Bier

Bier ist die allgemeine Bezeichnung für alkoholische Getränke, für deren Gärung Zucker aus stärkehaltigen Pflanzen (z. B. Gerste, Weizen, Roggen, Mais, Reis usw.) gewonnen wird und die nach dem Gärprozess nicht destilliert werden. Im engeren Sinne versteht man unter Bier ein alkoholisches kohlensäurehaltiges Getränk, das aus Wasser, Malz und Hopfen und ggf. weiteren Zutaten wie Fruchtauszügen, Kräutern, Gewürzen usw. hergestellt wird. Der Alkoholgehalt beträgt meist zwischen 3 und 7% vol., kann aber auch darüber oder darunter liegen.


Hintergrund

Unser heutiges Wort “Bier” stammt aller Wahrscheinlichkeit nach vom lateinischen “Biber” (= Getränk) ab, das englische Wort “Ale” möglicherweise vom germanischen “Äl”, was in antiker Zeit die Bezeichnung für ungehopftes Bier war. Bier ist ohne Zweifel eines der ältesten alkoholischen Getränke der Menschheit. Es gibt archäologische Funde, die darauf hindeuten, dass bereits um 4000 v. Chr. Bier im Bereich des sogenannten fruchtbaren Halbmondes, d. h. in etwa dem Gebiet der heutigen Länder Irak-Iran-Ägypten, gebraut wurde. Möglicherweise liegen die Ursprünge sogar noch weiter zurück, Schätzungen gehen von bis zu 12.000 Jahren aus, eindeutige Belege hierfür gibt es jedoch nicht. Jedenfalls entwickelte sich die Kunst des Bierbrauens offenbar unabhängig voneinander an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten, doch stets dort, wo Getreide in besonders ausgeprägter Form kultiviert und angebaut wurde.

 

Die Entdeckung des Bieres war dabei, wie fast immer in solchen Fällen, den Launen des Zufalls zu verdanken. Heutige Forscher gehen davon aus, dass Getreidebrei oder eingeweichtes bzw. nass gewordenes Fladenbrot für längere Zeit in Tonkrügen o. ä. aufbewahrt worden war, bis Bakterien aus der Luft eine spontane Gärung eingeleitet hatten. Tatsächlich wurde nach dieser Entdeckung über viele Jahrhunderte hinweg exakt auf diese Weise Bier gebraut. Es besteht also ganz offensichtlich ein enger Zusammenhang zwischen gezieltem Getreideanbau und der Braukunst, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass beide Techniken über das nahezu selbe Alter verfügen.

 

Bei den alten Ägyptern galt Bier bereits als Grundnahrungsmittel, selbst die Hieroglyphe für “Nahrung” war lange Zeit dasselbe Zeichen, das auch für Brot und Bier verwendet wurde. Dabei stand auch den untersten Bevölkerungsschichten der Konsum völlig offen, oftmals erfolgte sogar die Bezahlung von Soldaten, Handwerkern und Arbeitern in Form von Brot und Bier. Unter den Grabbeigaben hoch gestellter Persönlichkeiten fanden sich ebenfalls regelmäßig einige Krüge mit vergorenem Getreidesaft. Sumerer und Babylonier kannten um 3000 v. Chr. erwiesenermaßen bereits etwa 20 verschiedene Sorten Bier, darunter Biere aus einer oder mehreren Getreidesorten (meist Gerste und Emmer) und sogar Schwarzbier. Der Codex Hammurabi, der um 1700 v. Chr. in Babylon entstandene älteste überlieferte Gesetzestext der Menschheit, enthält schon Passagen, die das Verhalten von Bierbrauern und Wirten regeln und z. B. Gepansche unter Strafe stellen (in diesem Fall wurde der Übeltäter in seinem eigenen Bier ersäuft).

