Griechischer Wein

Der griechische Weinbau hat die zweitälteste nachweisbare Tradition der Welt und lässt sich bis in die Jungsteinzeit (ca. 11.500 - 4500 v. Chr.) zurückverfolgen. Wildwachsende Reben hatten sich vermutlich von der Kaukasus-Region ausgehend sowohl auf natürliche, als auch künstliche Weise bis in das Gebiet des heutigen Iran ausgebreitet und gelangten von dort aus weiter nach Kleinasien und Griechenland.

 

Schon die steinzeitlichen Ureinwohner Griechenlands kelterten nachweisbar Wein aus wilden Trauben. Erste Anzeichen eines gezielten Weinbaus sind ab der frühen Bronzezeit (ab 3000 v. Chr.) vor allem auf der Insel Kreta, dem Zentrum der minoischen Kultur, nachgewiesen, von wo aus sich dieser weiter auf die umliegenden Inseln und das griechische Festland ausbreitete. Gleichwohl besteht die Möglichkeit, dass sich die Kultivierung des Weins gleichzeitig auch von Ägypten und Babylon ausgehend auf dem Landweg über die heutige Türkei ausbreitete, da diese Zivilisationen ebenfalls über eine sehr alte Weinbautradition verfügen. Zu Zeiten der Mykenischen Kultur (ca. 1600 - 1150 v. Chr.) gehörte der Wein bereits zum festen Bestandteil des täglichen Lebens, wovon neben Überresten von Kernen und Schalen vor allem die zahlreichen Abbildungen auf Vasen und Tongefäßen zeugen. Wein war Zentrum und Gegenstand vieler Feste und wurde den Göttern als Opfergabe dargebracht. Getrunken wurde er dagegen nur zu zeremoniellen Anlässen pur, im alltäglichen Gebrauch galt dies als barbarisch. Stets mischte man ihn mit Wasser, in manchen Fällen sogar mit Schnee oder Hagelkörnern.

 

Die nachfolgenden Jahrhunderte bis zum Jahr 750 v. Chr. liegen weitestgehend im Dunkeln, da kaum Funde, schriftliche Aufzeichnungen u. ä. aus dieser Epoche existieren. Neueste Forschungen legen die Vermutung nahe, dass ein gigantischer Vulkanausbruch auf der Mittelmeerinsel Santorin, bei dem ein Großteil der Insel im Meer versank, diese förmlich explodieren ließ und mehrere Tsunamis auslöste, denen praktisch das gesamte Gebiet des östlichen Mittelmeers zum Opfer fiel. In der Folge verschwand die Mykenische Kultur von der Bildfläche und wurde von der Archaischen Zeit (750 - 500 v. Chr.) abgelöst, in deren Verlauf berühmte Autoren wie Homer (zwischen 1200 und 700 v. Chr.) und Hesiod (um 700 v. Chr.) einige der ersten Schriften über Weinbau und Weinherstellung anfertigten. Gleichzeitig sorgten Überbevölkerung und Unternehmungslust der griechischen Staaten für umfangreiche Kolonisationsbestrebungen an den Küsten der heutigen Länder Türkei, Italien, Frankreich (wo die Stadt Massilia [Marseille] gegründet und der Weinbau eingeführt wurde), auf den Inseln Sizilien, Sardinien und Korsika, sowie an Küsten des Schwarzen Meeres.

 

Mit den Kolonisten verbreitete sich auch die griechische Wein- und Trinkkultur, die vielerorts von den Einheimischen übernommen wurde. In Griechenland selbst, ganz besonders auf den Ägäischen Inseln, wurden in Bezug auf Wein erste Gesetze erlassen, Steuern erhoben und Versuche unternommen, Züchtung, Anbau und Kelterung zu optimieren. Die Bedeutung Griechenlands als wichtigstes Weinland des Mittelmeerraums begann einige Jahrhunderte später mit dem Erstarken und der Machtübernahme Roms zu sinken. Bis zur Eingliederung Griechenlands in das Römische Imperium im Jahr 146 v. Chr. hatte sich bereits Italien als neues Zentrum der Weinherstellung und des -handels etabliert.

 

Zur Zeit der Teilung in West- und Ostrom, dessen östlicher Kern aus Griechenland und weiten Teilen der heutigen Türkei bestand, im Jahre 395 n. Chr., spielte der Export kaum noch eine Rolle, da nahezu sämtlicher Wein im eigenen Land verbraucht wurde. Außerdem änderten sich langsam die Trinkgewohnheiten. Das Verdünnen des Weins wurde unüblich und man ging dazu über, einen Teil der Trauben vor dem Keltern in der Sonne zu trocknen, wodurch sich der Zuckergehalt konzentrierte und süße Weine entstanden.

