Italienischer Wein

Der italienische Weinbau hat eine bis weit in die Antike zurückreichende Vergangenheit. Die ersten kultivierten Reben - wildwachsende hatten sich schon in den vorangehenden Jahrtausenden auf natürliche Weise ausgebreitet - verbreiteten sich Schätzungen zufolge durch mykenische Seefahrer, die von Kreta und anderen griechischen Inseln ausgehend mit den italienischen Ureinwohnern Handel trieben und möglicherweise auf der italienischen Halbinsel einige Handelsniederlassungen gründeten. Funde aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert belegen eine stark griechisch geprägte Weinkultur, die zu dieser Zeit bereits bis zu den im Norden Italiens siedelnden Etruskern durchgedrungen war. Griechische Kolonisten ließen sich vor allem ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. in weiten Teilen Süditaliens und auf Sizilien nieder und beeinflussten durch ihre unmittelbare Nähe die Kultur der benachbarten Völker. Einen Eindruck davon, wie fruchtbar das von ihnen vorgefundene Land war, gibt der Name, den die Auswanderer ihrer neuen Heimat gaben: “Oenotria”, “Land des Weins”.

 

Schließlich erstarkte das weiter nördlich gelegene Rom immer mehr und verleibte sich nach und nach alle umliegenden Provinzen ein, so auch bis 270 v. Chr. sämtliche griechische Kolonien im Süden der italienischen Halbinsel. Selbst das mächtige Rom zeigte sich äußerst empfänglich für die hochentwickelte Kultur der Griechen und übernahm, neben anderen Sitten und Gebräuchen, deren fortschrittliche Weintradition und integrierte sie in ihre eigene Lebensweise. So tranken auch sie ihren Wein fortan stets verdünnt mit Wasser und aromatisiert mit Honig oder einer Vielzahl an Kräutern und Gewürzen; Purtrinken war als Unsitte der Barbaren verpönt. Sogar der griechische Weingott Dionysos wurde assimiliert und hielt unter dem neuen Namen Bacchus Einzug in die römische Mythologie. In der Folgezeit verlor importierter Wein sehr rasch an Bedeutung, während sich der heimische Anbau sprunghaft ausbreitete.

 

Aus den ehemals griechischen Reben entstanden durch Züchtung und natürliche Kreuzung mit wilden Reben neue Arten, die mit den siegreichen Legionen gleichsam fremde Landstriche eroberten und sich über die Alpen hinaus bis an den Rhein, nach Frankreich und Spanien ausbreiteten. Zuletzt folgten dem Heer viele Beamte, Händler und Siedler, die sich in den neu hinzugewonnenen Provinzen niederließen und ihren römischen Lebensstil auch in der Fremde pflegten. Auch hier wurde der Wein bald zu einem festen Bestandteil ihres Alltags. Zusätzlich entstanden damals die ersten römischen Schriftwerke, die Anbau und Verarbeitung des Weins beschrieben. Im Gegensatz zu heute war es zu dieser Zeit üblich, praktisch alle Weine besonders lange, bis zu 30 Jahren und mehr, in irdenen Amphoren oder Holzfässern reifen zu lassen. Junger Wein landete hingegen nur selten auf dem Tisch.

 

Schon damals kristallisierten sich allmählich die für den italienischen Weinbau am besten geeigneten Regionen heraus. Eine davon: Pompeji am Fuße des Vesuv. Um die Jahrhundertwende war die Stadt südlich von Neapel ein Zentrum des römischen Weinbaus; Amphoren mit den Siegeln pompejischer Weinhändler wurden bei Ausgrabungen an so entfernten Orten wie Bordeaux an der französischen Atlantikküste oder gar auf der Iberischen Halbinsel gefunden.

 

Als der Vesuv im Jahre 79 n. Chr. ausbrach, vernichtete er nicht nur Pompeji, sondern auch alle an seinen Hängen und im unmittelbaren Umland befindlichen Weinberge. Der wirtschaftliche Schaden war enorm, konnte doch über viele Jahre hinweg die Nachfrage im Reich nicht mehr gedeckt werden. Als logische Folge davon stiegen die Preise beträchtlich an und Wein wurde zum Luxusgut. Dies wiederum führte zur Anlage immer neuer Weinberge auf Kosten des Getreideanbaus, um die Produktion möglichst schnell wieder in die Höhe zu treiben. Das Ergebnis war Getreideknappheit, ein Überangebot an Wein und ins Bodenlose fallende Preise.