 

Doch auch die Mitteleuropäer standen spätestens ab etwa 3000 v. Chr. den Braumeistern des Orients in nichts nach. So wurde jüngst nachgewiesen, dass ein gut erhalten gebliebener Becher aus einem Einzelgrab in Ostjütland aus dieser Zeit Bier enthalten haben musste. Ein Wissenstransfer wird indes ausgeschlossen, die Braukunst wurde hier demnach unabhängig von Einflüssen aus dem Nahen Osten entdeckt. Und so kannten auch die Kelten die Geheimnisse des Brauens ihres “Korma” genannten Bieres, genauso wie später die in Südamerika lebenden Inka über Kenntnisse des als “Chicha” bezeichneten Maisbieres verfügten (dieses auch “Spuckebier” genannte Gebräu entsteht durch das Zerkauen von Maiskörnern, die anschließend in einen Krug gespuckt werden; durch die im Speichel enthaltenen Enzyme wird die Gärung ausgelöst). Der römische Name für dieses, bei ihnen als barbarisch geltende Getränk, war “Cervisia” (daher auch das spanische Wort “Cerveza”), benannt nach der Göttin der Feldfrüchte “Ceres”, doch setzte es sich bei ihnen aufgrund der klimatischen Verhältnisse in Italien nicht gegen den dort dominanten Wein durch.

 

Laut dem römischen Schriftsteller Tacitus war Bier das Hauptgetränk der Germanen, und, wie er sagte,  könnten diese zwar “Hunger und Kälte gut ertragen, nicht aber den Durst”. Dabei war das Bierbrauen bei den Germanen, wie alle Küchenarbeit, Frauensache. Um Geschmack, Rauschwirkung und Haltbarkeit des Bieres zu beeinflussen, mischten die Bewohner Mitteleuropas dem Bier schon damals verschiedene Kräuter, Baumrinden, Harz, Honig und sogar giftige Pilze bei. Der eigentliche Siegeszug des Bieres begann jedoch nicht in der Antike, sondern erst später, im europäischen Mittelalter.


Gerste
Gerste

Im Süden des heutigen Deutschlands wurde ab etwa 700 die Produktion von Bier verstärkt von den überall im Land entstehenden christlichen Klöstern übernommen. Diese Entwicklung lässt sich vor allem auf zwei Ursachen zurückführen: Zum einen wurde jedes Kloster mit umfangreichen Ländereien beschenkt; an Ackerland, abgabenpflichtigen Bauern und damit an frei Haus geliefertem Getreide fehlte es also zu keiner Zeit. Zweitens waren gerade die Abteien ein Hort des Wissens und der Wissenschaft, denn außer der Geistlichkeit und den Angehörigen des Adels war kaum ein Mensch des Lesens und Schreibens mächtig. Durch diese monopolartige Stellung waren die Mönche der damaligen Zeit maßgeblich am technischen Fortschritt vor allem der landwirtschaftlichen Bereiche beteiligt. Allmählich begann sich hinter den Klostermauern eine regelrechte Bierindustrie zu entwickeln, die sich vom Süden ausgehend langsam über ganz Deutschland ausbreitete. Darunter befanden sich, aus heutiger Sicht ein wenig kurios, auch Nonnenklöster. Die berühmte Benediktinerin, Ärztin und Naturforscherin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) ist wohl die bekannteste von unzähligen, weitgehend namenlosen Frauen, die sich dem Brauhandwerk widmeten und dem Bier eine wichtige gesundheitsfördernde Bedeutung zusprachen. Welche wichtige Rolle die Ordensgemeinschaften für die Bierherstellung spielten sieht man schon allein daran, dass noch heute viele Biermarken den Namen eines solchen Ordens tragen.

