schließlich in eine Weinsteuer umwandelten. Bis zum Ende der Maurenherrschaft in Andalusien stellte diese Steuer eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates dar – das Gesetz der Wirtschaft hatte über das Gebot der Religion gesiegt.

 

Erst im Zuge der Reconquista, der christlichen Rückeroberung Spaniens, wurde die Gegend um das Jahr 1487 wieder katholisch und der örtliche Wein gewann auch im religiösen Leben – vor allem in Form von Messwein - wieder zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 1502 wurde durch eine Initiative der katholischen Fürsten die sog. “Bruderschaft der Weinbauern” in Málaga gegründet, die, mit einigen Privilegien ausgestattet, fortan über die Qualität des Weins zu achten hatte. Ein Meilenstein in der Geschichte des Málaga-Weins wurde erreicht, als in 1791 der spanische Botschafter in Moskau der russischen Zarin Katharina der Großen (1729 – 1796) diesen Wein aus seiner sonnigen Heimat zum Essen auftragen ließ. Die Monarchin war der Überlieferung zufolge auf Anhieb begeistert von der spanischen Köstlichkeit und orderte von diesem Tage an regelmäßig größere Mengen für ihre durchlauchte Tafel, außerdem befreite sie die schon erwähnte Bruderschaft der Weinbauern von der Einfuhrsteuer. Wein aus Málaga wurde fortan häufig in den Kreisen des russischen Adels getrunken und stieg dadurch automatisch auch im Ansehen der anderen europäischen Länder.

 

Als allerdings Napoleon Bonaparte über den europäischen Kontinent wirbelte, die alte Ordnung auf den Kopf stellte und im Jahr 1796 Spanien de facto zu einem Vasallenstaat degradierte, unterlagen auch die süßen Weine aus Andalusien der durch Großbritannien verhängten Kontinentalsperre. Durch den Eintritt weiterer Mächte in den Krieg gegen Napoleon kam das Exportgeschäft der Málaga-Winzer so gut wie völlig zum Erliegen. Gleichzeitig erließ der Staat jedoch eine Reihe von Dekreten, die die Qualität und den Schutz des Málaga-Weins gewährleisten sollten und 1806 in der Gründung einer staatlichen Kontrollinstanz, der “Casa y Compañía Comercio de Viñeros de Málaga” mündeten. Nach der erfolgreichen Beendigung der napoleonischen Herrschaft über weite Teile Europas gewann auch der Export wieder zunehmend an Schwung.

 

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Málaga mit über 100.000 ha Rebfläche einer der bedeutendsten und beliebtesten Südweine der Welt, doch führten die Reblausplage, Misswirtschaften und minderwertige Qualitäten zum allmählichen Niedergang des Weins. Gerade der Versuch vieler Winzer, die durch die grassierende Reblausplage gerissene Marktlücke nach Abflauen der Schädlingsinvasion durch künstlich erhöhte Produktionsmengen, die selbstverständlich auf Kosten der Qualität gingen, zu füllen, schadete dem Ruf des Weins auf irreparable Weise. Als die spanische Regierung nach 1900 endlich ernsthafte Anstalten wagte, die Qualität des Málagas wieder auf das einstmalige Niveau anzuheben, war es bereits zu spät. Niemals wieder sollte er seine einstige Größe auch nur annähernd erreichen.

           

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Málaga gesetzlich geschützt, aber auch das konnte sein zunehmendes Versinken in der Bedeutungslosigkeit nicht aufhalten und so sind heute gerade einmal 900 ha Rebfläche von dem einst riesigen Gebiet übrig geblieben. Der “große Bruder” des Málaga-Weins, der Sherry, der ebenfalls aus Andalusien stammt, ist ungleich beliebter und unverändert in aller Welt bekannt. Trotz der nahezu gemeinsamen Herkunft und gewisser Ähnlichkeiten ist der Málaga doch ein eigenständiger Wein, der mittlerweile wieder in hervorragenden Qualitäten zu haben ist. Trotzdem wird er wohl auch in absehbarer Zukunft nicht aus dem Schatten seines berühmten Verwandten hervortreten und ein besonderer Wein für wenige Liebhaber bleiben.


