Bollinger

Bollinger ist der Name eines Champagner-Herstellers aus der Stadt Aӱ.


Hintergrund

Das Unternehmen wurde im Jahr 1829 von dem Württemberger Joseph Jacob Bollinger, dem nach den napoleonischen Befreiungskriegen zum Admiral ernannten Marineoffizier Athanase Hennequin Comte de Villermont und Paul Renaudin als Champagner-Haus “Renaudin-Bollinger” in Aӱ gegründet. Villermonts Familie verfügte als altes Adelsgeschlecht seit ca. 1650 über ausgedehnte, allerdings durch die lange kriegsbedingte Abwesenheit des Admirals zwischenzeitlich verwahrloste Ländereien und Weinberge rund um das Stammschloss Cuis in der Gegend um Chalons an der Marne. Bollinger, der ebenfalls dem Adel entstammte,  verfügte zwar über keine Weinberge, dafür aber, wie sein Kollege Renaudin, als ehemaliger Handelsvertreter des Champagner-Hauses Müller-Ruinart über das nötige Wissen.

 

Unter welchen Umständen die jungen Männer mit Villermont zusammentrafen ist nicht überliefert, doch scheint er sofort die Chance, die in dieser Begegnung lag, erkannt zu haben. Eine wichtige Bedingung des Admirals war bei Gründung der Firma, dass sein Name oder etwaige Adelstitel nirgendwo im Handel auftauchen sollten. Ob diese Klausel auf die Bescheidenheit des Grafen zurückzuführen, oder vielmehr dem spätestens seit der Französischen Revolution besonders ausgeprägten Misstrauen der Franzosen gegenüber dem Adel geschuldet ist, bleibt fraglich. Jedenfalls wurde so das Unternehmen auf den Namen Renaudin-Bollinger getauft, wobei nur wenige Jahre später Paul Renaudin die Firma wieder verlassen sollte.

 

Joseph Jacob Bollinger hingegen, der sich mittlerweile den französischen Gepflogenheiten gemäß Jaques Bollinger nannte, fühlte sich mehr und mehr heimisch und heiratete 1837 Louise-Charlotte, die Tochter des Comte de Villermont. Im Jahr 1854 ließ er sich schließlich einbürgern und erlangte dadurch nun offiziell die französische Staatsbürgerschaft. Gemeinsam mit seiner Frau führte Jaques Bollinger die Güter des mittlerweile verstorbenen Grafen und erweiterte den Besitz stetig durch den Erwerb neuer hochkarätiger Weinberge.

 

Nach dem Tod Jaques gegen Ende des Jahrhunderts übernahmen die beiden Söhne Joseph und Georges die Geschäfte. Unter ihrer Leitung wurde das Haus zum offiziellen Lieferanten des englischen Königshofes ernannt. Während des Aufstandes der Weinbauern der Champagne in 1911 blieb trotz der großen Verwüstungen, die die Aufständischen in der ganzen Region anrichteten, der Besitz des Hauses Bollinger nahezu völlig unversehrt. Manche führen dies auf den ehrwürdigen Ruf des Hauses zurück, das der Mob nicht anzurühren wagte. Andere halten dagegen die Sympathien und den Respekt, den die Familie den Bauern stets entgegenbrachte, für den eigentlichen Grund.

 

1918 kehrte Jaques Bollinger, der Enkel des Gründers, als Flieger aus dem Ersten Weltkrieg zurück, um die Führung des Familienbetriebs zu übernehmen. Seine Ehe mit der aus prominenter Familie stammenden Elizabeth Law de Lauriston Boubers blieb kinderlos, und so trat sie nach seinem frühzeitigen Tod im Jahre 1941 als erste Frau das schwierige Erbe des Hauses Bollinger an. Sie bewältigte nicht nur die harte Zeit der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht, sondern tauschte strategisch ungünstige Weinberge gegen näher am Gut liegende.

 

Der Witwe gelang es sogar, den Umsatz bis Ende der 60er zu verdoppeln und durch George VI und Elizabeth II als Hoflieferant bestätigt zu werden. Auch der zu dieser Zeit äußerst populäre Kinoheld “James Bond” ist in einigen Filmen zu sehen, wie er ein Glas Champagner der Marke Renaudin-Bollinger trinkt - denn bis zum Ende der 1960er Jahre war auf den Flaschenetiketten noch der ursprüngliche Firmenname “Renaudin-Bollinger” zu lesen, was erst unter “Lily” Bollinger endlich geändert wurde.

 

Das Haus Bollinger ist bis heute unabhängig und in Familienbesitz geblieben. Es besitzt nach zahllosen Erwerbungen heute ca. 152 ha Weinberge in den besten Crus, kann 2/3 seines Weinbedarfs durch eigenen Anbau decken und erreicht mit seinen Weinbergen eine Durchschnittsbewertung von 98%. Bollinger lagert sämtliche Champagner nach der endgültigen Verkorkung für weitere 3 Monate, da diese nach langer Lagerung beim Degorgieren einen leichten “Schock” erleiden. Die 1992 von Christian Bizot eingeführte “Charta für Ethik und Qualität des Maison Bollinger” gilt als vorbildlich und besonders kundenfreundlich, da sie das Unternehmen weitgehend transparent für Außenstehende macht.


Produkte


Bollinger Special Cuvée

Die traditionelle Sorte des Hauses; zu 80% aus Premier und Grand Crus; enthält bis zu 10 Jahre alte Weine aus den Rebsorten Pinot Noir (60%), Chardonnay (25%) und Pinot Meunier (15%); mindestens 3 Jahre auf der Hefe gereift; 7 bis 9 g/l Zucker


Bollinger La Grande Année

Jahrgangschampagner aus mindestens 95% Premier Crus; je nach Jahrgang aus 65% Pinot Noir und 35% Chardonnay; mindestens 5 Jahre auf der Hefe gereift; 7 bis 9 g/l Zucker


Bollinger Grande Année Rosé

Jahrgangsroséchampagner aus mindestens 95% Premier Cru Weinen; mindestens 5 Jahre auf der Hefe gereift; 7 bis 9 g/l Zucker


Bollinger R.D. Champagner

Jahrgangschampagner; aus derselben Cuvée wie der Grande Année; mindestens 8 Jahre auf der Hefe gereift; “Récemment Dégorgé” (R.D.) bedeutet, dass dieser Champagner erst vor kurzem Degorgiert wurde, das genaue Datum findet sich auf dem Rückenetikett der Flasche; nur in hervorragenden Erntejahren gekeltert; 7 bis 9 g/l Zucker


Bollinger Vieilles Vignes Franҫaises

Wörtlich “alte französische Rebstöcke”; hergestellt aus der sehr seltenen und ungepfropften original Pinot Noir Rebsorte, von der nur sehr wenige die Reblausplage Ende des 19. Jahrhunderts überlebt haben; diese werden nach traditionellen Verfahren angebaut und gepflegt; dieser Champagner wird ausschließlich als Jahrgangs-champagner erzeugt und ist seit 1975 auf dem Markt; die Reifezeit auf der Hefe variiert, beträgt jedoch mindestens 6 Jahre; 7 bis 9 g/l Zucker


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