Leseprobe: Cups und ihre Geschichte

CUPS UND IHRE GESCHICHTE.

 

 

 

____________________

 

„Touch brim! touch foot! the wine is red,

And leaps to the lips of the free;

Our wassail true is quickly said, -

Comrade! I drink to thee!

 

„Touch foot! touch brim! who cares? who cares?

Brothers in sorrow or glee,

Glory or danger each gallantly shares:

Comrade! I drink to thee!

 

„Touch brim! touch foot! once again, old friend,

Though the present our last draught be;

We were boys–we are men–we’ll be true to the end:

Brother! I drink to thee!“

_________________________

 

 

 

 

 

 

ZWEITE AUFLAGE.

 

 

 

 

 

 

 

 

LONDON:

JOHN VAN VOORST, PATERNOSTER ROW.

MDCCCLXIX.

 




 

Inhaltsverzeichnis

CUPS UND IHRE GESCHICHTE

 

  1

HINWEISE ZUR ZUBEREITUNG VON CUPS

 

 

  35

ALTE REZEPTUREN   40

Metheglin  40

Lamb’s Wool 41

The Wassail Bowl

 

41

MODERNE REZEPTUREN

   44

Punch  45

Noyau Punch  45

Gin Punch  46

Whisky Punch  46

Milk Punch  47

Milk Punch, Nr. 2  47

Regent’s Punch  48

Cold Milk Punch (Deutsche Rezeptur)

 

48

WEIN CUPS  49

Claret Cup, Nr. 1  50

Claret Cup, Nr. 2  50

Claret Cup, Nr. 3  51

Claret Cup, Nr. 4  51

Mulled Claret 51

Burgundy Cup  51

Hock Cup, Nr. 1  51

Hock Cup, Nr. 2  52

Hock Cup, Nr. 3  52

Hock Cup, Nr. 4  52

Hock Cup, Nr. 5  52

Champagne Cup  53

Moselle Cup, Nr. 1  53

Moselle Cup, Nr. 2  53

Moselle Cup, Nr. 3  53

Moselle Cup, Nr. 4  54

Moselle Cup, Nr. 5  54

Cutler’s Moselle Cup  54

Mulled Port 54

Mulled Sherry  55

Sherry Cobbler 55

Cider Cup  55

Morgan’s Herefordshire Cup  55

Donaldson’s Cider Cup  56

The “Field” Cider Cup  56

White’s Club House Cup  56

Loving Cup  57

Djonka (ein russisches Getränk)

 

57

BIER CUPS  61

Hot Ale Cup  62

Copus Cup  62

Donaldson’s Beer Cup  62

Freemasons’ Cup  62

Egg Flip

 

  62

LIKÖRE  63

Curaçao  63

Cherry Brandy  64

Brandy Bitters  64

Ginger Brandy  65

Hunting-flask  65

Vorwort

__________

 

DER vornehmliche Zweck dieser Seiten besteht darin, eine Sammlung an Rezepturen zur Zubereitung von gemischten Getränken, in der Fachsprache „Cups“ genannt, darzubieten, welche allesamt unter bedingungsloser Achtung der gastronomischen Regeln und Tugenden vermittels wiederholter Versuche geprüft wurden. Wir sind geneigt unserer Überzeugung Ausdruck zu verschaffen, dass, wenn diese Rezepte allgemein größere Beachtung finden würden, ein großer Teil der heutzutage an Englands Festtafeln vorherrschenden stereotypen Trinkgewohnheiten aufgegeben würden. Dabei waren wir bestrebt die Angelegenheit soweit wie möglich zu vereinfachen, ihre Tauglichkeit auch dem Uneingeweihten durch Hinweise und Bemerkungen zu beweisen, während wir eine reichliche Anzahl moderner Zutaten als ungenießbar oder unwissenschaftlich verworfen haben. Da in diesem Zeitalter des Fortschritts fast alle Dinge zur Wissenschaft erhoben werden, sehen wir keinen Grund, weshalb Bacchanologie, sofern diese Bezeichnung unseren Lesern gefällig erscheint, nicht ebenfalls ihren gebührenden Platz einnehmen und als deren Trank der Lobpreisung fungieren soll. Nun also haben wir im Zuge der Einführung einen oberflächlichen Blick auf die Gebräuche gewagt, die seit den frühesten Zeitaltern bis heute mit dem Trinken verbunden sind. Jedenfalls haben wir dies nicht als ausführliche Geschichtsschreibung dargelegt, sondern in Form von Schnipseln, wie sie von Zeit zu Zeit unseren Weg gekreuzt und uns dabei geholfen haben, eine Vorstellung der sozialen Gepflogenheiten vergangener Zeiten zu gewinnen.

