Irischer Whiskey

Irischer Whiskey wird ausschließlich aus gemälzter und ungemälzter Gerste hergestellt, wobei die gemälzte Gerste in der Regel nicht wie bei schottischem Whisky über einem offenem Torffeuer getrocknet wird. Dadurch ist er zumeist wesentlich milder und süßlicher. Für die üblicherweise dreifache Destillation sind verschiedene Verfahren üblich. Die Reife erfolgt in unterschiedlichen Fasstypen, darunter auch ehemalige Bourbon-, Sherry- oder Portwein-Fässer. Irische Whiskeys sind sowohl als Blended Whiskeys (Verschnitt-Whiskeys) als auch als Single Malts zu haben.


Hintergrund

Irland gilt als der wahrscheinlich erste oder doch zumindest “zweite” Geburtsort des Whiskeys. Über viele abenteuerliche Umwege erlangten irische Mönche im 11. Jahrhundert die Kenntnisse der Destillation. Vermutlich hatten heimkehrende Kreuzritter dieses Wissen aus dem Nahen Osten mit auf die Grüne Insel gebracht. Denkbar wäre auch, dass es von Mönchen aus dem nicht weit entfernten Wales übernommen wurde, die schon im 4. Jahrhundert über entsprechende Techniken verfügten und allem Anschein nach bereits im Jahre 356 den ersten Whiskey der Welt destilliert haben.

 

Wie auch immer sich die Frühgeschichte nun gestaltet haben mag, sicher ist, dass irische Mönche im ersten Jahrhundert nach der Jahrtausendwende ähnliche Experimente wie ihre walisischen Vorgänger anstellten und das destillierten, was sie bereits seit langer Zeit kannten und auch selbst herstellten: Bier. Es handelte sich dabei freilich um ungehopftes Bier, das sich auch in anderen Punkten von dem unterschied, das wir heute trinken, doch würden auch wir es deutlich als solches erkennen können. Scheinbar begeisterte sich die Bevölkerung anders als in Wales sehr schnell für den gebrannten Gerstensaft, denn bereits in 1276 ist erstmals in erhalten gebliebenen Dokumenten von einer Whiskey-Destillerie namens “Bushmills” die Rede.

 

Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Brennkunst zunächst von Kloster zu Kloster ausbreitete und heilkundige oder auf das Brauen und Brennen spezialisierte Mönche der Gesundheit förderliche Tonika herstellten, um sie Kranken aus der umliegenden Bevölkerung zu verabreichen. Davon zeugt auch der ursprüngliche lateinische und später ins gälische übersetzte Name des Whiskeys: “Aqua Vitae“, was übersetzt “Wasser des Lebens” bedeutet. Die Gründung der Bushmills-Destillerie ist zudem Beweis genug dafür, wie schnell sich der Whiskey zum begehrten Volksgut entwickelt hatte und sich auch private Hersteller für dessen gewinnbringende Produktion zu interessieren begannen. Das Volk machte schließlich aus “seinem” Getränk bald das muttersprachliche “Uisge Beatha” (sprich: ischke baha), woraus später die Verballhornung “Whiskey” entstehen sollte.

 

Von Irland ausgehend breitete sich die Whiskey-Herstellung recht schnell auf das benachbarte Schottland aus, wo das neue Getränk ebenfalls mit Begeisterung aufgenommen wurde, schaffte es jedoch aus diversen Gründen zunächst nicht weiter nach Süden vorzudringen und auch in England festen Fuß zu fassen. Dies liegt wohl wenigstens zum Teil darin begründet, dass England zu diesem Zeitpunkt bereits andere Produkte des Kontinents, wie z. B. spanische, portugiesische und französische Weine, importierte und sich vorläufig nicht genügend Menschen für das raue und starke Getränk aus dem Norden begeistern konnten. Jedenfalls entstanden in Irland wie in Schottland viele kleine, oftmals illegale Brennereien, die das im Land überaus beliebte Getränk in rauen Mengen unters Volk brachten.

