Französischer Wein

Die ersten Weinreben kamen im 6. Jahrhundert v. Chr. durch griechische Kolonisten nach Südfrankreich. Dort gründeten sie die Stadt Massilia (heute Marseille) und pflanzten aus der Heimat mitgebrachte Rebsorten an, da sie auch in der Fremde nicht auf Wein verzichten  und von teuren Importen unabhängig bleiben wollten. Die aus dem warmen Griechenland stammenden Gewächse fanden hier an der Küste, wo man gleichfalls Olivenbäume kultivierte, ideale Klimabedingungen vor und gediehen prächtig.

 

Zeit ihres Bestehens beschränkten sich die griechischen Siedlungen auf den äußersten Süden des heutigen Frankreichs und so blieb der dortige Weinbau eine regionale Erscheinung, der sich zunächst nicht weiter nach Norden ausbreitete. Erst als die Römer ihre Expansionsbestrebungen nach Zentral- und Westeuropa verstärkt vorantrieben und die hellenischen Kolonien eroberten, breitete sich auch der Weinbau weiter aus. Neben dem Handel mit der Heimat und den umliegenden Barbarenvölkern war auch die Versorgung der in den eroberten Gebieten stationierten Legionäre und römischen Siedler einer der Gründe, weitere Weinberge anzulegen. Die italienischen Reben gediehen jedoch nur an Orten, an denen ein vergleichbares Klima wie in ihrer Heimat herrschte, deshalb waren der weiteren Ausbreitung bis zur Züchtung kälteunempfindlicher Sorten natürliche Grenzen gesetzt. Eine solche Züchtung soll dem keltischen Volk der Allobrogen, die um 120 v. Chr. von den Römern unterworfen und in die anschließend gegründete Provinz Gallia Narbonensis integriert wurden, in der Region um Grenoble gelungen sein. Auch andernorts konnte dank Kreuzungen bereits existierender Rebsorten nun Weinbau betrieben werden. Im Jahr 80 n. Chr. wurde in Burdigala (heute Bordeaux) erstmals die Herstellung von Wein schriftlich erwähnt.

 

Nur 12 Jahre später befahl Kaiser Domitian (51 – 96 n. Chr.) aufgrund eines Überangebots an Weinen im römischen Imperium die Vernichtung sämtlicher Gallischer Rebbestände, was glücklicherweise jedoch nicht überall auch tatsächlich durchgeführt wurde. Um 270 gewährte schließlich Probus (232 – 282) allen unterworfenen Völkern das Recht, Weinbau zu betreiben, woraufhin sich die Rebflächen in den folgenden Jahrzehnten explosionsartig ausbreiteten. Auch das Christentum, das gegen Ende des 4. Jahrhunderts  de facto zur römischen Staatsreligion erhoben wurde, trug einen erheblichen Teil zur weingeschichtlichen Entwicklung bei.

 

Die Kirche wurde in allen Ländern Europas von den Herrschern mit riesigen Ländereien beschenkt, die sie meist mittels bereits existierender oder neugegründeter Klöster verwaltete. Die Mönche verbesserten alte und entwickelten neue Techniken in allen Bereichen des Weinbaus, kassierten die Abgaben der auf ihrem Land schuftenden Bauern und wurden durch Handel nicht selten sehr wohlhabend. Ein besonderes Ereignis in diesem Zusammenhang trat im Jahr 1098 ein, als der französische Geistliche Abbé Moslemes in Cíteaux den Orden der Zisterzienser gründete. Das Regelwerk dieser Religionsgemeinschaft besagte unter anderem, dass jedes Kloster über eigene Weinberge zu verfügen habe und die Angehörigen des Ordens stets nach der Optimierung des Weinbaus streben sollten. Viele Neuzüchtungen, Erkenntnisse, Anbau- und Verarbeitungstechniken gingen danach für viele Jahrhunderte maßgeblich von den so weinliebenden Zisterziensern aus.

 

Wie weit die Entwicklung im Mittelalter bereits fortgeschritten war, wird dadurch ersichtlich, dass schon im 12. Jahrhundert jährlich rund 750.000 Hektoliter Bordeaux-Weine nach England exportiert wurden - vom Verbrauch im eigenen Land ganz zu schweigen. Auch die Niederlande wurden nach ihrer von Spanien errungenen Unabhängigkeit im Jahre 1579 zum wichtigen Abnehmer vor allem französischer Weißweine, aus denen der begehrte “Brandevijn” hergestellt wurde (dessen Beliebtheit ebnete später den französischen WeinbrändenCognac” und “Armagnac” den Weg ihres Erfolgs).

