Chhaang

Chhaang, auch „Chang“, ist die Bezeichnung für ein alkoholisches bierartiges Getränk, das vor allem in Nepal, Tibet, dem östlichen Regionen des Himalayas, in Bhutan und den angrenzenden Gebieten Indiens hergestellt und konsumiert wird. Es kann aus Reis, Gerste, Hirse oder einer Mischung aus diesen drei Ausgangsstoffen hergestellt werden. Der Alkoholgehalt beträgt meist zwischen 3 und 7% vol. Für verwandte Produkte siehe auch Bier und Sake.


Hintergrund

Chhaang ist das Nationalgetränk der Nepalesen und hat seinen Ursprung vermutlich in den Bergen Ostnepals. Dort wird es vor allem vom Volk der Limbu gerne und häufig konsumiert und stellt einen unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Lebens dar. Während die Limbu jedoch vornehmlich Hirse als Ausgangsbasis zum Brauen von Chhaang verwenden, wird in anderen Teilen Nepals Gerste oder Reis bevorzugt. Mehr oder weniger deutliche geschmackliche Unterschiede können also durchaus auftreten, je nachdem in welchem Teil der Himalaya-Region der Chhaang hergestellt wurde.

 

Wie um alle traditionsreichen Getränke, so rankt sich auch um den Chhaang die eine oder andere Legende. So soll es z. B. in der Vergangenheit immer wieder zu nächtlichen Besuchen durch Yetis gekommen sein, die auf der Suche nach dem schmackhaften Trunk die Vorratskammern der Dorfbewohner auf den Kopf gestellt haben. Gut denkbar wäre es aber ebenso, dass sich so mancher Hausherr am Morgen nach einer durchzechten Nacht lediglich eine plausible Ausrede hatte einfallen lassen müssen. Abseits dieser mehr mythologisch angesiedelten Nachrede soll Chhaang aber durchaus verlässlich gegen Fieber, Kälte, verschiedene Allergien und sogar Alkoholismus (!) wirken.


Herstellung

Die Ausgangsbasis Hirse, Reis oder Gerste wird zunächst gekocht und anschließend in ein Behältnis gegeben, meist verwendet man hierfür einen gewebten Korb aus Bambus. Hinzu kommt nun Brothefe oder ein spezieller Schimmelpilz, ist nichts davon zur Hand, kann ganz einfach ein paar Tage gewartet werden, bis natürlich in der Luft vorkommende Bakterien oder Hefen sich auf der Masse ansiedeln. In manchen Regionen wird der Gärhefe noch Ingwer oder Eisenhut beigegeben, um Aroma und Wirkung zusätzlich zu beeinflussen. Besonders von der Verwendung von Eisenhut ist jedoch abzuraten, da die in ihm enthaltenen Giftstoffe auf diese Weise kaum abgebaut im Chhaang landen, dadurch den Rauschzustand zwar verstärken, aber auch ihre toxische Wirkung entfalten können. Möglichst luftdicht abgeschlossen, ist der Gärprozess nach ein bis zwei Wochen abgeschlossen, manchmal erfolgt nun noch eine Lagerung von mehreren Wochen oder Monaten.

 

Für den Konsum wird die fermentierte Masse in ein spezielles Gefäß gegeben, die sogenannte „Tomba“ oder „Tongba“, die für die Limbu einen darüber hinausgehenden religiösen und kulturellen Wert besitzt. Die Tomba wird als nächstes mit lauwarmem oder kochendem Wasser aufgegossen. Getrunken wird, zumindest beim Volk der Limbu, direkt aus der Tomba mit Hilfe eines als Trinkhalm dienenden Bambusrohres. Ist die Tomba leergetrunken, kann das Ganze bis zu zweimal erneut mit Wasser aufgefüllt werden, bevor der enthaltene Alkohol aufgebraucht ist.

 

In anderen Regionen wird die fermentierte Masse mit Wasser aufgegossen, abgepresst, evtl. gefiltert und aus Gläsern oder Bechern getrunken. Die Trinktemperatur ist unabhängig von der Art der Zubereitung und des Verzehrs jedoch stets warm, im Winter auch bevorzugt heiß. Der abgepresste und verbrauchte Rückstand, auch „Glum“ genannt, landet niemals auf dem Abfall sondern wird mit Milch vermischt genossen oder findet als Backzutat Verwendung.