Booth's

Booth's ist der Name einer englischen Gin-Marke.


Hintergrund

Die Geschichte der Marke begann im Jahre 1740 als die Familie Booth in London ein Handelshaus für Wein und Spirituosen gegründet hatte. Aller Wahrscheinlichkeit nach befand sich schon vom Gründungstag an auch eine eigene Gin-Marke im Angebot, letztlich war dies die Hochzeit des Gins. Allerorts befanden sich zu dieser Zeit in England und ganz besonders in London Gin-Destillerien – legale und noch weitaus mehr illegale. Die Auswirkungen des oftmals billigen Fusels, der häufig von geradezu katastrophaler Qualität war, endeten nicht selten tödlich.

 

Über die Rolle der Familie Booth während dieser Periode ist nur sehr wenig bekannt, doch brachte man es dank des Gin-Geschäfts schon nach einigen Jahrzehnten zu ansehnlichem Reichtum. Es gibt Hinweise darauf, dass die bis in heutige Zeit verwendete Rezeptur auf Felix Booth zurückgeht, der ab ca. 1790 die Unternehmensleitung übernommen hatte. Unter ihm entstand auch die Red Lion Distillery, die Anfang der 1830er Jahre in der gleichnamigen Red Lion Street in London errichtet wurde. Der Rote Löwe wurde dann auch als Markenlogo adaptiert und zierte fortan die Gin-Flaschen aus dem Hause Booth.

 

Die Beliebtheit der Marke wuchs weiter schnell an. 1915 gelang schließlich ein großartiger Coup, als das House of Lords (= Oberhaus des britischen Parlaments), vermutlich in Folge vorteilhafter Beziehungen, Booth Gin zur Hausmarke ihrer Mitglieder bestimmte. Auch die für ihre Liebe zum Gin (und anderem Hochprozentigem) bekannte Queen Mum soll ein großer Fan der Marke Booth gewesen sein und ernannte die Firma letzten Endes zum Königlichen Hoflieferanten.

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Red Lion Destillerie bei einem deutschen Bombenangriff schwer getroffen und brannte fast vollständig nieder. Innerhalb kürzester Zeit wurde sie jedoch an derselben Stelle wieder aufgebaut. Zudem machte man sich die “Gelegenheit” zunutze und stattete das Werk gleich mit der neuesten und modernsten Technik der damaligen Zeit aus.

 

Die nun wesentlich effizienter arbeitende Brennerei produzierte irgendwann jedoch zuviel des Guten und man blieb auf den Überschüssen sitzen. In Ermangelung ausreichender Kapazitäten sah man sich bei Booth genötigt, Fässer gleich welcher Art aufzutreiben und den Gin bis auf weiteres einzulagern. Ein befreundeter Händler stellte eine ganze Wagenladung an alten spanischen Sherryfässern zur Verfügung, in die nun der überschüssige Gin gefüllt werden konnte. Nach rund 6 Monaten war der Destillerieausstoß wieder ausgeglichen und man machte sich daran, den eingelagerten Sprit abzufüllen und zu verkaufen. Der Brennmeister wunderte sich zwar nicht wenig über den ungewohnten Geschmack des in untypischen Fässern gelagerten Gins und war sich unsicher, wie die Londoner Kunden darauf reagieren würden, doch gelangte die Charge trotzdem in den Handel – und wurde mit ungeahnter Begeisterung aufgenommen.

 

Dieser Gin wurde fortan auch außerhalb Englands unter der Bezeichnung “Finest Dry” bzw. “House of Lords” in kleinen Mengen vertrieben, doch steckte das Unternehmen zu dieser Zeit bereits in einer tiefen Krise. Die Konkurrenz schien zu übermächtig, Ende der 1970er wurde die Firma von UDV (United Distillers & Vintners) übernommen und 1978 die Produktion zu großen Teilen eingestellt. 1998 kam Booth's zum Spirituosen-Konzern Diageo, der die Marke im Jahr 2006 (möglicherweise zur Förderung der eigenen Gin-Sorten) jedoch vollständig vom Markt nahm.

 

Seither werden Flaschen aus dem Hause Booth immer seltener und sind, sofern überhaupt, nur noch zu teilweise horrenden Preisen zu bekommen. Bleibt zu hoffen, dass die Betreiber die Marke in Anbetracht der noch immer bestehenden Nachfrage irgendwann wiederbeleben. Schließlich rückt der Tag näher, da keine einzige Flasche Booth's Gin mehr verfügbar sein wird.


Produkte


Booth's Distilled London Dry Gin

Alc. 45% vol.


Booth's House of Lords Finest Distilled Dry Gin

5 bis 6 Monate in Sherryfässern gereift; alc. 43% vol.


Booth's High & Dry London Dry Gin

30 Tage in Sherry-Fässern gereift; anschließend filtriert, deshalb kristallklar und ohne Farbe; 43% vol.


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