 

Der Bierkonsum im Mittelalter war irgendwann schließlich derartig hoch, dass es nicht lange dauerte und sich auch die Steuerbehörden für diesen Umstand zu interessieren begannen. Im 16. Jhd. war das sog. “Biergeld” bereits eine der wichtigsten Steuerquellen der regierenden Fürstenhäuser Europas. Die wachsende Bedeutung des Bieres, das gerade  für die ärmere Bevölkerung dank seiner zahlreichen wichtigen Inhaltsstoffe auch eine wichtige ernährungsbiologische Funktion erfüllte (deshalb oftmals auch als “Flüssiges Brot” bezeichnet), sorgte früher oder später dafür, dass regelnde Gesetzestexte unumgänglich wurden. Im Stadtbuch der thüringischen Stadt Weißensee wurde im Jahr 1434 die “Statuta Tabherna” (Wirtshausgesetz) festgelegt. Darin heißt es, dass zum Brauen des Bieres nichts anderes verwendet werden soll als Wasser, Malz und Hopfen. Noch bis weit ins 16. Jahrhundert hinein war die Verwendung von Hopfen, zwar schon seit dem 8. Jahrhundert bekannt, doch weiterhin eher die Ausnahme, man verwendete stattdessen wie eh und je diverse Kräutermischungen zum Brauen des sog. Grutbieres. Somit war die Statuta Tabherna ihrer Zeit weit voraus und sogar noch älter als das berühmte Reinheitsgebot von 1516, welches vom bayrischen Herzog Wilhelm IV. (1493 – 1550) in Ingolstadt erlassen wurde und die gleiche “Reinhaltung” des Bieres besagte.

 

In diesem Erlass ist im Gegensatz zur Statuta Tabherna jedoch ausdrücklich von der ausschließlichen Verwendung von Gerste die Rede. Dies liegt auch in der wenig beachteten Tatsache begründet, dass Gerste als wesentlich minderwertiger als Weizen und Roggen galt, welche Getreidesorten darstellten, die den höher gestellten Personen vorbehalten und für die Brotproduktion ebenfalls von Bedeutung waren. Die einfachen Menschen sollten also das Korn des einfachen Mannes nutzen, zudem sollte darauf geachtet werden, dass sie dem Bier nicht eine höhere Wichtigkeit zusprachen als dem Brot. Streng genommen sind also nur Biersorten getreu dem Bayrischen Reinheitsgebot von 1516 gebraut, die nur auf Gerstenmalz basieren (und zudem ohne die damals eher selten verwendete Hefe vergoren werden; siehe Herstellung weiter unten), auch wenn die heutigen Bierbrauer die Sachlage gerne etwas anders darstellen.


Weizen
Weizen

Nun wurde auch der Hopfen für die Bierherstellung zunehmend interessant. Bis dato vor allem von den Brauern in Flandern und Norddeutschland genutzt, begann man im 16. Jahrhundert auch anderswo diese Wunderpflanze für sich zu entdecken. Die Beigabe von Hopfen während des Brauvorgangs bot vor allem den entscheidenden Vorteil, dass das Bier durch die in den Dolden enthaltenen Bitterstoffe länger haltbar und damit transportfähig gemacht werden konnte. Die geschmackliche, bitter-herbe Komponente des Hopfens und die durch ihn entstehende stabile Schaumkrone waren dabei noch eher Beiwerke, dennoch wandelte sich zu dieser Zeit der Charakter des Bieres grundlegend.

 

Ebenso setzte nun ein erneuter Wandel ein, der die überragende Stellung der Klöster langsam aufbrach und private Unternehmen zunehmend in den Vordergrund rückte. Es entstanden vermehrt kleine Familienbetriebe, die mit dem Brauhandwerk ihren Lebensunterhalt bestritten und ihr Bier für gewöhnlich nur in der eigenen Wirtsstube ausschenkten, bestenfalls noch die unmittelbare Umgebung belieferten. Für die folgenden Jahrhunderte änderte sich daran nur wenig.

