Curaçao

Curaçao ist die weder geschützte, noch EU-rechtlich definierte Bezeichnung für Orangenliköre, deren Ausgangsprodukt, die Bitterorangen, ursprünglich nur auf der Karibikinsel Curaçao wuchsen. Oft trägt das Etikett lediglich die Zusatzbezeichnung “Likör” bzw. “Liqueur”, wodurch sich ein Zuckergehalt von wenigstens 100g/l, sowie ein Alkoholgehalt von mindestens 15% vol. ergibt. Die verwendeten Aromen können dabei sowohl natürlichen wie auch künstlichen Ursprungs sein. Wird zusätzlich die Bezeichnung “Triple Sec” (frz.: “dreifach trocken”) verwendet, so beträgt der Alkoholgehalt üblicherweise 30 - 35% vol.


Hintergrund

Die Karibikinsel Curaçao, nördlich des heutigen Venezuelas gelegen, wurde im Jahr 1499 von dem Spanier Alonso de Ojeda entdeckt. In 1527 versuchten die dort siedelnden spanischen Kolonisten Valencia-Orangenbäume aus ihrer Heimat anzubauen, was jedoch aufgrund der örtlichen Boden- und Wetterverhältnisse gründlich misslang. Zudem hatten die Spanier die Insel innerhalb weniger Jahrzehnte nahezu abgeholzt, wodurch der Grundwasserspiegel drastisch absank und den extrem wasserbedürftigen Orangenbäumen die Lebensgrundlage raubte.

 

Die letzten Endes wieder aufgegebenen Orangenplantagen verwilderten zusehends und erst die Niederländer, die die Insel 1634 eroberten, stellten nicht wenig erstaunt fest, dass die vor über einhundert Jahren eingeführten Orangenbäume mittlerweile eine eigene Bitterorangen- oder auch Pomeranzen-Unterart gebildet hatten, um auf Curaçao überleben zu können. Die Natur hatte nach den gnadenlosen Gesetzen der Evolution aus den ursprünglich spanischen Bäumen innerhalb eines einzigen Jahrhunderts eine widerstandsfähige, aber für Menschen praktisch ungenießbare einheimische Art gemacht.


Bitterorangen
Bitterorangen

Wann genau entdeckt worden ist, dass die Schalen dieser extrem bitteren Orangen besonders intensiv schmeckende ätherische Öle enthalten, und sich diese zur Herstellung von Likören eignen, ist nicht bekannt, doch erfreuten sich die Curaçao- bzw. Orangenliköre spätestens Anfang des 19. Jahrhunderts immer größerer Beliebtheit. Im Jahr 1834 kam erstmals die französische Bezeichnung “Triple Sec” zur Hervorhebung der Qualität auf, es folgten die heute weltbekannten Marken Cointreau (1875) und die auf Cognac basierende Marke Grand Marnier (1880). Auf der Karibikinsel Curaçao selbst entstand erst in 1896 eine größere Likör-Destillerie namens “Curaçao of Curaçao”, erreichte jedoch niemals die Berühmtheit ihrer französischen Pendants.

           

Heute gibt es Curaçao-Liköre in großer Markenvielfalt, doch ist diese Bezeichnung auch nach der aktuellen EU-Verordnung für Spirituosen aus dem Jahr 2009 noch immer nicht definiert. Es handelt sich dabei also um keine rechtlich anerkannte Spirituosen-Kategorie, lediglich die Bezeichnung “Likör” besitzt eine rechtliche Grundlage. Wie alle Orangenliköre eignen sich auch Curaçao-Liköre hervorragend zum Mixen von Cocktails. Der vielleicht bekannteste unter ihnen ist der blau eingefärbte Blue-Curaçao.


Herstellung

Bei hochwertigen Produkten werden die getrockneten Schalen der Bitterorangen, die heute nicht mehr ausnahmslos auf der Insel Curaçao wachsen, in neutralem Alkohol ausgelaugt (mazeriert) und anschließend destilliert. Das Ergebnis ist eine hochprozentige, ätherische Essenz, die nun noch mit Destillaten aus Orangen, Zitronen, Limonen, Pomeranzen und exotischen Gewürzen vermischt wird. Das Produkt wird zum Schluss mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt und mit Zucker und eventuellen Farbstoffen versetzt.

 

Minderwertige Curaçaos bestehen lediglich aus neutralem Alkohol, der mit künstlichen Aromastoffen, Zucker und Wasser vermischt wird. Bei international bekannten Marken kann jedoch von einer hochwertigen Produktionsweise ausgegangen werden.