Inländer Rum

Inländer Rum ist die geschützte Bezeichnung für Spirituosen, die aus mit natürlichen oder künstlichen Aromen versetztem Neutralalkohol hergestellt werden, sodass der Geschmack dem von Rum ähnelt. Inländer Rum darf diese Bezeichnung nur tragen, wenn er in Österreich hergestellt und abgefüllt wurde. Der Alkoholgehalt muss mindestens 37,5% vol. betragen. Siehe auch Rhum Agricole und Rum.


Hintergrund

Der erste Inländer Rum wurde im frühen 19. Jahrhundert von einem unbekannten Apotheker in Krems an der Donau hergestellt. Zu dieser Zeit war Österreich zwar eine der dominierenden europäischen Großmächte, doch verfügte es über keine einzige Kolonie in Übersee und musste infolgedessen bis zur Nutzbarmachung der Zuckerrübe Zucker teuer aus dem Ausland importieren. Rum galt daher in der Donaumonarchie noch weitaus mehr als bspw. in Frankreich, Spanien oder England als exotisch und besonders.

 

Der bereits erwähnte Apotheker suchte daher nach einem Weg, Rum mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst genau zu imitieren. Als Basis nutzte er kostengünstigen Neutralalkohol aus Getreide oder Kartoffeln, der praktisch über keinerlei Eigengeschmack verfügte, und mischte verschiedene Essenzen und Farbstoffe bei, sodass das Ergebnis in Aussehen und Geschmack Rum zum Verwechseln ähnlich war.

 

Im weiteren Fortgang des 19. Jahrhunderts wurde die schon bald “Inländer Rum” genannte Spirituose in allen Teilen des Habsburgerreichs als beliebter Rum-Ersatz von den Kunden angenommen und von so manchem Hersteller kopiert. Vor allem der Klagenfurter Spirituosen-Produzent Stroh machte sich mit seinem “Stroh-Rum” auch im Ausland einen Namen. Die Beliebtheit des Inländer Rums blieb auch nach dem Zerfall Österreich-Ungarns am Ende des Ersten Weltkriegs weiterhin bestehen. Österreicher genauso wie Ungarn und Tschechen hielten trotz ihrer nunmehr getrennten und unabhängigen Staaten an der traditionellen Spirituose fest, doch durfte sie in einigen Ländern bald nicht mehr unter der Bezeichnung “Rum” verkauft werden. Denn im Jahr 1999 wurde von der EU ein Gesetz erlassen, demzufolge nur noch Spirituosen als “Rum” bezeichnet werden dürfen, die aus Zuckerrohrsaft- bzw. Melasse hergestellt worden sind. Alles andere galt fortan als “Kunst-Rum” und wurde innerhalb der EU verboten.

 

Dieses zwischenzeitliche Ende des Inländer Rums dauerte rund 10 Jahre. In 2009 konnte die EU-Kommission zum Umdenken bewegt werden und definierte die Bezeichnung “Inländer Rum” nun als eigenständige Spirituose, die speziell für Österreich unter rechtlichen Schutz gestellt wurde. Seither darf der Inländer Rum, der ja tatsächlich mit Rum im eigentlichen Sinne nichts weiter zu tun hat, auch wieder außerhalb Österreichs verkauft werden, muss jedoch zu 100% in Österreich hergestellt und abgefüllt worden sein.

           

Der Inländer Rum kann fraglos als eine eigenständige Spirituose angesehen werden, auch wenn der Namensteil “Rum” bei mangelnder Sachkenntnis doch für einige Verwirrung sorgen mag. Denn es handelt sich dabei stets um aromatisierten Neutralalkohol gleich welchen Ursprungs, der meist nie mit einem Zuckerrohr auch nur in Berührung gekommen ist. Beliebt sind vor allen Dingen die besonders hochprozentigen Varianten von 60 und 80% vol., die mit Vorliebe im Grog oder Jagertee Verwendung finden.