Für unser Titelbild haben wir einen Zweig Borretsch gewählt, da dieses wohltuende Kraut zur Aromatisierung von Cups sehr von Nutzen ist. Andernorts als in England werden Pflanzen, die zur Aromatisierung dienen, als selten und wertvoll angesehen. Im Osten werden sie gar derart wertgeschätzt, dass sich ein anti-brahmanischer Schreiber, der die Zwecklosigkeit der hinduistischen Glaubensvorstellung darlegt, dazu veranlasst sah zu sagen, „Sie befehligen dir, lebenden und süßen Basilikum abzuschneiden, um damit einen toten Stein zu krönen.“ Unser Gebrauch von aromatischen Kräutern ist das Gegenteil dieses zu Recht verdammten Vorgehens, denn wir pflücken sie, auf dass sie die Herzen erwärmen und das Leben verlängern mögen. Und an dieser Stelle möchten wir bemerken, dass obwohl unsere Bestrebungen darauf gerichtet sind, bessere Zeiten wiederzubeleben als jene, in denen wir leben, Zeiten herzlicher Bräuche und freundlicher Gepflogenheiten, wir keine Wehklage erheben ob des Endes des goldenen Zeitalters, ganz im Geiste von Hoffmann von Fallersleben, der singt:- 

 

„Wann einst die Flaschen größer werden

wann einst wohlfeiler wird der Wein,

dann findet sich vielleicht auf Erden

die goldene Zeit noch einmal ein.

 

Doch nicht für uns! uns ist geboten

in allen Dingen Nüchternheit –

die goldne Zeit gehört den Toten

und uns nur die papierne Zeit.

 

Ach! kleiner werden unsere Flaschen

und täglich teurer wird der Wein

und leerer wird's in unseren Taschen

Gar keine Zeit wird bald mehr sein.“

 

Dies ist weniger der Ruf jener, die leben um zu trinken, als vielmehr derjenige unseres weiseren Ichs, das trinkt um zu leben. In Wahrheit sind wir nicht unempfänglich für die Reize anderer Getränke, sofern sich der Genuss in Maßen hält. Dem Apfel etwa gehört ein Teil unserer Gunst, unserer Aufmerksamkeit auf dichterische Weise empfohlen von einem Poeten aus alter Zeit–

 

“Preisend und liebkosend, der melodische Phillip sang,

von berühmten Cidre, woraus der erste Lorbeer einst     entsprang;“

 

Mit einem freundlichen Auge haben wir auch stets auf die schäumende Krone eines Porter-Kruges geblickt, unfreiwillig in der alten Strophe lebhaft zum Ausdruck gebracht

 

“Steige empor, meine Muse, damit die Welt erkennt

den mächtigen Charme dessen, das sich Porter nennt.“

 

Dabei verspüren wir nicht das kleinste bisschen Eifersucht, die etwa durch die erregende Gunst einer Muse hervorgerufen werden könnte, deren Wirken einzig der Menschheit vorbehalten ist; ein Trunk allerdings, klein und gut, wird aufgrund seiner sozialen und moralischen Qualitäten auf immer unserer größten Neigung gewiss sein.

