Cocktail

Cocktail ist die aus dem englischsprachigen Raum stammende, seit längerem international übliche Bezeichnung für ursprünglich alkoholische Mixgetränke, die aus wenigstens zwei verschiedenen flüssigen Bestandteilen bestehen. Seit Jahren gibt es jedoch eine Vielzahl an alkoholfreien Mixgetränken, die ebenfalls als Cocktails bezeichnet werden.


Hintergrund

Heimatland des Cocktails sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” zog im 19. Jahrhundert Menschen aus ganz Europa an, die der religiösen Unfreiheit, der politischen Unterdrückung oder der wirtschaftlichen Unsicherheit in ihrer Heimat zu entkommen suchten. Auch wenn diese Menschen ihrem alten zu Hause den Rücken kehrten, um noch einmal ganz neu anzufangen, so waren sie doch Kinder ihres Landes und brachten ihre unterschiedlichen Religionen, Bräuche, Sitten und Lebensgewohnheiten mit – und natürlich auch ihre Nationalgetränke.

 

Auf den Märkten und in den Tavernen der jungen USA waren  unzählige, oft selbstgebrannte Schnäpse zu haben, das meiste davon annähernd ungenießbarer Fusel. Eine herausragende Rolle spielte schon zur Frühzeit der Kolonisierung Nordamerikas der Whiskey, den die ersten Einwanderer schon im 17. Jahrhundert vorwiegend aus Schottland und Irland in die Neue Welt mitgebracht hatten, und der praktisch überall in vergleichsweise brauchbarer Qualität zu haben war. Um die Trinkbarkeit dieser bunten Mischung verschiedenster Brände aus aller Welt, die nicht selten in irgendwelchen Hinterhöfen unter fragwürdigen hygienischen und sachkundigen Bedingungen hergestellt wurden, auf ein erträgliches Niveau zu bringen, mischten die Bewohner der Einwandererviertel und -städte allerlei alltägliche Zutaten zusammen: Zucker, Wein, Honig, verschiedene Spirituosen, Früchte, Säfte usw. - man kann hierbei wohl getrost von der Geburtsstunde des Cocktails sprechen, auch wenn eine genaue zeitliche Einordnung praktisch unmöglich ist.

 

Ärmere Bevölkerungsschichten machten etwa zur gleichen Zeit eine aus heutiger Sicht weniger angenehme Bekanntschaft mit einer etwas eigenwilligen Art von Mixgetränken. In vielen Kneipen und Tavernen waren auf dem Tresen kleine Holzfässer aufgestellt, in die der Wirt die in den abservierten Trinkbechern und Gläsern verbliebenen Reste einfüllte. Wer nicht einmal über genügend Geld für ein einfaches Glas Bier verfügte, der konnte für eine Handvoll Groschen, über einen simplen Schlauch mit dem Fass verbunden, in den Genuss eines solch willkürlich zusammengemischten “Cocktails” gelangen.

 

Mit der Entwicklung und Festigung der amerikanischen Nation im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden nach und nach spezialisierte Unternehmen und die Qualität der aus heimischer Produktion erhältlichen Spirituosen nahm kontinuierlich zu. Hinzu kam noch der Import bereits auf hohem Niveau produzierter Alkoholika aus dem alten Europa. Der Cocktail, dessen Namensherkunft weiter unten behandelt wird und niemals völlig geklärt werden wird, hatte sich bis zur Wende zum 20. Jahrhundert zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Trinkkultur entwickelt und war aus den Tavernen und den neu entstandenen Bars nicht mehr wegzudenken. In diese Epoche fällt die Erfindung vieler Cocktail-Klassiker, die noch heute ihren Platz auf den Getränkekarten der Bars und Restaurants finden.

 

Der Professionalisierung des Berufs des Barmanns folgte die Veröffentlichung von Bar- und Cocktailbüchern, deren gesetztes Ziel es war, der schon damals ungeheuren Menge an Rezepten Herr zu werden und sie systematisch und nach Zutaten zu ordnen. Viele dieser Bücher, die ein beeindruckendes Zeugnis der Zeit liefern, haben inzwischen eine Neuauflage erfahren und bilden die Basis für fast alle heutigen Fachbücher des Barbereichs.

