Kessler

Kessler ist der Name einer deutschen Sektkellerei in Esslingen am Neckar.


Hintergrund

Das Unternehmen wurde im Jahr 1826 von Georg Christian Kessler im baden-württembergischen Esslingen gegründet und ist somit die älteste Sektkellerei Deutschlands.

 

Georg Kessler war in den Jahren von 1808 bis 1826 auf Empfehlung eines Freundes beim französischen Champagner-Haus Veuve Clicquot als Buchhalter angestellt und hatte dort die Kunst der Schaumweinherstellung erlernt. Sein Wirken für das Haus Clicquot war derart erfolgreich, dass er schon zwei Jahre nach seiner Anstellung zum Teilhaber ernannt wurde und von der Firmenchefin Barbe-Nicole Clicquot sogar die Gelegenheit zugesprochen bekam, das Unternehmen ab 1824 durch Kauf zu übernehmen. Kessler hatte jedoch andere Pläne, zudem ließ ihn das Heimweh nach seiner deutschen Heimat niemals ganz los. Darüber hinaus hatte sich die Situation bis 1822 grundlegend geändert, da Eduard Werler nur ein Jahr nach seinem Eintritt in die Firma zum Kellermeister ernannt und mit weitreichenden geschäftlichen Befugnissen ausgestattet worden war.

 

Kessler wurde schnell klar, dass er durch diese wenig feinfühligen Maßnahmen von der Spitze verdrängt werden sollte. Statt das namhafte Haus Clicquot nach Ablauf der gesetzten Frist also zu übernehmen, nutzte er sein erworbenes Wissen, um die heimischen württembergischen Weine nach dem klassischen Champagnerverfahren zu keltern und im Alter von 39 Jahren zusammen mit Heinrich August Georgii seine eigene Sektkellerei aufzubauen. Zu Gute kamen ihm dabei auch seine umfangreichen, bereits in Frankreich geknüpften Kontakte, sodass Kessler schnell Abnehmer in den deutschen Ländern wie im Ausland, hierunter ist vor allem Russland zu nennen, finden konnte.

 

Aufgrund seiner Pioniertat wurde Georg Kessler noch im Gründungsjahr der Kellerei vom württembergischen König Wilhelm I. die Große württembergische landwirtschaftliche Verdienstmedaille verliehen. In 1832 zog das junge, aber schnell wachsende Unternehmen aus Platzgründen in den Speyrer Pfleghof direkt am Esslinger Marktplatz, der bis heute als Firmensitz dient. Drei Jahre später stieg Carl Weiß-Chenaux als Teilhaber bei der Firma Kessler ein.

 

Nach Kesslers Tod im Jahr 1842, noch im Vorjahr war er vom König in den Adelsstand erhoben worden, übernahm die Familie Weiß die Unternehmensführung und sollte sie für die kommenden 162 Jahre behalten. Unter ihrer Leitung entstand 1850 die erste deutsche Sektmarke “Kessler Cabinet”, zudem wurde die Sektkellerei in 1881 zum königlich württembergischen Hoflieferanten ernannt. 1904 entstand das noch heute typische Markenlogo, zunächst jedoch nur als Werbemotiv genutzt, das zwei Kellner - “Piccolos” genannt - darstellt, die einen Sektkühler samt Kessler-Sekt zwischen sich tragen. Wenig später wurde in dem Betrieb im Speyrer Pfleghof als einem der ersten der ganzen Stadt elektrisches Licht sowie ein Telefonanschluss installiert. Die Edelmarke “Kessler Hochgewächs” wurde Ende der 20er zum festen Standardportfolio von Zeppelinen und Passagierflugzeugen.

 

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Unternehmen so wie auch die gesamte Stadt beinahe unbeschadet, erst in den letzten Kriegstagen wurde das Firmengebäude von Granaten getroffen und dadurch leicht beschädigt. Weit schlimmer waren die darauffolgenden Plünderungen durch einrückende US-Soldaten, die beinahe das Aus für die Kellerei bedeutet hätten. In den 1950er Jahren konnte sich das Haus Kessler jedoch wieder erholen und erhielt von Bundeskanzler Konrad Adenauer sogar den Zuschlag, fortan die Bundesregierung in Bonn zu offiziellen Empfängen mit Schaumwein zu beliefern.

 

Im Jahr 2004/2005 meldete die traditionsreiche Firma Kessler Insolvenz an und wird seither von dem Betriebswirt Christopher Baur geführt.

           

Sämtliche Schaumweine der Marke Kessler werden ohne Ausnahme nach dem traditionellen Flaschengärverfahren hergestellt und teilweise noch von Hand gerüttelt. Verwendet werden heimische, aber auch französische Grundweine.


Produkte


Kessler Cabinet

Seit 1850; die älteste Sektmarke Deutschlands; mit 17 g Zucker/Liter und alc. 12% vol.


Kessler Gold

Mit 17 g Zucker/Liter und alc. 11,5% vol.


Kessler Nostalgie

Das Etikett zeigt ein Werbemotiv von 1894; mit 24 g Zucker/Liter und alc. 11,5% vol.


Kessler Jägergrün

Aus Riesling-Weinen hergestellt; mit 16 g Zucker/Liter und alc. 12,5% vol.


Kessler Rosé

Mit 13 g Zucker/Liter und alc. 11,5% vol.


Kessler Weißer Burgunder Brut Nature

Mit Jahrgangsangabe; ausschließlich aus weißem Burgunder aus Remstal hergestellt; mit 0 g Zucker/Liter und alc. 11,5% vol.


Kessler Riesling Brut

Mit Jahrgangsangabe; ausschließlich aus Rieslingweinen hergestellt; mit 8,5 g  Zucker/Liter und alc. 12,4% vol.


Kessler Blanc de Blancs Extra Brut

Mit Jahrgangsangabe; aus Südtiroler Chardonnay-Weinen hergestellt; mit 5 g Zucker/Liter und alc. 13,1% vol.


Kessler Hochgewächs

Seit 1909; aus französischen Chardonnay-Weinen von der Loire hergestellt; mit 12 g Zucker/Liter und alc. 13,5% vol.


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