Obwohl wir schließlich wissen, dass viele unserer Freunde erstklassige Kenner wohltuender Getränke sind, so glauben wird dennoch, dass nur wenige mit deren Entstehung oder Geschichte in vergangener Zeit sonderlich vertraut sind. Sollten daher einige der von uns eingeworfenen Hinweise zur Fröhlichkeit an den Festtafeln beitragen, so wird unser Gekritzel nicht vergeblich gewesen sein. Unser Anliegen ist es insbesondere, diese Nichtigkeiten all jenen guten Seelen zu widmen, die aus Erfahrung wissen, dass unbeirrtes Festhalten am „Schweinsleder“ und ein ausgelassener Tanz zur Musik eines klingenden Horns oder der Melodie eines fröhlichen Haufens stets den besten Ansporn darstellen, um alle guten Dinge im Leben zu genießen, besonders guten Appetit, gute Kameradschaft und

 

GUTE GESUNDHEIT.

 

. . . . . . Und, obschon allein,

nehmen wir einen Schluck

in Gedenken an die vielen fröhlichen

Gelage der Vergangenheit.

 



Vorwort zur zweiten Auflage

______________

 

 

DIE zweite Auflage dieses Buches enthält reichlich zusätzliches Material, das sämtlich mit Hilfe von Notizen eines der ursprünglichen Autoren des Werkes zusammengetragen wurde, dessen vorzeitiger Tod zu betrauern ist und dessen warmherzige Gastfreundschaft von vielen Freunden in Erinnerung behalten werden wird. Der Editor ist davon überzeugt, dass die hinzugefügten Ergänzungen den Nutzen des Buches für alle Liebhaber von Cups außerordentlich zu vermehren imstande ist. 

Cups und ihre Geschichte

______________

. . . . . “Dereinst mögen unsere Namen,

ihren Mündern vertraut wie Worte des Alltags,

in ihren schäumenden Bechern frisch erinnert werden.”

_______________

 

In allen Ländern und zu allen Zeiten hatte das Trinken als notwendige Institution seinen Platz und so stellen wir fest, dass es ohne Ausnahme mit eigentümlichen Formen und Zeremonien einhergeht. Doch beim Bestreben diese nachzuzeichnen werden wir plötzlich von der Schwierigkeit bedrängt, einen Ausganspunkt zu bestimmen. Würden wir dazu neigen, dem Thema mit Übermut zu begegnen, so hätten wir in den zweifelhaften Machenschaften der Mythologie eine üppige Quelle vorgefertigter Überlieferungen zur Hand und könnten den Nektar der Götter als den allerersten Trank anführen; denn so wird uns gesagt

 

“Als Mars, der Gott des Krieges, zuerst über Venus nachgedacht,

er Helm und Schild beiseite lag, und sich einen Trunk gemacht.”

 

Allerdings ist es unsere Intention, auch auf die Gefahr hin, als pedantisch angesehen zu werden, die Gebräuche in mehr greifbarer und realer Form zu behandeln. Würden wir an die Existenz des Präadamiten glauben, so böten uns die Zeugnisse, die uns jener in Form von Flint- und Steinwerkzeugen hinterlassen hat, eine kaum brauchbare Lösung in Bezug auf die Trinkgewohnheiten und wären uns auch nicht dabei behilflich, eine Vorstellung seines Seelenlebens zu gewinnen. Wir müssen daher zu einer Zeit unserer Geschichte beginnen

 

. . . . . . “als Gott beschloss zu schaffen

seinen mächtigen Helden, stark und unvergleichlich,

                dessen Trank nur vom klaren Bache stammte.”

 