 

Trotz des sich nun endgültig etablierten Hopfens war Bier auch weiterhin nur sehr begrenzt haltbar und temperaturempfindlich. Aus Mangel an modernen Kühlmöglichkeiten mussten tiefe Bierkeller angelegt werden, die mit im Winter aus den meist naheliegenden gefrorenen Seen geschnittenem Eis auch über die Sommermonate behelfsmäßig gekühlt wurden. Anwendung fand fast ausschließlich obergärige Hefe, da nur sie auch höhere Temperaturen bis 19°C verträgt.


Hopfen
Hopfen

Noch bis zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) waren interessanterweise die meisten und bedeutendsten Brauereien im Norden Deutschlands vertreten. Der Süden, darunter auch Bayern, musste lange den Großteil seines Bedarfs über weite Strecken importieren und war eher für seinen Weinkonsum bekannt. Erst die Verheerungen des langen Krieges, dem im Norden die Brauereien und im Süden die Weinberge zum Opfer gefallen waren, brachte die Wende. In Bayern wich man in Anbetracht der verwüsteten Rebflächen auf die wesentlich günstigere Alternative Bier aus, das man nun verstärkt nach Vorbild des Nordens braute. Überall im Land entstanden neue Brauereien, und da der Transport auch weiterhin ein Problem darstellte, besaßen bald selbst die kleinsten Ortschaften ein eigenes Sudhaus. Um die örtliche Produktion zu schützen war es oftmals sogar verboten, fremdes Bier zu trinken.

 

Der Geschmack des Bieres unterschied sich bis weit ins 19. Jahrhundert hinein beträchtlich von unserem heutigen Bier. So besaß es meist wenig bis gar keine Kohlensäure, da diese in den großen Holzfässern sich nach und nach verflüchtigte. Der Geschmack war, abgesehen von demjenigen sonstiger beigemischter Zutaten, süßlich, manchmal säuerlich, und auch der Alkoholgehalt war für gewöhnlich deutlich niedriger als heute. Die Qualität war starken Schwankungen unterworfen, oft wurde der Geschmack von schlecht gewordenem Bier behelfsmäßig übertüncht.

 

Die industrielle Revolution mit ihrem technischen Fortschritt brachte schließlich auch im Brauhandwerk tiefgreifende Veränderungen mit sich. Dass ausgerechnet zwei Fässer Bier das erste, jemals mit einer deutschen Eisenbahn transportierte Frachtgut waren, als am 11.07.1836 die erste deutsche Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet wurde, stellt dabei nur ein kleines, gleichwohl nicht weniger bemerkenswertes Detail dar. In dieser Zeit entstanden auch die beliebten bayerischen Biergärten, die direkt an einen der tiefen Bierkeller angeschlossen waren und den Konsum vor Ort unter schattenspendenden Kastanien und Eichen erlaubten, wobei ein jeder seine eigene Brotzeit mitbringen durfte. Die Zunftzwänge wurden beseitigt, die Brauereien auf dem Land wurden denen in der Stadt gleichgestellt und der Bierzwang wurde aufgehoben.

 

Als Folge davon gingen viele unrentable, aber bislang durch umfangreiche Privilegien geschützte Betriebe bankrott, während der Markt nun von einigen wenigen Unternehmen dominiert wurde. Dennoch entstanden gerade im 19. Jahrhundert so viele Brauereien wie niemals zuvor und nie wieder danach.

 

Ein weiterer bedeutender Meilenstein in der Geschichte des Bieres war die Erfindung der Pilsner Brauart. Als Vorbild diente die damals berühmte Bayrische Brauart, die auf bei niedriger Temperatur abgedarrtem Malz und auf der langsamen Gärung in kalten Kellern beruhte. Das bis dahin in Pilsen gebraute Bier hatte einen so schlechten Ruf, dass der Pilsner Braumeister des Bürgerlichen Brauhauses, Martin Stelzer, den bayrischen Braumeister Josef Groll nach Pilsen berief, um “den Böhmen in Pilsen ein gutes Bier zu brauen”. So kam es, dass am 5.10.1842 das erste Bier nach Pilsner Brauart von einem Bayern gebraut wurde.