 

Naturgemäß dauerte es nicht lange, bis auch der Fiskus auf diesen mittlerweile bedeutenden Wirtschaftszweig aufmerksam wurde und erste Steuern auf die Produktion von Whiskey erließ. Die Brenner nahmen diesen staatlichen Eingriff zunächst gleichgültig hin – und brannten munter im Verborgenen weiter. Die übers Land ziehenden Steuereintreiber hatten es alles andere als leicht, die zahlreichen Schwarzbrenner aufzuspüren. Die Bevölkerung wollte sich ihren regelmäßigen Genuss nicht verderben lassen und gab den Brennern meist einmütig Rückendeckung. Weiterhin hatten sich viele von ihnen in unzugängliche oder abgelegene Gegenden, in dunkle Wälder, zerklüftete Berge oder tiefe Moore zurückgezogen. Das an solcherlei Orten hergestellte fuselartige Getränk dürfte einen nicht unerheblichen Anteil an so mancher, noch heute kursierender Legende von Kobolden und Moorungeheuern zu verbuchen haben.

 

Während der Druck des Schatzmeisters zusehends wuchs, erwarb man bei Bushmills im Jahre 1608 die erste staatliche Brennlizenz Irlands. Es folgten weitere, doch blieb das Schwarzbrennen auch weiterhin ein weit verbreitetes Übel, dem man nur mit äußerster Mühe Herr wurde. Das Problem blieb bis in die Zeit der Industriellen Revolution des ausgehenden 18. bzw. beginnenden 19. Jahrhunderts hinein bestehen. Dann entspannte ein Gesetz aus dem Jahr 1823, das die Besteuerung nach der Menge des produzierten Whiskeys regelte, die Lage und ließ vor allem in den großen Städten und Ballungszentren wie Dublin und Cork viele neue Destillerien entstehen. Dank ihrer bevorzugten Lage inmitten der bevölkerungsreichsten Regionen Irlands verdrängten diese Betriebe viele der kleinen Landbrennereien und trieben sie in den Bankrott.

 

Zusätzlich sorgte die Erfindung des kontinuierlichen Brennverfahrens im Jahre 1831 durch Robert Stein und deren entscheidende Verbesserung durch Aeneas Coffey für eine beträchtliche Steigerung des mengenmäßigen Produktionsausstoßes. Die nun ebenfalls entstandene Möglichkeit der Destillation von hochreinen, nahezu neutralen Alkohol sorgte für die plötzlich anwachsende Beliebtheit des Whiskeys auch außerhalb Irlands und Schottlands. Vor allem England, das seit 1801 im Königreich von Großbritannien mit Irland zusammengeschlossen war, de facto aber schon seit 1541 Irland kontrollierte, entwickelte sich schnell zum wichtigsten Abnehmer. Durch mechanisierte und immer feiner werdende Herstellungsmethoden wandelte sich der irische Whiskey um die Mitte des 19. Jahrhunderts  langsam zu dem Produkt, das Kenner auch heute noch so überaus schätzen.

 

Andererseits stak das Land zu dieser Zeit in einer grundlegenden Krise. Die Kartoffel, das Hauptnahrungsmittel der Armen, wurde flächendeckend von einem aus Nordamerika eingeschleppten Pilz befallen. Die katastrophalen Folgen davon waren Missernten, denen zwischen 1846 und 1849 von 8 Mio. Iren rund 2,5 Mio. Menschen zum Opfer fielen (1,5 Mio. Iren wanderten vor allem in die USA aus, mind. 1 Mio. starben an Hunger und den Folgen der Unterernährung). Der Inlandsmarkt brach dadurch praktisch völlig zusammen, konnte sich doch kaum jemand Getreide für Brot leisten, vom Luxusgut Whiskey ganz zu schweigen. Hierzu gesellte sich eine wachsende Konkurrenz aus dem Ausland, da in der Zwischenzeit neben Schottland auch Kanada und die USA zu ernstzunehmenden Whiskey-Produzenten geworden waren.

 

Um dieser neuerlichen Bedrohung zu begegnen, schlossen sich einige südirische Brenner gegen Ende des Jahrhunderts zu Genossenschaften, bspw. zur Cork Distillers Group, zusammen, doch ließen weitere weitreichende Ereignisse die irischen Brenner nicht zur Ruhe kommen. Die Erfindung des Blended Scotch, die US-Prohibition (Alkoholverbot von 1919 bis 1933), die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre, sowie die beiden Weltkriege stellten sie auf eine unvorstellbar harte Probe. Nach 1945 schaffte kaum eine irische Destillerie den Weg zurück ins Geschäft. Das Ausmaß dieses umfassenden Niedergangs wird dadurch ersichtlich, dass um 1900 in ganz Irland etwa 2000 Brennereien existierten, während es nach 1950 nur noch ganze 5 waren. Da sie zudem über vollkommen veraltete Produktionsanlagen verfügten, schlossen sich im Jahr 1966 die traditionsreichen und einzig verbliebenen Unternehmen “Jameson”, “Power”, “Cork” und “Tullamore” zur Irish Distillers Group zusammen, der sich ab 1970 auch die nordirische (und damit sich auf englischem Boden befindliche) Bushmills-Destillerie hinzugesellte. Gemeinsam beschloss man einen neuen gewaltigen Destillierkomplex zu errichten, der 1975 in Midleton bei Cork seinen Betrieb aufnahm.