 

Ein Jahrhundert später schrieb ein unbekannter französischer Winzer aus der Champagne unbeabsichtigt Weltgeschichte: Glasflasche und Naturkorken setzten sich aufgrund einfacherer Lager- und Transportbedingungen allmählich bei den Weinbauern durch, und bei einem dieser Weintransporte zu warmer Jahreszeit begann der in Flaschen abgefüllte Wein erneut zu gären. Die dabei entstandene Kohlensäure sprengte die Korken (oder die ganze Flasche) und verwandelte den Wein in prickelnden, erfrischenden Schaumwein – der Champagner erblickte erstmalig, wenn auch ungewollt, das Licht der Welt.

 

Im 19. Jahrhundert stiegen die Produktionszahlen dank moderner maschineller Herstellungsmethoden zügig an, während das sich immer weiter verzweigende Eisenbahnnetz neue, bis dahin abgelegene Orte und Märkte erschloss. Die zunehmende Vernetzung der Welt öffnete allerdings auch einem zerstörerischen Eindringling das Tor nach Europa: Phylloxera, die Reblaus gelangte aus Amerika nach Frankreich, von dort weiter in alle benachbarten Länder und vernichtete ab 1864 nahezu sämtliche Weinberge des Alten Kontinents und führte zu Ausrottung und Bedeutungslosigkeit einiger bis dahin weit verbreiteten Rebsorten. Bei der Suche nach geeigneten Bekämpfungsmitteln gegen die Reblaus machten französische Forscher wie Louis Pasteur (1822 – 1895) und Jules Émile Planchon (1823 - 1888) bahnbrechende Entdeckungen, die nahezu allen Bereichen der Weinherstellung, und noch darüber hinaus, zu Gute kamen. Doch erst das Pfropfen heimischer Reben auf reblausresistente amerikanische Wurzelstöcke ermöglichte nach Jahren eine erneute Bepflanzung der verödeten Weinberge.

 

In der Zwischenzeit hatten geldgierige Geschäftemacher, aber auch verzweifelte Winzer das durch den Weinmangel entstandene Vakuum dazu genutzt, betrügerische Praktiken anzuwenden und gepanschte Weine zu horrenden Preisen zu verkaufen. Dies führte zum Erlass und zur Gründung einiger bedeutender Kontrollbehörden und Gesetze zum Schutz der Verbraucher, die in Frankreich und Europa zum Teil bis heute Bestand haben. Das 20. Jahrhundert war geprägt von der klar definierten Grenzziehung der aktuell bestehenden französischen Weinbaugebiete sowie der fortschreitenden Verfeinerung der Weinbautechniken.

           

Neben der geschichtlichen Entwicklung haben besonders die denkbar günstigsten geologischen und klimatischen Eigenschaften Frankreichs dazu beigetragen, dass Frankreich seit langem zu den bedeutendsten Weinbauländern der Erde zählt. Die hier angebauten Rebsorten fanden Verbreitung in aller Welt, die Arbeitsweisen gelten als internationaler Standard und die Weine genießen einen weltweit einmaligen Ruf.

 

Mit einer insgesamt vorhandenen Rebfläche von rund 850.000 ha, 144.000 Weinerzeugern und einer produzierten Menge von ca. 60 Mio. Hektoliter Wein jährlich ist Frankreich nach Italien der zweitgrößte Weinhersteller der Welt. 2/3 der französischen Weine werden im eigenen Land verbraucht, während die Exportzahlen seit einigen Jahren im Sinken begriffen sind. Dies liegt vor allem an der wachsenden Konkurrenz aus Übersee, die sich dank ausgeweiterter Rebflächen und meist günstigerer Lohnkosten einen immer größer werdenden Teil am Weltmarkt erkämpfen.