Allerdings sehen wir uns nicht dazu veranlasst, hier länger zu verweilen um die Qualität dieses urtümlichen Trunkes zu erörtern, schließlich war „Adams Ale“ stets ein weltweit anerkanntes Getränk, sogar noch bevor Trinkbrunnen erfunden wurden, und es wird bis zum Ende aller Zeiten die Grundlage jeder anderen trinkbaren Mixtur bleiben. Auch hielt es der Historiker nicht für notwendig, uns über das Gefäß eingehender aufzuklären, aus welchem unser großer Ahnherr seinen klaren Trank zu trinken pflegte, doch legt uns unser gesunder Menschenverstand nahe, dass seine hohle Hand als unmittelbarstes und wahrscheinlichstes Mittel hierfür gedient haben mag. Um den Ursprung von Trinkgefäßen ausfindig zu machen, auf die die Anwendung unseres modernen Wortes „Cup“ gerechtfertigt erscheint, müssen wir eine einzigartige historische Tatsache erörtern, wenngleich diese uns auf einen Umweg führt, obschon es unangemessen wäre, sie zu verschweigen. Wir müssen bis weit in die Antike zurückgehen um die Herkunft des Wortes zu entdecken, insofern seine keltischen Wurzeln bis in ein mythologisches Zeitalter zurückreichen, jedenfalls soweit es die geschriebene Geschichte der Kelten betrifft – aber der barbarische Brauch, von welchem die Bedeutung unserer Pokale oder Kelche herrührt (nämlich jener, Met aus dem Schädel eines erschlagenen Feindes zu trinken) wird durch Chroniken bis in das elfte Jahrhundert hinein belegt. Zu dieser Zeit wurde ein mit Alkohol gefüllter Pokal oder Kelch Skull oder Skoll genannt, wobei es sich um ein Stammwort handelt, das annähernd im isländischen Wort Skal, Skaal und Skylllde, dem deutschen Schale, dem dänischen Skaal und, um unsere eigenen Gestade zu berühren, dem kornischen Skala erhalten geblieben ist. Ale-Kelche wurden im Keltischen als Kalt-skaal bezeichnet; weiterhin besteht dieses Wort in abgewandelter Form als Skiel (ein Bottich) im Schottisch der Highlands fort und wird auf den Orkneys zur Bezeichnung einer Flasche gebraucht. Von dieser Wurzel ausgehend, doch direkter abgeleitet von Scutella, einem gewölbten Gefäß, über das italienische Scodella und das französische Ecuelle (einem Napf), ist unser heimisches Wort Skillet in England noch immer gebräuchlich. In alten Chroniken herrscht kein Mangel an veranschaulichenden Beispielen dieser überaus barbarischen Gewohnheit, den Schädel eines Feindes in einen Trinkbecher umzufunktionieren. Warnefried erzählt in seinem Werk „De Gestis Longobard“, “Albin erschlug Cuminum, nahm dessen Kopf und verwandelte ihn in ein Trinkgefäß von der nämlichen Sorte, die bei uns Schala genannt wird.“ Dasselbe wird auch von Livy über die Boii gesagt, von Herodotus über die Skythen, von Rufus Festus über die Scordisci, von Diodorus Siculus über die Gallier und von Silius Italicus über die Kelten. Und so ist es nicht überraschend, dass Ragnar Lodbrok sich selbst in seinem Todeslied tröstet, „Möge ich schon bald Ale aus hohlen Bechern gemacht aus Schädeln trinken.“

In etwas späteren Zeiten wie etwa dem Mittelalter finden sich historische Darstellungen für eine neue Verwendung des Wortes, wo Skoll eine andere, aber durchaus ähnliche Bedeutung erfährt. Folglich wird über einen der Anführer der Gowryan-Verschwörung gesagt, „Er trank seinen Skoll auf das Wohl des Herzogs”, was bedeutet, dass das Wohlergehen jenes Edelmanns verpfändet war. Weiterhin lesen wir in Zusammenhang mit einem Festgelage, dass der Scoll weitergereicht wurde; schließlich finden wir bei Calderwood eine noch bessere Veranschaulichung, denn er sagt, des Königs Skole zu trinken sei gleichbedeutend mit einer Ehrenbezeugung, wobei es sich um einen Vorgang handelt, der, wie er hinzufügt, stets im Stehen vollzogen werden sollte. In späteren Zeiten jedenfalls wurden Trinkpokale aus vielerlei Materialien gefertigt, welche allesamt, wenigstens in Bezug auf die ursprünglichen Exemplare, eine wünschenswertere und humanere Grundlage besaßen als diejenigen, von welchen wir den Begriff herleiten. Daher wurden über viele Jahrhunderte hinweg Gefäße aus Gold und Silber in jeder erdenklichen Form und Gestalt gebräuchlich, sowohl mit Deckel und Griff als auch ohne.  

HANAP ist der Name eines kleinen Trinkbechers aus dem 15. und 16. Jahrhundert, der für gewöhnlich aus vergoldetem Silber gefertigt wurde und auf Füßen stand. Er wurde in Augsburg und Nürnberg hergestellt.

