Campari

Campari ist der Name einer italienischen Bitter-Marke.


Hintergrund

Die Entwicklung der Marke geht zurück auf den italienischen Wein- und Spirituosenhändler Gaspare Campari, der im Jahr 1860 in Mailand sein Geschäft eröffnete. Noch im Gründungsjahr vervollständigte Campari eine eigenständig entwickelte Rezeptur, an der er während der vergangenen Jahre gearbeitet hatte. Das Ergebnis dieser Arbeit war ein leuchtend roter Likör, der sich aus insgesamt 60 verschiedenen Kräutern, Gewürzen und sonstigen Zutaten zusammensetzte: Der Campari-Bitter.

 

Neben diesem Bitter, der sich schon kurz nach Einführung überraschend erfolgreich verkaufte, verblasste die Bedeutung des ursprünglichen Wein- und Spirituosenhandels immer mehr. Um den Verkauf noch effektiver direkt vor Ort betreiben zu können, richtete Gaspare Campari neben seiner Handlung das später zu weitreichender Berühmtheit gelangende Caffè Campari ein (heute befindet sich an diesem Ort die Galleria Vittorio Emanuelle II.). 1904 wurde unter der Leitung von Gaspares Sohn Davide die erste, rein auf die Produktion des rotten Bitters spezialisierte Produktionsstätte in Sesto San Giovanni eröffnet. Um die Bekanntheit der Marke weiter zu fördern, wurden Bars und Cafés auch über die Grenzen der Stadt hinaus unterstützt und zu zuvorkommenden Konditionen beliefert, wenn sie das Campari-Logo im Schaufenster oder Schankraum offen aufstellten.

 

Wenig später wurde die erste Lieferung ins Ausland exportiert, wenn auch zunächst nur ins nicht allzu weit entfernte Nizza. Unter Davide Campari wurde der Export dennoch von Jahr zu Jahr beträchtlich ausgeweitet, den mittlerweile bedeutungslos gewordenen Handel mit Fremdmarken und Weinen gab er endgültig auf. 1932 führte er die noch heute beliebten kleinen Fläschchen mit fertig gemischtem Campari-Soda ein. Bis in die 1960er Jahre hinein wuchs die Marke mit beinahe beängstigender Geschwindigkeit, wurde zu Anfang des Jahrzehnts bereits in rund 80 Länder weltweit exportiert – 30 Jahre später sollten es schon 190 sein.

 

Zu Beginn der 90er traf die Unternehmensführung den Entschluss, die Firma noch weiter auszubauen. Da dies allein durch die Marke Campari nicht weiter möglich zu sein schien, wurde das Unternehmen zu einem internationalen Getränke-Konzern umgebaut. In den folgenden Jahren wurde viele verschiedene Marken in Europa und Brasilien übernommen und in der neu gebildeten Campari-Gruppe vereint. Die wichtigste Übernahme davon war wohl die der niederländischen Gruppe Bols-Wessanen in 1995, die bereits selbst die Rechte an vielen namhaften Marken besaß.

 

Ab 1996 kümmerte man sich zudem um den Erwerb von alleinigen Import- und Verkaufsrechten verschiedener ausländischer Getränke-Marken für die Märkte in Italien, Brasilien und Nordamerika. Diese Vorgehensweise wurde auch in den vergangenen Jahren beibehalten und zudem auf die wachsenden Märkte in Osteuropa und Indien ausgeweitet. Heute ist die Campari-Gruppe einer der größten Spirituosen-Konzerne weltweit mit einem Bestand von über 40 Marken. Der rote Campari-Bitter, mit dem vor über 150 Jahren alles begonnen hatte, ist längst in praktisch jeder internationalen Bar zu Hause und gehört zu den bekanntesten Spirituosen-Marken der Welt.

 

Die genaue Zusammensetzung der insgesamt über 60 Zutaten ist seit der Produkteinführung ein streng gehütetes Firmengeheimnis, das nur der jeweilige Präsident des Unternehmens in seiner Vollständigkeit kennt. Die Kräuter und Gewürze werden zunächst mit destilliertem Wasser eingeweicht und danach über mehrere Wochen hinweg in neutralem Alkohol ausgelaugt. Das Extrakt wird anschließend mehrmals gefiltert, um es von Rückständen zu befreien. Als nächstes wird es mit destilliertem Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt, mit Farbstoff versetzt und mit Zuckersirup gesüßt. Nach einer weiteren Ruhezeit von 30 Tagen wird der Bitter nochmals gefiltert und letztlich in Flaschen abgefüllt.

 

Die typische karmesinrote Farbe von Campari diente ursprünglich nur dazu, den Bitter besonders auffallend zu gestalten und ist keine Folge der zugesetzten Kräuter und Gewürze. Der hierzu verwendete Farbstoff Karmesin ist bereits seit der frühen Eisenzeit bekannt und wird neben der Cochenilleschildlaus überwiegend aus der auf der Kermes-Eiche lebenden Kermes-Schildlaus gewonnen. Um das Karmesin herzustellen werden die Läuse getrocknet und in mit Schwefelsäure versetztem Wasser ausgekocht. Der Farbstoff wird im Anschluss durch chemische Prozesse ausgewaschen und getrocknet. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden natürliche Farbstoffe mehr und mehr von synthetischen ersetzt, und es war lange Zeit umstritten, ob Campari seine rote Farbe immer noch durch die Verarbeitung von Schildläusen erhält. Dies kann jedoch spätestens seit 2006 ausgeschlossen werden, da künstliche Farbstoffe (im Falle von Campari E 122, E 102 und E 133) wesentlich günstiger sind.


Produkte


Campari Bitter

Nach der Rezeptur von 1860 aus 60 Zutaten, u. a. Chinin, Rhabarber, Granatapfel, Ginseng, Zitrusöl und Orangenschale; alc. 25% vol.


Weiterführende Links