 

In 992 wurde die Republik Venedig, die über ausgedehnte Handelsposten entlang der dalmatischen Küste und in Teilen Griechenlands verfügte, von dem im Untergehen begriffenen Byzanz (ehemals Ostrom) mit umfangreichen Handelsprivilegien ausgestattet, wodurch die Venezianer zu konkurrenzlosen Preisen Wein im- und exportieren konnten. Sie kontrollierten daraufhin praktisch den gesamten griechischen Weinmarkt, wodurch viele heimische Winzer ruiniert wurden.

 

In den kommenden Jahrhunderten wurde Byzanz mehrfach von Kreuzfahrern auf ihrem Weg ins Heilige Land verwüstet und die Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) 1204 von ihnen  erobert. Trotz der Neugründung des byzantinischen Reiches im Jahr 1261 blieb es weiterhin geschwächt und hatte viele seiner ehemaligen Gebiete eingebüßt. So hatte das zum Untergang verurteilte Byzanz dem sich zunehmend ausbreitenden Osmanischen Reich letztlich nichts mehr entgegenzusetzen.

 

Zwischen 1359 und 1451 hatten die Türken den größten Teil Griechenlands erobert und setzten dem dortigen Weinbau glaubensbedingt - im Islam sind berauschende Genussmittel verboten - weitgehend ein Ende. Dennoch konnte sich vor allem auf den Inseln ein kleiner Teil der Weintradition erhalten, da es die islamischen Herrscher oft nicht allzu genau nahmen und sie sich außerdem Profite durch eine hohe Besteuerung des Weinhandels erhofften. Die Abgaben waren allerdings derart hoch, dass viele Winzer die Weinproduktion ganz einstellten und stattdessen zur von der Obrigkeit geförderten Herstellung von Rosinen übergingen. Die türkische Herrschaft währte 400 Jahre und hatte die fortschreitende Verkümmerung der griechischen Weinkultur zur Folge.

 

Nach der teilweise errungenen Unabhängigkeit Griechenlands im Jahre 1830 verwüsteten die abziehenden türkischen Truppen weite landwirtschaftliche Nutzflächen und der Weinbau begann nur sehr langsam wieder an Bedeutung zu gewinnen. Den Menschen fehlte schlichtweg die Erfahrung und viele der heimischen Rebsorten waren mittlerweile fast vollständig verschwunden. Der Bestand an Rebflächen konnte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zwar auf nahezu 200.000 ha gesteigert werden, doch produzierten die Winzer mit primitivsten Mitteln meist minderwertige Verschnittweine, die der Konkurrenz aus Frankreich, Italien und anderen Ländern nicht einmal annähernd das Wasser reichen konnten. Zu allem Überfluss erreichte in 1898 auch noch die amerikanische Reblaus Griechenland und zerstörte weite Teile der bestockten Flächen.

 

Die Probleme des heimischen Weinbaus ließen die Nachfrage auf den Nullpunkt sinken und der erneute Aufbau ging bis in die 1960er Jahre hinein nur ausgesprochen schleppend voran. Erst der Beitritt Griechenlands zur EWG 1981, den damit verbundenen Fördergeldern, und die bereits zuvor üblich gewordene Praxis der Winzer, sich in Frankreich und Italien ausbilden zu lassen, führten zu einer allmählichen Steigerung der Qualität. Seither sorgt das zentrale Weininstitut in Athen für die Festlegung, Kontrolle und Erweiterung der Qualitätskriterien, doch bleibt auch heute noch genügend Luft nach oben.

           

Der griechische Weinbau befindet sich auch im neuen Jahrtausend immer noch im Entwicklungsstadium und sein Potential ist noch längst nicht voll ausgeschöpft. Der Rebbestand beträgt derzeit rund 60.000 ha, womit etwa 4 Mio. Hektoliter Wein im Jahr hergestellt werden. Nur 7% davon gehen in den Export, der Löwenanteil ist dem lokalen Markt vorbehalten.


Die Region

Griechenland ist ein überaus gebirgiges Land im Südosten Europas, das sich aus dem Festland sowie zahlreichen Inseln zusammensetzt. Geologisch wird es von Kalk- und Sandböden dominiert, während fast überall ein mediterranes Klima mit kurzen, regenreichen, milden Wintern und langen, trockenen und heißen Sommern vorherrscht. Weinbau wird zum absolut größten Teil in Küstennähe und auf den Inseln betrieben, wo die Meeresluft ihre kühlende Wirkung entfaltet und für die Gesundheit der Trauben verantwortlich zeigt. Aufgrund  des  heißen  Klimas  ist  man  in der Vergangenheit dazu übergegangen, Weinberge in höheren Lagen anzulegen, wo die kühlere Temperatur für eine längere Reifedauer und damit ausgeprägtere Aromaentfaltung der Trauben sorgt.