In einer alten französischen Übersetzung der Genesis entdecken wir bei V. 5, Kpt. XLIV.:- “Le Hanap que vous avez amblèe est le Hanap mon Seignor, et quel il solort delete, male chose avez fait”, wobei Bezug genommen wird auf den Silberbecher, den Joseph in den Sack seines Bruders stecken ließ. In manchen schottischen Liedern werden Trinkbecher auch Cogne oder Cog genannt; in den verschiedenen Teilen Schottlands auch Cogie oder Coig gesprochen. Dieses Wort kann auch mit coculum (medizinisches Latein für ein hohles Holzgefäß), mit dem altdeutschen Kouch und dem walisischen cawg, einem Becken, verglichen werden.

Die flämischen Trinkbecher des 16. und 17. Jahrhunderts wurden vidricomes genannt, sprich „Komme-Wieder“.

Die glockenförmigen Trinkgläser des sechzehnten Jahrhunderts verdienen besondere Aufmerksamkeit. Es befinden sich drei sehr gut erhaltene Exemplare in der Bernal-Sammlung des South-Kensington Museums, wobei von einem gesagt wird, deutschen Ursprungs zu sein, wohingegen die anderen beiden venezianisch sein sollen. Die Fassung des deutschen Glases besteht aus einer silbernen Kugel, die einen Würfel umschließt und von einer kleinen Statue des Glücks gekrönt wird. Der Fassung anderer Gläser dieser Art ist eine kleine Glocke angefügt. Solcherart Gläser stehen stets verkehrt herum und es war vorgesehen, sie in einem Schluck zu leeren, wobei das Schütteln des Würfels oder das Klingeln der Glocke den Abschluss des Vorgangs signalisierte. Weiterhin befindet sich ein merkwürdiger Becher im Besitz einer Weinhandelsfirma, der in Form eines Milchmädchens gestaltet ist, die einen Eimer auf ihrem Kopf trägt. Dieser Eimer ist derart ausgeklügelt auf einem Drehgelenk angebracht, dass ein Uneingeweihter beim Versuch daraus zu trinken sich den Inhalt unweigerlich über Hals oder Brust gießt.

Im vergangenen Jahrhundert war es Mode, das Ei des Vogelstraußes oder die polierte Schale der Kokosnuss in Silber einzufassen und zu Trinkgefäßen umzugestalten.

Früher waren außerdem viele verschiedene Krüge in Gebrauch, unter welchen der Stiftkrug und der Pfeifenkrug Erwähnung finden sollten, wobei an den Rand des letzteren eine Pfeife angebracht war, die geblasen werden konnte sobald der Becher einer neuerlichen Befüllung bedurfte (daher rührt aller Wahrscheinlichkeit nach die Redewendung „If you want more, you must whistle for it“). In einigen selteneren Fällen war die Pfeife derart sinnreich am Boden des Gefäßes angebracht, dass sie von selbst einen Ton von sich gab, sobald der Krug geleert war. Der Stiftkrug war ein gewöhnlich gestalteter Henkelbecher, der an seiner Innenseite von oben nach unten eine Reihe von acht übereinander liegenden Stiften aufwies. Ein solcher Krug fasste insgesamt zwei Quarts, zwischen zwei dieser Stifte also ein Gill oder ein halbes Pint Ale nach Winchester Maß. Die erste Person, die daraus trank, hatte den Krug bis zum ersten Stift zu leeren, die zweite bis zum nächsten Stift und so weiter, daher gab es ebenso viele Stifte wie Zechkumpane, sodass alle dieselbe Menge zu trinken hatten. Und da der Raum zwischen zwei Stiften eine beachtliche Menge Alkohol aufnehmen konnte, war es überaus wahrscheinlich, dass die Gesellschaft durch diese Methode recht zügig betrunken wurde, insbesondere wenn jemand bis kurz vor oder ein wenig über den Stift hinaus trank, denn sodann musste der gesamte Vorgang wiederholt werden. Aus diesem Grund wird im Kanon des Erzbischofs Anselm, 1102 im Londoner Konzil niedergeschrieben, Priestern verbindlich vorgeschrieben, sich von Trinkrunden fernzuhalten und nicht „auf Stifte zu trinken“. Hieraus wird ersichtlich, wie alt diese Erfindung bereits ist, geht sie doch wenigstens bis auf die Zeit der Eroberung zurück. Derzeit befindet sich einer dieser fraglichen Stiftkrüge im Besitz von Henry Howard, Landjunker von Corby Castle, von welchem behauptet wird, er gehörte einst Thomas à Becket. Jenes Exemplar ist aus Elfenbein gefertigt und mit Gold eingefasst, weiterhin findet sich eine Inschrift entlang des Rands, die besagt „Trinke diesen Wein mit Freude“; im Deckel sind die Worte “Sobrii estote“ zusammen mit den Initialen T. B. eingraviert, verflochten mit einer Mitra, durch welchen Umstand er Thomas à Becket zugeschrieben wird, tatsächlich aber eine Arbeit des 16. Jahrhunderts darstellt.