Die Region

Frankreich verfügt über vielfältige klimatische und geologische Gegebenheiten, die sich vereinfacht in drei Zonen aufteilen lassen: eine maritime Zone an der französischen Atlantikküste, begünstigt durch den warmen Golfstrom mit heißen, sonnenreichen Sommern und   langen, kühlen  und  regenreichen  Wintern.   Hier  befinden   sich  die Anbaugebiete Südwestfrankreich (Sud-Ouest) (1), Bordeaux (2), Charentes (3), das vor allem für seinen Cognac berühmt ist, und das Loiretal (Vallèe de la Loire) (4), das weiter östlich ein zunehmend kontinentales Klima aufweist; eine kontinentale Zone im Landesinneren, weit abseits der Küsten, mit milden, regenreichen Sommern und langen, kalten und trockenen Wintern. Der Herbst ist dort unberechenbar, weshalb Jahrgängen eine besondere Bedeutung zukommt. Hier finden sich die Regionen Champagne (5), das nördlichste französische  Weinbaugebiet mit dem strengsten Klima, Elsass (6), Bourgogne (7), Jura (8), Savoyen (9) und Beaujolais (10); eine sehr konstante mediterrane Zone im Süden an der französischen Mittelmeerküste, mit sehr heißen, trockenen und langen Sommern, ausgesprochen milden Wintern und niederschlagsreichen Herbsten. Mittelmeerwinde wie der Mistral sorgen für gesunde Trauben. Aufgrund des gleichmäßigen Klimas sind die dortigen Jahrgänge fast immer gleichartig ausgeprägt. Die Weingebiete sind Rhônetal (Vallèe du Rhône) (11), Languedoc-Roussillon (12), Provence (13) und Korsika (14).




Die Weine

Französische Weine genießen international trotz wachsender Konkurrenz nach wie vor eine herausragende Stellung. Reben wie Weine haben Standards gesetzt, die sich viele Weinländer in der Vergangenheit zum Vorbild genommen haben. Dementsprechend strengen Kontrollen unterliegen Weinbau und Weinherstellung in Frankreich. Vor allem den roten Reben kommt eine besondere Bedeutung zu, immerhin machen sie 73% der angebauten Trauben aus.

 

Die wichtigsten Sorten sind: Weiß: Chardonnay, Sauvignon Blanc, Sémillon, Ugni Blanc, Aligoté, Chenin, Gewürztraminer, Riesling, Marsanne; Rot: Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Pinot Noir, Syrah, Carignan, Cinsaut, Gamay, Grenache.

 

Französische Weine sind oftmals Verschnittweine aus mehreren Rebsorten. Das Weingesetz des Landes sieht drei Qualitätsstufen vor:


Vin de France

Bis August 2011 „Vin de Table“ – die unterste Kategorie, die gleichzeitig den größten Teil (38%) der französischen Weine ausmacht. Dies sind fast immer Verschnittweine. Rebsorten und Herkunftsort sind nicht auf dem Etikett angegeben, die Hersteller müssen sich lediglich an die Verwendung der in Frankreich zugelassenen Rebsorten sowie die erlaubten Herstellungsverfahren halten. 


Indication Géographique Protégée

(IGP; bis August 2011 „Vin de Pays“) – ähnlich dem deutschen Weinrecht ist diese Kategorie auch in Frankreich ein gehobener Tafelwein, auf dessen Etikett Rebsorte (außer bei Verschnittweinen) und Ursprungsgebiet angegeben werden müssen.


Appellation d'Origine Protégée

(AOP; bis August 2011 „Vin Délimité de Qualité Supérieur“ VDQS bzw. „Appellation d'Origine Contrôlée“ AOC) – diese Weine müssen aus einem der klar definierten Anbaugebiete stammen, zudem sind die erlaubten Rebsorten und der zugelassene Höchstertrag pro Hektar stark eingeschränkt, bleiben dabei jedoch von Gebiet zu Gebiet sehr individuell, um den jeweiligen örtlichen Traditionen und Besonderheiten Rechnung zu tragen. Da es sich hierbei zum größten Teil um Verschnittweine handelt, sind die Rebsorten bis auf wenige Ausnahmen nicht auf dem Etikett angegeben. Vor der AOP-Klassifizierung werden diese Weine amtlich auf ihre Qualität hin überprüft und mit einer Kontrollnummer versehen.

 

 

Die Zusatzbezeichnungen Grand CruPremier Cru und Cru verweisen auf Weine aus absoluten Spitzenlagen, die Weine mit einer typischen, wiedererkennbaren Note hervorbringen. Diese Weine müssen gewöhnlich mehrere Jahre in Fässern und anschließend in der Flasche reifen, bevor sie ihr Aroma optimal entfalten. Der Zusatz Château (frz.: “Schloss”) bezeichnet Weine, die ausschließlich von dem angegebenen Weingut (nicht zwangsläufig auch von einem Schloss) stammen, also einen sehr individuellen Charakter aufweisen.


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