 

Die griechischen Weinregionen sind: Thrakien (1), Makedonien (2) mit den Gebieten Amynteon, Playies Melitona, Goumenissa und Naoussa, Epirus (3) mit den Gebieten Metsovo und Zitsa, Thessalien (4) mit den Gebieten Anchialos, Messenikola und Rapsani, Zentralgriechenland (5) mit dem Gebiet Attika, Ionische Inseln (6) mit den Gebieten Kephallonia, Korfu und Zakynthos, Peloponnes (7) mit den Gebieten Mantinia, Nemea und Patras, Ägäische Inseln (8) mit den Gebieten Lesbos, Limnos, Paros, Rhodos, Samos und Santorin, Kreta (9) mit den Gebieten Archanes, Daphnes, Peza und Sitia.




Die Weine

Griechenlands Weine haben in puncto Qualität ihre Möglichkeiten noch immer nicht vollkommen ausgeschöpft, da sich der landesweite Weinbau unverändert in der Entwicklungsphase befindet. Deshalb ist in den nächsten Jahrzehnten eine erhebliche Steigerung von Qualität und Bedeutung zu erwarten. Vielerorts gelten geharzte Weine, die ihre Vorbilder in der Antike haben, als regionale Spezialität, die jedoch nur selten den Geschmack des durchschnittlichen internationalen Verbrauchers treffen und daher als Exportware nur sehr bedingt geeignet sind.

 

Eine als positiv anzusehende Besonderheit Griechenlands ist der Umstand, dass dort autochthonen (= einheimischen) Rebsorten, deren Ursprung sich teilweise bis weit in die großartige antike Vergangenheit des Landes zurückverfolgen lässt,  der Vorzug gegeben wird und diese in großer Zahl angebaut werden. Dadurch besteht die einzigartige Möglichkeit, griechischen Weinen die volle Bandbreite der individuellen Charaktereigenschaften des Landes zu verleihen, nicht nur in Bezug auf Land, Boden und Klima, sondern ebenso auf dort seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden beheimateten Traubensorten, die Teil der Kultur und des Landes sind. Gleichwohl sind auch in Griechenland “fremde” Rebsorten anzutreffen, darunter vor allem die in aller Welt geschätzten französischen Sorten.

 

Die wichtigsten griechischen Rebsorten sind: Weiß: Savatiano, Roditis, Athiri, Assyrtiko, Aidani Aspro, Vilana und Moschofilero; Rot: Liatiko, Agiorgitiko, Xinomavro, Kotsifali, Mandilaria, Cabernet Sauvignon, Mavrodaphne und Vertzami.

 

Seit Anfang der 1970er Jahre bis zum Jahr 2011 existierten in Griechenland fünf Qualitätsstufen, die nach Vorbild des französischen Weinrechts an die Güte der jeweiligen Anbaugebiete angelehnt waren. Seit August 2011 gelten nurmehr die folgenden Qualitätsbezeichnungen:


Inos

Bis August 2011 „Epitrapezios Inos“ – die einfachste Weinkategorie, die immer aus Verschnittweinen aus mehreren Anbaugebieten besteht. Deshalb werden Rebsorten und Herkunftsort nicht auf dem Etikett angegeben.


Prostatevomenis Geografikis Endixis

(PGE; bis August 2011 „Topikos Inos“) – diese Weine werden ebenfalls oftmals verschnitten, müssen jedoch aus den Trauben der Region hergestellt werden, die auf dem Etikett gekennzeichnet ist.


Prostatevomenis Onomasias Proelefsis

(POP; bis August 2011 „Onomasia proléfseos anoteras piótitos OPAP bzw. „Onomasia proléfseos elenchoméni“ OPE) - die zulässigen Anbaugebiete (20 an der Zahl), Rebsorten und maximalen Höchsterträge pro Hektar sind begrenzt. Außerdem muss sich der Wein einer amtlichen Qualitätsprüfung unterziehen und wird anschließend mit einer farbigen Banderole über dem Korken versiegelt. Folgende Zusatzbezeichnungen erlaubt:


Reserve/Epilegmenos

Weiße Weine müssen zumindest 2 Jahre gereift sein, rote Weine mindestens 3 Jahre (davon jeweils mind. 6 Monate im Fass und 6 Monate in der Flasche).


Grande Reserve/Idika Epilegmenos

Weißweine müssen wenigstens 3 Jahre gereift sein (davon je mind. 1 Jahr in Fass und Flasche), Rotweine mindestens 4 Jahre (davon je mind. 2 Jahre in Fass und Flasche).