In seiner „Geschichte von Craven“ beschreibt Whitaker ein Trinkhorn im Besitz der Familie Lister und merkt dazu an, “Wein wurde in England zuerst aus Schalen (engl. „Mazer-Bowls“) getrunken, danach aus Jagdhörnern“. Diese Schalen waren aus Ahornholz gefertigt und erhielten ihren Namen vom deutschen Wort Maser. Herr Shirley ist im Besitz einer solchen perfekt erhaltenen Schale aus der Zeit Richard II. (1377-99). Sie besteht aus leicht marmoriertem, stark poliertem Holz mit einem breiten Rand aus vergoldetem Silber, entlang dessen Außenseite sich die folgenden Worte finden:-

 

“In the name of Trinite

Fill the kup and drinke to me.”

 

(„Im Namen der Dreifaltigkeit,

füll den Becher und trink mit mir.“)

 

Herr Milner beschreibt in „Archeologia“, Band XI S. 411, einen Krug aus Ahornholz im Besitz von Lord Arundel, ein Stück sächsischer Handwerkskunst aus der Zeit Edgars, A.D. 800, welcher auf Anraten von St. Dunstan ein Gesetz verabschiedete, demzufolge Trinkbecher mit Hilfe von Stiften unterteilt werden sollten, um dadurch die verzehrte Menge zu begrenzen und exzessivem Trinken vorzubeugen.

Eine beachtliche Anzahl dieser antiken ahornhölzernen Krüge findet sich im Museum des Schlosses Rosenburg. Sie wurden früher von norwegischen Bauern während der langen Winternächte gefertigt; der Art ihrer Verzierung nach können sie nicht älter sein als aus dem 16. Jahrhundert.

Zeitgleich mit jenen Schalen (Mazer-Bowls; Anm. des Übersetzers) gab es andere, die Piggins, Naggins, Whiskins, Kannes, Pottles, Jakkes, Pronnet-Cups und Beakers genannt wurden.

Silberschalen wurden als nächstes eingeführt; etwa gegen Ende der Regierungszeit Elisabeths wurden diese wiederum durch Gläser ersetzt, da sich Wein zusehends verteuerte und die Menschen ein eher gemäßigtes Leben zu führen pflegten. Die frühesten bei Banketten verwendeten Gläser waren venezianischen Ursprungs und es existieren keinerlei Hinweise auf den Gebrauch von Gläsern zu Staatsbanketten vor der Zeit Elisabeths.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wurde Bier üblicherweise in großen „Blackjack“ genannten Lederkrügen vom Keller zur Tafel getragen, wovon noch heute einige zu finden sind, darunter auch einige kleinere von feinerer Verarbeitung mit vollständiger Silberverkleidung oder einem Trinkrand aus Silber, in welchen üblicherweise der Name seines Besitzers zusammen mit dessen Berufsstand oder Tätigkeit eingraviert wurde. Bei “Tygs” handelte es sich um zweihenklige Trinkpokale aus der Zeit Elisabeths, grob geformt aus Staffordshire Ton, der ebenfalls “Tyg” genannt wurde. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurden Gläser von abgeschrägter Form hergestellt, ähnlich einem großen Champagnerglas, doch nicht weniger als zwei bis drei Fuß hoch, und es wurde als großes Kunststück angesehen, daraus zu trinken ohne abzusetzen und ohne etwas von der enthaltenen Flüssigkeit zu verschütten, bestand der Inhalt für gewöhnlich doch aus starkem Ale – eine ausgesprochen schwierige Aufgabe in Anbetracht des Umstandes, dass die Flüssigkeit eine große Distanz zurücklegen musste bevor sie den Mund des Trinkers erreichte.

