Ginger Beer

Ginger Beer ist die Bezeichnung für sowohl alkoholische als auch alkoholfreie Getränke, die aus Ingwer, ggf. weiteren pflanzlichen Auszügen und Zucker hergestellt werden. Siehe auch Ginger Ale.


Hintergrund

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Ingwers findet sich in den Tropen und Subtropen in Ländern wie China, Indien, Vietnam, und Indonesien, heute wird er aber auch in Afrika und Südamerika angebaut. Ursprünglich stammt die Pflanze vermutlich aus dem pazifischen Raum, doch ist ihre Herkunft nicht eindeutig geklärt. Über die Kolonialgebiete und Handelsstützpunkte der europäischen Seemächte Spanien, Portugal, England und Niederlande gelangte die Ingwerpflanze im 16. und 17. Jahrhundert vermehrt nach Europa und Amerika. In Europa bekannt wurde sie erstmals vermutlich schon im 9. Jahrhundert.


Frischer Ingwer
Frischer Ingwer

Das erste Ingwerbier wurde im 18. Jahrhundert in England gebraut, das dank seiner überragenden Stellung als See- und Handelsmacht schon damals mit einer Vielzahl an exotischen Waren aus aller Welt versorgt wurde. Wem die zündende Idee, aus Ingwer eine Art Bier zu brauen, zuzuschreiben ist, wird wohl niemals geklärt werden. Möglicherweise gab es ein noch unbekanntes asiatisches Vorbild, da man gerade im asiatisch-pazifischen Raum Ingwer schon lange für die Küche nutzte und seine gesundheitsfördernden Eigenschaften, vor allem für den Magen-Darm-Trakt, seit unzähligen Generationen zu schätzen wusste. Doch wohl um 1750 wurde Ginger Beer in England, etwas zeitversetzt auch in dessen nordamerikanischen Kolonien, zunehmend beliebt.

 

Die Menschen dort fanden Gefallen an dem scharf-würzigen Getränk, das man aus geriebenem oder gepresstem Ingwer und Wasser herstellte; später fügten einige Hersteller zusätzlich noch Zitronen- oder Limettensaft hinzu. In ganz England, später auch in den USA, entstanden in nahezu jedem größeren Ort neue Ginger Beer-Brauereien. Um 1900 war ihre Zahl derart angewachsen, dass in Großbritannien rund 3000, in Kanada etwa 1000 und den USA 300 Ingwerbier-Brauereien in Betrieb waren. Auch andernorts wurde Ingwerbier vor allem dank dort stationierter britischer Soldaten bekannt, so z. B. in Australien und sogar auf den griechischen Ionischen Inseln, die von 1814 bis 1864 unter britischem Protektorat standen. Auf Korfu wird es noch heute unter dem Namen “Tsitsibíra” als lokale Spezialität produziert.

 

In den 1850er Jahren hatten Gesetzesänderungen in Großbritannien die Hersteller dazu gezwungen, den Alkoholgehalt von bis dahin üblicherweise um die 11% vol. auf maximal 2% vol. abzusenken. Aus diesem Grund sank die Beliebtheit des Ginger Beers in seinem Heimatland zusehends, während derartige Beschränkungen in Kanada und den USA nicht galten und dort auch weiterhin hochprozentige Biere verkauft werden durften. In den Vereinigten Staaten war Ingwerbier noch bis zum landesweiten Alkoholverbot ab 1919 ein vielkonsumiertes Getränk, danach verschwand es praktisch völlig von der Bildfläche, sein Platz wurde von dem seit etwa 1851 hergestellten Ginger Ale eingenommen.

 

Heute wird Ginger Beer wieder vorwiegend in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und verstärkt auch im asiatischen Raum, dem Ursprungsgebiet des Ingwer, konsumiert. In Deutschland war Ginger Beer bis in die jüngere Vergangenheit hinein nahezu vollkommen unbekannt und bestenfalls in einigen wenigen Spezialitätenhandlungen zu bekommen. Mittlerweile findet es dank der wachsenden Barszene zusehends auch hierzulande Verbreitung.

           

Ginger Beer ist heutzutage geschmacklich in der ganzen Bandbreite seiner Entwicklungsgeschichte zu haben. Sowohl recht starke Varianten von rund 11% vol. werden angeboten, wie auch abgemilderte Versionen von 2% vol. oder alkoholfrei. Ginger Beer gibt es kräftig aromatisch, scharf, mild, gesüßt und ungesüßt, mit weiteren Pflanzenauszügen und ohne.