 

Einen großen Zuwachs an Beliebtheit erhielten Cocktails ironischerweise ausgerechnet zur Zeit der Prohibition in den Jahren von 1919 bis 1933. Hochwertige und schwer zu schmuggelnde Weine, Biere und Spirituosen verschwanden während dieser vornehmlich im Dunkeln ablaufenden Epoche der Bargeschichte nahezu von der Bildfläche, doch traf man sich nun in geheimen Hinterzimmern (sogenannten “Speakeasies”) und trank ein Mischmasch aus geschmuggeltem und selbstgebranntem, jedoch horrend teurem Fusel. Der Reiz des Illegalen verführte viele dazu, namentlich die sonst so prüde Oberschicht, regelmäßig in solchen Speakeasies zu verkehren oder selbst im eigenen Heim verbotene Partys zu schmeißen, im Zuge derer der Mühsam und nicht ohne Gefahren aufgebaute Schnapsschrank hemmungslos geleert wurde. Der Preis für eine Flasche Schnaps konnte leicht das Zehnfache des Preises von vor 1919 erreichen, was jedoch nicht die geringste abschreckende Wirkung entfaltete.

 

Letzten Endes musste auch die Regierung erkennen, dass sich die Bevölkerung durch kein noch so strenges Verbot vom Trinken würde abhalten lassen und hob die Prohibition im Jahr 1933 für fast alle Bundesstaaten wieder auf. Das überaus kontraproduktive Verbot hatte nicht nur eine ganze Generation von Alkoholkranken hervorgebracht, darüber hinaus auch noch einer durch Alkoholschmuggel erst wirklich reich gewordenen Macht im Lande Vorschub geleistet: Der Mafia.

 

Ausgehend von den USA breitete sich das Konzept der American Bar, und damit der Cocktail, nach Europa aus. Vor allem in Hotels der europäischen Metropolen wie London, Paris und Berlin war eine kleine Auswahl an verschiedenen Cocktails um 1900 eine Selbstverständlichkeit. Doch während sich in Frankreich und England die Barkultur mehr und mehr unter dem Einfluss der USA entwickeln konnte, wurde dieser Prozess in Deutschland durch den Ersten Weltkrieg und der darauffolgenden Isolierung von den Westmächten unterbrochen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 1950er Jahren, nach dem langsam wieder ansteigenden wirtschaftlichen Wohlstand des Landes, begann sich auch in Deutschland die Bar nach US-Vorbild durchzusetzen. Der endgültige Durchbruch ließ hierzulande dennoch überraschend lange auf sich warten und gelang erst in den 1970er Jahren. Pioniere wie Franz Brandl oder Charles Schumann sorgten in den späten 70ern und frühen 80ern dafür, dass sich die Bar weiter als abendlicher Treffpunkt etablierte.

           

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Auswahl an erhältlichen Spirituosen, Säften und exotischen Früchten aus aller Welt ins Paradiesische angewachsen. Dadurch hat sich auch die Vielfalt der Cocktails ins schier Grenzenlose gesteigert. Unzählige Kombinationen sind denkbar und in einer nicht mehr zu überblickenden Masse an Rezeptbüchern dargelegt. Während jedoch auch in der Welt der Cocktails viele Modetrends erkennbar sind, die oft nur wenige Monate, bestenfalls einige Jahre überdauern, hat sich längst ein fester Grundstock an überwiegend klassischen Rezepturen herauskristallisiert, die allen Launen der Bargäste zu trotzen scheinen und selbst die turbulentesten Zeiten überdauern.


Wortherkunft

Über den Ursprung der Bezeichnung “Cocktail” (engl.: “Hahnenschwanz”) für Mixgetränke ranken sich mehrere Legenden, um deren Wahrheitsgehalt unterschiedliche Auffassungen bestehen. Die wahrscheinlich größte Anhängerschaft haben die nachfolgenden Versionen:

 

  • Im 19. Jahrhundert erfreuten sich Hahnenkämpfe überall auf dem amerikanischen Kontinent großer Beliebtheit, nicht anders verhielt es sich in den USA. Nach dem Ende eines solchen Kampfes wurden dem unterlegenen - will heißen zu Tode verletzten - Hahn die bunten Schwanzfedern ausgerissen. Bei der sich anschließenden Siegerehrung und dem obligatorischen Umtrunk stieß man auf den Siegerhahn an mit den Worten: “On the cock's tail!” (“Auf den Schwanz des Hahns!”).

 

  • Aufgrund der bunten Farbmischung vieler, vor allem “geschichteter” Mixgetränke war die Ähnlichkeit zur bunten Farbpracht eines Hahnenschwanzes naheliegend und man taufte diese farbenfrohen Getränke schlicht “Cocktail”.