Die früheste Erwähnung von Wein finden wir im Buch Genesis, wo uns mitgeteilt wird „Noah aber, der Ackermann, pflanzte als Erster einen Weinberg.“, woraus geschlussfolgert werden kann, dass er darum wusste, wie er den Saft pressen und haltbarmachen konnte; jedenfalls täuschte dessen Süße über dessen Stärke hinweg, denn schließlich wird uns weiterhin mitgeteilt „Und da er von dem Wein trank, ward er betrunken und lag im Zelt aufgedeckt.“ Als sich die Nachkommen Noahs in die verschiedenen Länder der Welt zerstreuten, nahmen sie den Wein mit sich und verbreiteten das Wissen um dessen Erzeugung. Asien war der erste Erdenteil, dem dieses Geschenk zuteilwurde. Danach verbreitete es sich schnell nach Europa und Afrika, wie wir aus Homers Ilias erfahren. In jenem Buch wird uns außerdem mitgeteilt, dass zur Zeit des Trojanischen Krieges ein Teil des Handels im Verschiffen von Wein bestand. Um nun zu den Gebräuchen zu gelangen ohne sich dabei allzu weit von historisch Belegbarem zu entfernen, müssen wir, wie es die Historiker vor uns getan haben, Zuflucht nehmen im Seelenleben der großen Reiche der Griechen und Römer, unter welchen die mit dem Trinken verbundenen Zeremonien keineswegs spärlicher Natur waren; und da die Römer die meisten ihrer Umgangsformen von den Griechen übernommen haben, unterschieden sich die Förmlichkeiten der beiden Nationen nur geringfügig. Bei öffentlichen Zusammenkünften wurde der Weinbecher niemals an die Lippen geführt ohne zuvor den Segen einer Schutzgottheit zu erbitten, woher vermutlich der Gnadenbecher späterer Zeit rührt. Zum Ende der Feierlichkeit wurde ein Becher zu Ehren ihres Genius, “poculum boni Dei“ genannt, hinuntergestürzt, was sich wiederum im heutigen “coup d’étrier” der Franzosen wiederspiegelt, dem “dock un dorish” der Hochlandschotten, sowie dem “parting-pot“ unseres eigenen Landes. Gelegentlich tranken die Römer auch auf das Wohl ihres Kaisers; und neben anderen Trinksprüchen vergaßen sie selten „abwesende Freunde“, auch wenn wir keine Aufzeichnungen darüber finden, dass sie etwa auf „alle Freunde in der Gegend von St. Peters“ getrunken haben mögen. Zu ihrer Unterhaltung war es üblich, durch das Werfen eines Würfels eine Person auszuwählen, die “arbiter bibendi” genannt wurde, ziemlich genau in derselben Weise fungierte wie unser moderner „Toast-Master“ und dessen Aufgabe darin bestand, die Trinkregelnd festzulegen und zu überwachen, und der die Befugnis besaß, Verstöße gegen selbige zu bestrafen. Nachdem die Götter gnädig gestimmt waren, trank der „Master“ auf den Ehrengast und überreichte diesem sodann den neuerlich gefüllten Becher, womit dieser die Ehrenbezeigung quittierte; sodann wurde der Becher reihum gereicht, immer von rechts nach links und stets mit der rechten Hand. Gelegentlich verfügte jede Person über einen eigenen Becher, der von einem Diener stets aufs Neue befüllt wurde, wie es beim Festgelage von Homers Helden beschrieben wird. Die verwendeten Trinkgefäße waren grundsätzlich aus Holz gefertigt, mit Gold und Silber und wie auch die Köpfe der Helden selbst mit Girlanden verziert, wobei man auf besondere Blumen und Kräuter zurückgriff, denen nachgesagt wurde, „giftigen Dunst“ von den Köpfen fernzuhalten. In einigen Fällen waren die Becher auch gänzlich aus Gold, Silber oder Bronze verfertigt. Ein besonders hübsches Beispiel für solch einen Bronzebecher wurde in Wiltshire gefunden, der mit den Namen von fünf Römern versehen und mit Jagdszenen dekoriert ist, weshalb man davon ausgehen kann, dass er einem Club oder einer sozialen Vereinigung, wahrscheinlich Jägern, gehört haben mag und vermutlich eine ihrer Trophäen gewesen ist. Daneben waren auch Becher aus Tierhörnern in Gebrauch. Wein wurde für gewöhnlich aus kleinen, „Cyaths“ genannten Gläsern getrunken, die lediglich den zwölften Teil eines Pints fassten. Das Hauptgetränk der Griechen und Römer bestand aus dem fermentierten Saft der Traube, doch ist die genaue Beschaffenheit desselben mit einigen Unklarheiten behaftet. Der “vinum Almabum” war vermutlich eine Art Frontignac und wurde von den Römern unter allen Weinen ganz besonders hoch geschätzt - wenngleich Horaz in überschwänglicher From von Falerner Wein erzählt, einem starken und rauen Wein, der als ungenießbar galt bevor er nicht wenigstens zehn Jahre gelagert wurde; selbst danach war es noch immer üblich ihn mit Honig zu vermengen um den Geschmack abzumildern. Homer spricht von einem beliebten Wein aus Maronea in Thrakien, der es ohne weiteres vertrug, mit der zwanzigfachen Menge Wasser vermischt zu werden, obschon es der Gewohnheit der Einheimischen entsprochen haben soll, ihn pur zu trinken. Die Römer verwendeten üblicherweise abgekochtes Salzwasser zur Verdünnung ihres Weins, was ihrer Ansicht nach den Geschmack verbesserte. Es wird gesagt, dieser Brauch gehe auf den Versuch eines Sklaven zurück, den Diebstahl am Weinfass seines Herrn zu vertuschen, indem er jenes mit Salzwasser wiederauffüllte.