 

Um dem entgegenzuwirken erließ Kaiser Domitian (51 – 96) im Jahr 92 ein Edikt, das die Erschließung neuer Weinberge untersagte und die Rodung der Hälfte aller Rebstöcke in den Provinzen anordnete. Die Rodung indessen wurde in großem Umfang geflissentlich ignoriert, was vor allem dem französischen und rheinischen Weinbau die Grundlage bewahrte, bis Probus dieses Edikt in 280 wieder aufhob.

 

Es herrschte lange ein reger Handel zwischen allen Teilen des Reiches, wobei auch Weine von Garonne und Rhein auf die Tische der Bürger Roms gelangten. Erst die Überfälle der Goten und Langobarden und letztlich der endgültige Untergang Westroms im ausgehenden 5. Jahrhundert setzten dem ein Ende. Neue Reiche entstanden, die sich gegenseitig bekriegten und um die Vermächtnisse Roms zankten. Der Handel kam weitgehend zum Erliegen, Wein wurde überwiegend zur Versorgung der örtlichen Bevölkerung hergestellt.

 

Dieser Zustand hielt bis ins 11. Jahrhundert hinein an, als die katholische Kirche immer mehr Macht hinzugewann und über umfangreiche Ländereien gebot. Die Verwaltungssitze dieser Ländereien, die Klöster, entwickelten sich schnell zu den Zentren des Wissens und der Forschung, die die Entwicklung im Bereich des Weinbaus entscheidend vorantrieben. Auch die Provinzen und Stadtstaaten Oberitaliens wie Genua, Mailand, Venedig und Florenz, die dank weltumspannender Handelsnetze reich wurden und die Region zum wirtschaftlichen Mittelpunkt Europas machten, waren an einer Förderung der Weinbau- und Keltertechniken interessiert. Florenz entwickelte sich gar zur wichtigsten Bankenstadt auf dem Kontinent (u. a. wurde in Norditalien der bargeldlose Zahlungsverkehr erfunden), nahezu der gesamte italienische Handel mit Wein, Wolle, Seide und Tuchen wurde über die einflussreichen Patrizierfamilien aus der Gegend abgewickelt.

 

Bis zum 17. Jahrhundert entstanden erste Regelwerke zur Erhaltung der Weinqualität und noch heute berühmte Weine wie der Chianti, Albana und Montalcino wurden erstmals in schriftlichen Dokumenten erwähnt. Mit dem Anbruch des 19. Jahrhunderts setzte sich die Industrialisierung langsam auch in den italienischen Staaten durch und immer mehr Winzer gingen zu maschinellen Produktionsweisen über. Die immer weiter steigenden Ausstoßmengen wurden erst durch die bald in ganz Europa grassierende Reblausplage ab den späten 1860er Jahren gebremst.

 

Als die aus Amerika eingeschleppten Schädlinge in Scharen über die Weinberge herfielen, war eine grundlegende Veränderung des italienischen Weinbaus unausweichlich. Fast alle urtümlichen Rebsorten wurden vernichtet, nur die Veredelung mit amerikanischen Wurzelstöcken konnte das vollkommene Absterben des europäischen Weinbaus verhindern. Der mit der Verwüstung einhergehende Weinmangel führte zur Pflanzung schnellwachsender und ergiebiger, aber zu großen Teilen minderwertigerer Rebsorten, wodurch die Qualität der italienischen Weine bis zur Jahrhundertwende dramatisch absank. Es dauerte noch bis über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus, als durch den Erlass neuer Gesetze und die Einführung der kontrollierten Ursprungsbezeichnungen D.O.C. und D.O.C.G. in den 1960er Jahren die Güte der Weine wieder zu steigen begann.

           

Heute existieren in ganz Italien eine Vielzahl großer und kleiner Erzeuger, die auf einer Gesamtfläche von rund 900.000 ha jährlich über 60 Mio. Hektoliter Wein produzieren, wovon nicht wenige über Weltruf verfügen. Italien ist noch vor Frankreich der größte Weinproduzent der Welt, liefert ca. 1/5 der internationalen Weinproduktion und verbraucht selbst etwa die Hälfte davon (dies entspricht einem stattlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 54 Litern jährlich).


