Lillet

Lillet ist der Name einer französischen Wein-Aperitif-Marke.


Hintergrund

Das Unternehmen “Lillet Frères” wurde im Jahr 1872 von den Destillateuren und Weinhändlern Paul und Raymond Lillet in Podensac, 30 km südlich von Bordeaux gegründet. Zu dieser Zeit erlebte Frankreich trotz der bitteren Niederlage gegen das Deutsche Reich im Jahr zuvor und den damit verbundenen hohen Reparationen einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, und gerade Bordeaux, an der Atlantikküste Frankreichs gelegen, war eines der Landeszentren, wenn es um die Produktion und den Umschlag von Wein, Cognac und Likören ging. Hier sammelten sich die edelsten Zutaten, die von den Brüdern Lillet benötigt wurden: Cognac aus der Gascogne, Zuckerrohr von den Westindischen Inseln, Bitterorangen von Curaçao und Haiti, Chinarinde aus Peru, Sternanis aus China, Vanille von Madagaskar und Kakao aus Venezuela.

 

Die junge Firma befasste sich mit der Produktion von Likören, Sirup und kandierten Früchten und war gleichzeitig Zwischenhändler für Wein, Cognac, Armagnac und andere Spirituosen. In 1887 kreierte man bei Lillet einen “Kina-Lillet” genannten Aperitif aus Bordeaux-Weinen, verschiedenen Fruchtlikören und Kräuterauszügen.

 

Die Idee dazu entsprang bereits Jahrzehnte zuvor dem Arzt und Mönch Pater Kermann, der während der Regierungszeit Ludwig XVI. (1754 bis 1793) nach Brasilien ausgewandert war und später nach Bordeaux zurückkehrte. Er befasste sich vor allem mit der Verwendung von Chinarinde - die als Heilmittel gegen Malaria verwendet wurde - in Verbindung mit Wein und gilt als einer der Urheber der im 19. Jahrhundert in Europa und den USA sehr beliebten Quinquina-Likören (abgeleitet vom indianischen Wort für den Chinarindenbaum “Kina-Kina”). Somit wurde auch der Kina-Lillet zunächst vorwiegend in Apotheken als Heilmittel gegen diverse Beschwerden verkauft, doch änderte sich dies nach und nach und der Aperitif konnte auch in Weinhandlungen gekauft und in Restaurants bestellt werden.

 

Als 1915 der in den Metropolen Europas überaus beliebte Absinth in Frankreich als erstem Land verboten worden war, erlebten im Gegenzug die auf Wein basierenden Aperitifs einen enormen Aufschwung. Der 2. Weltkrieg unterbrach diesen Trend für einige Jahre, doch setzte er sich nach Kriegsende vor allem auf dem US-Markt weiter fort.

 

Die englische Herzogin von Windsor trug indessen ihrerseits zur Bekanntheit des von ihr sehr geschätzten Lillet bei, indem sie wo auch immer sie sich einquartierte oder zu Speisen pflegte, den Aperitif orderte und, für den Fall der Fälle, einige Flaschen Lillet in ihrem Gepäck mit sich führte. Sie fungierte gewissermaßen als selbsternannte Markenbotschafterin. In den 1960ern hielt die Marke Einzug in die High-Society- und Szene-Welt von New York und viele Bars und Restaurants von Weltrang nahmen Lillet in ihre hauseigenen Cocktail-Rezepturen auf (z. B. Martini-Cocktail mit Lillet anstelle des Wermuts). Während in den 1980er Jahren bereits 80% der in Frankreich stattfindenden Produktion in die USA exportiert wurde, hielten die Europäer zum großen Teil an ihren klassischen Wermut-Marken fest.

 

Im Jahr 1985 wurde das Unternehmen in Podensac von dem aus Bordeaux stammenden Weinhändler Bruno Borie aufgekauft und modernisiert. Im Jahr darauf wurde das alte Rezept von 1887 durch Borie in Zusammenarbeit mit dem önologischen Institut der Universität Bordeaux komplett überarbeitet und dem vermeintlichen Geschmack der Zeit angepasst. Seither schmeckt Lillet nicht mehr ganz so süß und bitter, sondern frischer und fruchtiger. Seit 2000 stellt man zudem bei Lillet erstmals in der Geschichte des Unternehmens einen Teil des benötigten Weins in eigenen Kelteranlagen selbst her.

           

Zur Herstellung von Lillet werden zunächst die entsprechenden Bordeaux-Weine ausgewählt, die bereits eine gewisse Reifezeit von mehreren Monaten hinter sich haben. Die benötigten Fruchtliköre werden hergestellt, indem die Zutaten, wie Orangenschalen, Chinarinde usw., für 4 bis 6 Monate in neutralem Alkohol mazeriert (ausgelaugt) werden, der Alkohol abgepresst und anschließend mit Zucker vermischt wird. Als nächstes werden die Weine mit den Likören kombiniert und für 6 bis 12 Monate in Fässern zur Reife eingelagert. Bevor Lillet in Flaschen abgefüllt wird, vermählt der Kellermeister ältere mit kürzer gereiften Aperitif-Weinen, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten.


Produkte


Lillet Blanc

Weißer Wein-Aperitif; hergestellt aus in Eichenfässern gereiften Bordeaux-Weinen (85%) und Fruchtlikören (15%), bestehend u. a. aus süßen Orangen aus Südspanien, Bitterorangen aus Haiti, grünen Orangen aus Marokko und Tunesien, Chinarinde aus Peru sowie weiteren geheimen Zutaten wie Kräutern und Gewürzen; 6 bis 12 Monate in Eichenfässern gereift; alc. 17% vol.


Lillet Rouge

Roter Wein-Aperitif; erstmals 1962 auf dem US-Markt eingeführt; basierend auf dem Standardrezept, jedoch aus roten Bordeaux-Weinen; 6 bis 12 Monate in Eichenfässern gereift; alc. 17% vol.


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