Gilka

Gilka ist der Name einer deutschen Kümmellikör-Marke.


Hintergrund

Die Marke wurde im Jahr 1836 von dem aus Mähren (heute Ost-Tschechien; damals zu Österreich-Ungarn gehörend) stammenden Carl Joseph Aloys Gilka in Berlin gegründet. Dieser heiratete, nachdem er nach Berlin gezogen war, 1836 Auguste Henriette Schmidt, die Tochter eines vermögenden Potsdamer Seidenfabrikanten. Dank der enormen Mitgift, die die Tochter des reichen Unternehmers in die Ehe einbrachte, war Gilka nun in der Lage, die “Destillations-, Rum- und Spritfabrik” in der Berliner Schützenstraße zu gründen.

 

Für den Erfolg des Unternehmens war vor allem der “Gilka-Kümmel” verantwortlich, ein nach altem Familienrezept hergestellter Kümmellikör, doch wurden auch weitere Brände und Liköre produziert. Selbst der deutsche Kaiser Wilhelm I. (regiert 1861 – 1888) trank mit großer Vorliebe den Gilka-Kümmel, woran noch heute der Namenszusatz “Kaiser-Kümmel” erinnert, und verlieh der Familie die Titel “Kommerzienrat” und “Hoflieferant”. Im Jahr 1876 zog der österreichische Kaiser Franz Joseph I., der ebenfalls bekennender Gilka-Trinker war, nach und stattete die Firma unter Leitung der Söhne Carl Joseph Gilkas, Theodor und Hermann, ebenfalls mit diesen Titeln aus.

 

Die Marke erfreute sich vor allem in Preußen in allen Gesellschaftsschichten großer Beliebtheit, ganz gleich ob in Kreisen des gehobenen Bürgertums oder unter Angehörigen der Arbeiterklasse. Die Berliner Literatur des 19. Jahrhunderts diffamierte die Marke allerdings des Öfteren abschätzig als Schnaps des armen Mannes. Wie auch immer, jedenfalls war auch zwischen den beiden Weltkriegen der Boom von Gilka ungebrochen, selbst der zweite Große Krieg hinterließ das Unternehmen vergleichsweise unbeschadet. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam allerdings auch unerwartet das Ende des Unternehmens.

 

Nach der Spaltung Deutschlands in Ost und West wurden die Gilka-Produktionsstätten in Ost-Berlin, im heutigen Stadtteil Mitte, sowie sämtlicher Besitz der Familie im Jahr 1954 unter der wenige Jahre zuvor gegründeten DDR-Regierung verstaatlicht. Die Familie Gilka wurde von diesem Vorgehen ganz besonders hart getroffen, da sie, dank des enormen Erfolgs ihrer Spirituosen und Liköre, über großen Reichtum, Ansehen und einige Land- und Rittergüter samt zugehöriger Brauereien und Brennereien in Brandenburg verfügte. Nun verloren sie alles, da fatalerweise keine einzige ihrer Besitzungen auf dem Gebiet der BRD lag. Versuche der Gilkas, die traditionsreiche Marke nach 1954 in Hamburg neu zu etablieren, schlugen wiederholt fehl und wurden im Jahr 1972 endgültig aufgegeben. Das Rezept und die Markenrechte wurden daraufhin an die Firma Underberg verkauft.

 

Seit einigen Jahren wird Gilka Kaiser-Kümmel von dem Tochterunternehmen J. A. Gilka KG in Kettwig, einem Stadtteil von Essen, wieder nach dem alten Rezept hergestellt und vertrieben.


Produkte


Gilka Kaiser-Kümmel

Hergestellt aus zweifach destillierten Kümmelsamen und Zucker; alc. 38% vol.