 

Seither werden in dieser Großbrennerei etwa 15 irische Whiskey-Marken (außer Bushmills) produziert, die jedoch unverändert nach den jeweiligen traditionellen Rezepten hergestellt werden und somit ihren individuellen Charakter bewahren konnten. Die Destilliermeister in Midleton können dabei sowohl auf Pot-Still- wie auf kontinuierlich arbeitende Brennkessel zurückgreifen und so den Ansprüchen der einzelnen Marken gerecht werden. Bleibt dennoch zu hoffen, dass in Zukunft die eine oder andere der alten kleinen Destillerien in Irland wieder den Betrieb aufnimmt und somit eine der beinahe schon vergessenen Whiskey-Marken zu neuem Leben erweckt.

           

Wie jeder Whiskey-Typ, so besitzt auch der irische seine eigenen Liebhaber, die wohl vor allem seinen vergleichsweise milden Charakter zu schätzen wissen, von ihrer Liebe zur Grünen Insel selbst ganz zu schweigen. Irischen Whiskey trinkt man bevorzugt pur oder mit klarem Wasser vermischt, beinahe nie als Zutat für Cocktails oder in Verbindung mit Säften oder Softdrinks. Auch im “Irish Coffee” hat sich dieser ganz Große unter den internationalen Whiskeys bereits vor Jahrzehnten einen unsterblichen Namen gemacht.


Die Region

Noch bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gab es überall in Irland zahllose kleine und große Whiskey-Destillerien. Die örtlichen Brenner nutzten dabei vor allem die vielerorts angebaute Gerste und das klare, frische Quell- oder Flusswasser. Heute konzentriert sich praktisch die gesamte Produktion auf den Destillierkomplex in Midleton bei Cork, unweit der Südküste Irlands. Regional unterschiedlich vorkommende Besonderheiten wie Luft-, Wasser- oder Bodenqualität kommen dadurch natürlich nur noch sehr bedingt zur Geltung.




Herstellung

Irischer Whiskey wird ausschließlich aus gemälzter und ungemälzter Gerste hergestellt; niemals kommen andere Getreidearten zum Einsatz. Dabei wird die gemälzte (= in Wasser eingeweichte und dadurch zum Keimen gebrachte) Gerste nicht über einem offenen, getorften Feuer getrocknet, sondern mit Hilfe von großen Öfen gedarrt, weshalb er für gewöhnlich einer rauchigen, würzigen Note entbehrt.

 

Die ungemälzte Gerste wird nun gekocht und im Anschluss mit der gemälzten Gerste vermischt, wodurch auch die  übrige  Stärke in gärfähigen   Zucker umgewandelt wird. Die nachfolgend eingemaischte und durch die Zugabe von Hefe vergorene Gerste wird anschließend entweder im Pot-Still- und/oder kontinuierlichen Brennverfahren, beide sind üblich, dreimal destilliert. Die so entstehenden einzelnen Destillate aus verschiedenen Gerstenmischungen werden nun für mindestens 3 Jahre in Eichenholzfässern eingelagert und erst nach der entsprechenden Reifezeit (meist 5 bis 8 Jahre) miteinander vermischt (Vatting, Blending). Dabei werden Whiskeys verschiedener Fasstypen und unterschiedlichen Reifealters  miteinander  vermählt und nochmals für einige Monate eingelagert. Die Altersangabe auf dem Flaschenetikett bezieht sich dabei auf das jeweils jüngste Destillat des Blends. Gleichwohl sind auch irische Single Malts zu haben, die wie ihre schottischen Pendants unverschnitten angeboten werden und von einer einzigen Produktionscharge stammen. Nach dem Reifeprozess erfolgt die Filterung, das Herabsetzen auf Trinkstärke mittels destilliertem Wasser und letztlich die Abfüllung in Flaschen. 


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