 

  • Der möglicherweise erste etablierte Cocktail der Welt, der “Sazerac” (Whiskey bzw. Weinbrand + Pastis + Würfelzucker + Peychaud's Bitter), wurde von dem Franzosen Antoine Peychaud um das Jahr 1850 in New Orleans kreiert. Er servierte seine Kreation angeblich in Eierbechern, auf Französisch “Coquetier”, woraus dann in der amerikanischen Mundart “Cocktail” wurde.

Cocktailarten

Cocktails können nach ihren Zutaten, der Gelegenheit, zu der sie getrunken werden oder auch der Art ihrer Zubereitung in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Über die genaue Anzahl und Bezeichnung der Untergruppen besteht nicht immer Einigkeit und oftmals kann ein und derselbe Cocktail gleich mehreren Kategorien zugeordnet werden. Wie genau nun die verschiedenen Mixgetränke eingeteilt werden variiert je nach Ansicht und Geschmack von Bar zu Bar, von Rezeptbuch zu Rezeptbuch. Im Folgenden sollen die gängigsten Einteilungen kurz erläutert werden:


Aperitif oder Before Dinner Cocktails

Drinks, die leicht sind, keine süßen oder sahnigen Bestandteile haben und vor dem Essen eingenommen werden, um den Appetit anzuregen.


Digestif oder After Dinner Cocktails

Drinks, die ein vorangegangenes Essen abschließen sollen, oft süß oder sahnig sind, um gewissermaßen als “Nachspeise” zu fungieren, oder aber die Verdauung unterstützen sollen. 


Classic Cocktails oder Short Drinks

Die älteste Cocktailart, für gewöhnlich nur eine vergleichsweise geringe Menge, bestehend aus überwiegend (oft ausschließlich) alkoholischen Bestandteilen. 


Whisky-, Rum-, Tequila-Cocktails etc.

Hierbei werden die Cocktails nach ihrer geschmackgebenden Basisspirituose eingeteilt, unabhängig von ihrer Zubereitungsart, ihren weiteren Zutaten usw.


Sours

Ebenfalls zu den “Klassikern” zählend, bestehend aus einer Spirituose, Zitronensaft und Zuckersirup. Abwandlungen mit Orangensaft, Puderzucker usw. sind möglich.


Champagner-Cocktails

Champagner in Verbindung mit Spirituosen, Likören, Säften und Fruchtpürees. 


Longdrinks oder Highballs

Cocktails mit größerer Flüssigkeitsmenge, bestehend aus einer “Basis” (gewöhnlich 4cl Spirituose, Likör usw.) und einem “Filler” (Cola, Ginger Ale, Tonic Water, Bitter Lemon usw.). 


Fizzes oder Collinses

Bestehend aus einer Spirituose, Zitronensaft und Zuckersirup oder Puderzucker. Fizzes werden geschüttelt, Collinses hingegen gerührt. Zum Schluss wird das Getränk mit Sodawasser aufgefüllt.


Fancy Drinks

“Fantasie-” Getränke, die eher neueren Ursprungs sind und sich oft keiner anderen Kategorie eindeutig zuordnen lassen.


Flips oder Egg Noggs

Bestehend aus einer Spirituose, Eigelb und Zucker. Der Egg Nogg enthält zusätzlich Sahne oder Milch.


Alkoholfreie Cocktails

Bestehend aus Säften, Sirups, Sahne, Milch, pürierten Früchten, Speiseeis oder auch alkoholfreiem Schaumwein. Die Kombinationsmöglichkeiten sind praktisch endlos.


Hot Drinks

Spirituosen in Verbindung mit heißen Getränken wie Kaffee, Tee, Schokolade, Milch oder Wasser. Zusätzlich enthalten sind oft Sirups, Sahne, Zucker usw.


Juleps

Bestehend aus einer Spirituose und Minzblättern. Weitere Bestandteile sind oft Limettenstückchen, Zucker usw. 


Bowlen

Vom englischen Wort “Bowl” (= Schüssel). Sie bestehen aus frischen Früchten und evtl. Zucker, Likören und Spirituosen, die man mit Wein vermischt für einige Stunden ziehen lässt. Zum Schluss gibt man ggf. noch Sekt hinzu.


Corpse Reviver, Hangover oder Pick-me-up Cocktails

Sie wurden erfunden, um den “Kater danach” zu bezwingen. Bestandteile sind oft verschiedene Kräuterliköre, Tomatensaft und/oder Gewürze. Die Zweckmäßigkeit solcher “Katerkiller” ist sehr umstritten und kann allenfalls mit der Zuführung von Vitaminen und Mineralien begründet werden.


Weiterführende Links