Brandy

Brandy ist die englischsprachige bzw. internationale Bezeichnung für Branntwein, also ein Destillat aus 100% Wein, dem zusätzlich destillierter Wein von maximal 94,8% vol. hinzugefügt werden darf. Der Anteil an diesem hochgradig destillierten Wein darf jedoch höchstens 50% des Alkoholgehalts ausmachen. Die Mindestreifezeit beträgt 6 Monate in Fässern unter 1000 l oder 12 Monate in Fässern über 1000 l Fassungsvermögen. Der Zusatz von künstlichen oder natürlichen Aroma- und Farbstoffen ist nicht erlaubt, die Zugabe von Karamell zur einheitlichen Farbgebung ist hingegen zulässig. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 36% vol. Frucht-Brandys (Apricot-Brandy, Cherry-Brandy usw.) zählen trotz des Namens nicht zu den Brandys, sondern zu den Likören. Siehe auch Armagnac, Branntwein, Cognac und Weinbrand.


Hintergrund

Die Ursprünge des Brandy hängen natürlicherweise eng mit dem Weinbau und dem Wissen über die Destillation zusammen. Verfolgt man diese beiden Grundvoraussetzungen weit genug in der Geschichte zurück, so sollten sie irgendwann an einem Punkt zusammentreffen und die Anfänge des Weinbrennens ließen sich auf eine Region beschränken. Tatsächlich Gibt es eine Weltgegend, die hierfür besonders in Frage käme. Die Kaukasusregion, speziell die heutigen Länder Georgien, Armenien und Iran, gelten nach neuesten Forschungsergebnissen als die Urheimat des Weins.

 

Schon um 10.000 v. Chr. wurde hier gezielt Weinbau betrieben. Von Indien ausgehend breitete sich etwa 6000 Jahre später die Kunst der Destillation in nordwestlicher Richtung über den Orient aus und dürfte etwa um 3500 v. Chr. auch den Kaukasus erreicht haben. Gebrannter Wein aus dieser Zeit kann zwar nicht nachgewiesen werden, da die Destillation in erster Linie zur Herstellung von Pflanzenölen, Teer und Schminke verwendet wurde. Doch gilt es als mehr als nur wahrscheinlich, dass in dieser traditionellen Weinbauregion irgendwann auch mit dem Destillieren von Wein experimentiert worden ist.

 

Der griechische Gelehrte Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) beschrieb  erstmals im vierten Jahrhundert v. Chr. diese Anwendungsmöglichkeit. Ältere oder gleichaltrige gleichlautende Dokumente existieren jedoch leider nicht bzw. haben die Zeiten nicht überdauert. Von gebranntem Wein ist erst wieder um 1000 n. Chr. vermehrt die Rede, doch gibt es keinen Grund anzunehmen, die Menschen wären nicht schon wesentlich früher dazu in der Lage gewesen. Schließlich gab es zu dieser Zeit schon längst gebrannte Alkoholika, und der ebenso wie die Destillation aus Indien stammende Arrak blickten schon damals auf eine 4000 bis 5000 Jahre alte Geschichte zurück. Die Beweisführung fällt aufgrund der vielen Unbekannten äußerst schwer, dennoch sehen viele heutige Experten die Länder Georgien und Armenien als die Wiege des Brandys an.

 

Den Weg nach Europa fand das Weinbrennen vermutlich über einige Umwege, die vom Nahen Osten über Nordafrika bis auf die Iberische Halbinsel führten. Bis ins 15. Jahrhundert hinein waren weite Teile Spaniens und Portugals bereits seit mehreren hundert Jahren von den Mauren besetzt, und mit ihnen hielten auch neue Wissenschaften Einzug ins mittelalterliche Europa. Den Weinbau kannte man hier bereits seit den Zeiten der Römer und Griechen, nun folgte das Wissen um seine Destillation. Im Zuge der “Reconquista”, der Rückeroberung Spaniens von den Mauren, und im Verlauf der Kreuzzüge, gelangten zunächst die Spanier in den Besitz dieses Wissens. Von Spanien ausgehend wechselte das Verfahren der Brandy-Herstellung über die Grenze nach Frankreich, wo letztlich solch berühmte Destillate wie Armagnac und Cognac entstehen sollten. Auf diese Weise produzierten nach und nach alle weinanbauenden Länder Europas bald ihren eigenen Weinbrand.

 

Nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 und der sich anschließenden Kolonisierung der Neuen Welt, brachten vor allem die spanischen und portugiesischen Siedler, die bis weit ins 17. Jahrhundert hinein den Doppelkontinent dominierten, ihre Traditionen und Bräuche aus der Heimat mit. Unter den importierten Kulturpflanzen befanden sich sehr früh auch einige Weinstöcke, die man praktisch überall in Amerika anzupflanzen suchte. Nicht überall gelang dies auch, doch alle noch heute typischen Weinerzeuger Nord-, Mittel- und Südamerikas übernahmen in der Folge auch die Brennkunst. So ist es leicht verständlich, dass Brandy längst in beinahe allen Weinproduzierenden Ländern der Welt hergestellt wird und zu den Sortenreichsten Spirituosen überhaupt zählt.