Die Region

Die Provinz Málaga ist Teil der Region Andalusien im Süden Spaniens. Direkt am westlichen Mittelmeer gelegen, ist dort die Temperatur das ganze Jahr über sehr mild und sinkt auch im Winter nur selten unter 12°C. Das vor allem im Sommer sehr heiße und trockene Wetter bringt besonders Zuckerreiche Weintrauben hervor. Der Weinbau hat wie überall in der Region eine lange Tradition und ist weit verbreitet.




Herstellung

Grundsätzlich gibt es zwei Arten des Málaga-Weins: Gewöhnliche, in der Region hergestellte Rot-, Weiß- oder Roséweine, die unter 15% vol. Alkohol aufweisen und die geschützte Herkunftsbezeichnung Sierras de Málaga tragen dürfen, und die weitaus bekannteren Südweine, von denen hier die Rede ist. Zur Herstellung von Málaga sind nur die beiden weißen Rebsorten Muskateller und Pedro Ximénez zugelassen, doch darf ihm bis zu einem Anteil von maximal 30% am fertigen Endprodukt Wein der Sorten Romé, Doradilla und Lairen zugesetzt werden. Nach der Ernte werden die Trauben auf Strohmatten ausgelegt und in der Sonne getrocknet, wodurch sich die Zuckerkonzentration beträchtlich erhöht. Die erhältlichen Málaga-Sorten sind: 


Dulce Natural/Málaga

Dies ist die traditionelle Art der Málaga-Herstellung. Dabei wird dem frisch gepressten Traubensaft eingedickter Süßmost (auch Mostkonzentrat oder “Arrope”) und Wein aus sonnengetrockneten Trauben der oben genannten Sorten beigemischt und die Gärung eingeleitet. Dieser Málaga muss einen Restzuckergehalt von mind. 300 g/l und einen Alkoholgehalt von mind. 13% vol. aufweisen. Die Zugabe von Weinbrand, um die Gärung zu stoppen und damit den Zuckergehalt zu erhalten und um den Alkoholgehalt zu bestimmen, ist erlaubt. Die Mindestreifezeit beträgt 6 Monate und wird oftmals (aber nicht zwangsläufig) im Solera-Verfahren durchgeführt. Nach 2 Jahren ist die Bezeichnung Málaga Noble, nach 3 Jahren Málaga Añejo und nach 5 Jahren Málaga Trasañejo zugelassen.


Moscatel Natural

Zugelassen ist ausschließlich die Rebsorte Muskateller. Der Wein entsteht auf dem klassischen Weg der Gärung, ohne jede weitere Zugabe von Most, Zucker, Wein oder Weinbrand. Eine Mindestreifezeit ist ebenfalls nicht notwendig, der Alkoholgehalt muss jedoch auch hierbei mind. 13% vol. betragen.


Lágrima

Bei dieser Bezeichnung darf nur der Most verwendet werden, der durch das Eigengewicht der Trauben herausgepresst wird. Die Benutzung mechanischer Pressen oder anderer Hilfsmittel, die Druck auf die Trauben ausüben, ist nicht zulässig. Die Zugabe von Weinbrand ist erlaubt. Die Reifezeit muss mindestens 2 Jahre betragen.


Pajarete

Die Gärung darf nicht durch die Zugabe von Weinbrand unterbrochen werden, der Zuckergehalt muss auf dem natürlichen Gehalt der Trauben beruhen und mind. 45 g/l betragen. Die vorgeschriebene Reifezeit beträgt 2 Jahre.

 

 

Weiterhin lassen sich Málaga-Weine nach der Menge des zugesetzten Mostkonzentrats einteilen, was sowohl deutlichen Einfluss auf Farbe, als auch auf Geschmack und Süße ausübt: Dorado (kein Zusatz von Mostkonzentrat), Rojo Dorado (bis 5%), Oscuro (bis 10%), Color (bis 15%) und Negro (über 15%). Darüber hinaus sind auch Geschmacksangaben, wie sie in ähnlicher Weise auch für Schaumweine verwendet werden und den Zuckergehalt beschreiben, üblich: Seco (bis 4 g/l), Semi-Seco (4 bis 12 g/l), Crema (12 bis 45 g/l), Dulce Crema (100 bis 140 g/l), Dulce (mind. 140 g/l).