Die Römer mischten ihrem Wein außerdem Asant, Teer, Myrrhe, Aloe, Pfeffer, Haselwurz, Mohnblumen, Wermut, Kassia, Milch, Kalk, Bittermandeln und Zypresse bei; außerdem setzten sie ihren Wein in einer Art Ofen den Auswirkungen von Rauch aus, wodurch er eindickte und reifte. Solcherart aufbereitete Weine wurden aus einem merkwürdigen Gefäß mit der Bezeichnung “Murrhine-Becher” verzehrt, von welchem behauptet wurde, den Weinen ein eigentümliches Aroma zu verleihen; und obschon das Material, aus welchem diese Becher gefertigt wurden, unbekannt ist, liegt es nahe zu vermuten, dass sie aus einem aromatischen Holz hergestellt wurden, ähnlich dem “Bitterbecher” der heutigen Zeit, welcher aus dem Holz des Kassiabaumes hergestellt wird.

Die bei den Griechen übliche Verdünnung wurde dem Anschein nach mittels eines Teils Wein und drei Teilen Wasser vorgenommen – das Wort “Nympha” wird in vielen klassischen Passagen für Wasser verwendet, zum Beispiel in einem griechischen Sinnspruch, dessen wörtliche Übersetzung lautet „Freudig vermischte er sich mit drei Nymphen, wobei er selbst die vierte ist“; dies weist auf den Gebrauch hin, drei Teile Wasser mit einem Teil Wein zu vermischen. In Griechenland wurden die Weine von Zypern, Lesbos und Chios außerordentlich hoch geschätzt; jene von Lesbos wurden von Horaz als besonders bekömmlich und wohltuend erwähnt, etwa in Ode 1,17:-

 

“Hîc innocentis pocula Lesbii

Duces sub umbra.”

 

(“Hier wirst du im Schatten Becher des

unschuldigen Lesbierweins trinken.”)