 

Italien und Spanien sind die wichtigsten Brandy-Hersteller für den europäischen Markt, wobei besonders spanischen Brandys eine führende Rolle zukommt. Auch Cognac, Armagnac und der deutsche Weinbrand sind Brandys. Diese unterscheiden sich lediglich dadurch, dass Cognac und Armagnac gesetzlich geschützte Bezeichnungen für Brandys aus einem bestimmten, genau festgelegten Gebiet sind. Dies dient lediglich dazu, die Besonderheiten, die die örtlichen Bedingungen (wie Qualität des Bodens, der Luft, des Wassers usw.) auf die Trauben und damit auf das fertige Produkt ausüben, zu unterstreichen. Weinbrand ist nichts anderes als die deutsche Bezeichnung für Brandy. Die international bedeutendsten Brandy-Erzeuger sind neben Spanien, Frankreich und Italien außerdem die Länder Portugal, Griechenland, Deutschland, Chile, Peru, Ungarn, Armenien und die USA.


Herstellung

Brandy erhält man ganz einfach dadurch, indem man meist weißen Traubenmost zu Wein vergärt und diesen Wein anschließend destilliert. In praktisch allen Ländern gelten darüber hinaus noch gesetzlich festgelegte Mindestreifezeiten, vorgeschriebene Traubensorten und Destillationsverfahren. Auch die Beigabe von Zusatzstoffen wie Aromen, Farbstoffen u. ä. ist nicht überall gleichermaßen geregelt, unterliegen für die Herstellung bzw. den Import in die EU jedoch den weiter oben beschriebenen Definitionsbedingungen.


Spanischer Brandy

Spanien ist das größte Brandy-produzierende Land der Welt. Aufgrund seiner großen Bedeutung für den europäischen Markt und seinem besonderen Herstellungsverfahren soll an dieser Stelle spanischer Brandy nochmals gesondert behandelt werden.

 

 

In Andalusien, einer besonders orientalisch geprägten Region im Süden Spaniens, wurden bereits im frühen 16. Jahrhundert beachtliche Mengen an Wein destilliert. Dieses Destillat wurde jedoch überwiegend dazu genutzt, gewöhnlichen Wein für den Export zu verstärken, um ihn für die langen Seefahrten haltbar zu machen.

 

Erst im 19. Jahrhundert begann die goldene Zeit des “Brandy de Jerez”. Dies ist die geschützte Bezeichnung für Brandys, deren Ausgangswein in der (ebenfalls für ihre Sherrys bekannten) Provinz Cádiz, mit den Städten Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa Maria und Sanlúcar de Barrameda, zur vollendeten Reife gelagert werden muss. Basis für “Brandy de Jerez” sind meist Weine aus dem größten Weinbaugebiet der Welt, der La Mancha, südöstlich von Madrid. Diese Weine werden bis etwa  65% vol. (maximal 70% vol.) destilliert, tragen im Anschluss die Bezeichnung “Holandas” und bilden die aromatische Grundlage für den späteren Brandy.

 

Das zweite Destillat bilden die recht neutralen “Destilados”, die von 70% vol. bis maximal 94,7% vol. destilliert werden. Die “Holandas” und “Destilados” werden nun von den Kellermeistern im richtigen Verhältnis gemischt und zur Reife in 500-l-Sherry-Eichenfässer gefüllt. In den großen Lagerkellern (Bodegas) beginnt nun das für Brandy de Jerez typische Solera-Verfahren. Dabei lagern die Destillate in mehreren Reihen übereinander gestapelter alter Sherryfässer. Wird aus dem untersten Fass Brandy zur Flaschenabfüllung entnommen, so wird dieselbe Menge aus dem darüber liegenden Fass wieder aufgefüllt, die nun dort fehlende Menge wiederum aus dem darüber liegenden Fass usw. Am Ende der Kette wird im obersten Fass frisch gebranntes Destillat nachgefüllt und der Prozess beginnt von neuem. Dabei wird die unterste Fassreihe jedoch niemals ganz, sondern oft nur bis zu 40% entleert.

 

Dieses Verfahren garantiert eine gleichbleibende Qualität des Brandys und sorgt zudem für eine Vermischung sämtlicher in den Fässern lagernder Destillate, von denen die ältesten so alt wie die verwendete Solera selbst sind. Zudem wird dadurch eine ausreichende Sauerstoffzufuhr gewährleistet, da die Fässer nicht ganz, sondern max. bis zu einem Füllstand von 70% befüllt werden. Da sich die verschiedenen Destillate fortwährend miteinander mischen und oft Jahrzehnte von einem Fass zum nächsten “wandern”, ist bei Brandy de Jerez keine genaue Jahrgangsangabe möglich. Die Altersstufen bezeichnen vielmehr die Anzahl an Jahren, die der entsprechende Brandy gebraucht hat, um das gesamte System an Fassreihen zu durchwandern. Die Qualitätsbezeichnungen, die durch die staatliche Kontrolle (Consejo Regulador) sichergestellt werden, sind folgende:


Solera

 

 

Solera Reserva

 

Solera Gran Reserva

Lagerzeit von mindestens 6 Monaten

 

Lagerzeit von mindestens 1 Jahr

 

Lagerzeit von mindestens 3 Jahren



Tatsächlich werden die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreife-zeiten oft noch weit übertroffen - 10, 15 und mehr Jahre sind bei Spitzenprodukten keine Seltenheit. 95% des in Spanien hergestellten Brandys ist “Brandy de Jerez”.


Geschützte geografische Bezeichnungen


Deutschland

Deutscher Weinbrand, Pfälzer Weinbrand


Österreich

Wachauer Weinbrand, Weinbrand Dürnstein


Spanien

Brandy de Jerez, Brandy del Penedés


Italien

Brandy italiano


Griechenland

Brandy aus Attica, Brandy aus der Peloponnes, Brandy aus Zentralgriechenland


Frankreich

Brandy français/Brandy de France


Slowakei

Karpatské brandy špeciál


Weiterführende Links