Die Region

Italien ist, abgesehen von einigen weit im Norden befindlichen Gebieten, vollständig durch das Mittelmeer und das dort vorherrschende Klima geprägt. Bestimmend sind milde, regenreiche Winter und heiße, trockene Sommer. Durch die Alpen im Norden wird die Halbinsel vor kalten Nordwinden abgeschirmt. Zwar unterscheiden sich die einzelnen Regionen teilweise in Bezug auf Bodenbeschaffenheit und Klima geringfügig voneinander,  doch tritt der italienische Stiefel in seiner Gesamtheit doch recht einheitlich auf.

 

Die italienischen Weinanbaugebiete entsprechen exakt den politischen Verwaltungsregionen: Aostatal (Valle d'Aosta) (1), Piemont (2), das auch für seinen Wermut international berühmt  ist,  Lombardei (3)Ligurien (4),   Trentino & Südtirol (Trentino-Alto Adige) (5),  Venetien (6), das Hauptanbaugebiet für italienische Weißweine, Friaul – Julisch Venetien (Friuli – Venezia Giulia) (7), Emilia-Romagna (8), Toskana (9), eines der hochwertigsten Weingebiete des Landes, Marken (Marche) (10), Umbrien (11), Latium (Lazio) (12), Abruzzen (13), Molise (14), Kampanien (15), das bereits seit der Antike für seine Weine gerühmt wird, Basilikata (16), Apulien (Puglia) (17), Kalabrien (18), Sizilien (19) und Sardinien (20).




Die Weine

Die Bandbreite der italienischen Weine ist gewaltig: Über 2000, zum Teil noch aus der Antike stammende Rebsorten werden hier angebaut. Davon sind immer noch beeindruckende 400 Sorten offiziell zugelassen und anerkannt, wodurch eine der weiter unten genannten Klassifizierungen erlangt werden kann.

 

Auch in Italien ist es durchaus üblich die Weine miteinander zu verschneiden, was einige der großartigsten Weine der Welt hervorbringt. Rotweinen kommt mit über 75% eine größere Bedeutung zu als weißen, was in allen warmen Ländern der Erde der Normalfall ist.

 

Die wichtigsten in Italien angebauten Rebsorten sind: Weiß: Trebbiano, Cataratto Bianco, Chardonnay, Garganega, Malvasia Bianca, Weißer Muskateller, Incrocio Manzoni, Inzolia, Pignoletto, Pinot Gris, Glera, Grecanico; Rot: Sangiovese, Montepulciano, Merlot, Barbera, Negro Amaro, Nero d'Avola, Lambrusco, Cabernet Sauvignon, Aglianico, Primitivo, Cannonau, Dolcetto, Corvina, Cabernet Franc, Nebbiolo.

 

Eingeteilt werden die Weine in drei Qualitätskategorien (gültig seit August 2011):


Vino

(Bis August 2011 „Vino da Tavola“ VdT) die einfachste Kategorie, die sowohl wörtlich, als auch qualitativ dem ehemaligen deutschen Tafelwein gleichkam bzw. der deutschen Kategorie „Wein“ gleichkommt. Auf dem Etikett dieser meist verschnittenen Weine darf weder eine Rebsorte, eine geografische Angabe, noch ein Jahrgang angeführt werden. Mit über 40% Marktanteil die wichtigste Qualitätsstufe in Italien.


Indicazione Geografica Protetta

(IGP; bis August 2011 „Indicazione Geografica Tipica“ IGT) – Landweine, die typische Eigenschaften ihres Herkunftsortes aufweisen müssen. Die zulässigen Höchsterträge pro Hektar sind beschränkt, zudem muss die Region auf dem Etikett angegeben werden. Handelt es sich nicht um Verschnittweine, so ist auch die Rebsorte kennzeichnungspflichtig. Unter dieser Kategorie, die rund 30% des Marktes ausmacht, finden sich oft Weine von hervorragender Qualität, die aus verschiedenen Gründen jedoch nicht die nächsthöhere Stufe erreichen.


Denominazione di Origine Protetta

(DOP; bis August 2011 „Denominazione di Origine Controllata DOC bzw. „Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ DOCG) – Ursprungsorte, zulässige Rebsorten, Verarbeitungstechniken und Höchsterträge pro Hektar sind verstärkt eingeschränkt. Weiterhin besteht eine Kennzeichnungspflicht hinsichtlich Herkunft, Rebsorte (außer bei Verschnittweinen) und Jahrgang. Vor der Vermarktung werden diese Weine einer amtlichen sensorischen Prüfung unterzogen. Besonders viele Einzellagen oder kleine Weingebiete sind hierunter vertreten. Sinkt die Qualität der Weine jedoch ab, so kann der DOCG-Status wieder entzogen werden.


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