 

Einer Revolution gleich kam die Erfindung der Kältemaschine durch Carl von Linde im Jahr 1871. Durch diese Apparatur war es den Brauern nun erstmals in der Geschichte möglich, Bier unabhängig von der Jahreszeit zu brauen und das ganze Jahr über zu verkaufen. Zudem konnten nun vermehrt untergärige Hefen verwendet werden, die niedrigere Temperaturen voraussetzen. Es folgte die Entwicklung des Bierfilters durch Lorenz Adalbert Entzinger (1878) und die verstärkte Anwendung der schon seit 1864 bekannten Pasteurisation, wodurch die Haltbarkeit erneut beträchtlich gesteigert werden konnte.

 

Bis zur Jahrhundertwende stammte jedes vierte Bier, das irgendwo auf der Welt getrunken wurde, aus Deutschland. Größter Bierproduzent war jedoch Großbritannien (mit Irland), das noch vor Deutschland rangierte. Berlin war, durch die Übernahme der bayrischen Brautechniken, die wichtigste und größte deutsche Bierstadt.


Sudkessel
Sudkessel

In München führten noch bis zum Ersten Weltkrieg schon geringfügige Erhöhungen der Bierpreise regelmäßig zu gewaltsamen Ausschreitungen in Wirtshäusern. Im Jahre 1919 wurde das bis dahin bayrische Reinheitsgebot endlich auf alle deutschen Länder ausgeweitet, die zur Gärung erforderliche Hefe wurde in die Reinheitsliste mit aufgenommen.

 

Zu den bekanntesten Biertrinkern der Geschichte zählen u. a. Heinrich Heine, Friedrich Schiller und Thomas Mann.

 

Heute ist Bier in Deutschland, wie auch in vielen anderen Ländern, das beliebteste und am häufigsten verzehrte alkoholische Getränk. Vor allem in Deutschland, das nicht zuletzt dank des einzigartigen Reinheitsgebots für sein Bier in der ganzen Welt berühmt ist, sind unzählige Marken zu haben. Hierzulande produzieren rund 1300 Brauereien (davon etwa die Hälfte in Bayern) ca. 5000 verschiedene Biermarken und 114 Mio. Hektoliter Bier pro Jahr (weltweit: 1,8 Milliarden Hektoliter). Im Vergleich dazu verfügen alle anderen europäischen Länder nur über vergleichsweise wenige Brauereien (Großbritannien 93, Belgien 117, Frankreich 25, Italien 18, Dänemark 15, Niederlande 11), was allerdings nichts über deren Größe und Bedeutung aussagt. So befindet sich unter den 10 größten Bierkonzernen der Welt nicht ein einziger aus Deutschland. Waren die Absatzzahlen in den vergangenen Jahren rückläufig, so scheint sich der Trend nun umzukehren, denn es wird wieder mehr Bier getrunken. Vor allem in Asien sind enorme Zuwächse zu verzeichnen.

 

Über Weltgeltung verfügt Deutschland lediglich noch im Bereich des Hopfenanbaus. Zwar wächst dieses Hanfgewächs nahezu überall auf der Nordhalbkugel und wird vor allem in den USA umfangreich angebaut, doch besitzt Hopfen aus der bayrischen Hallertau bzw. Holledau eine außergewöhnliche Qualität, die international hoch geschätzt wird.


Herstellung

Die Anfänge der Bierherstellung sind eng mit dem Brot verknüpft. Dabei wurde halbfertig gebackenes Fladenbrot in Wasser eingeweicht und so lange stehen gelassen, bis es zu gären begann. Dies geschah durch in der Luft vorkommende Hefepilzbakterien. Kräuter und Gewürze rundeten den Geschmack ab und machten es haltbar.

 

Die heutige Bierproduktion unterscheidet sich von der antiken natürlich gravierend. Zu Beginn wird das Getreide, die bevorzugte Art ist hierfür nach wie vor Gerste, geputzt und durch Einweichen zum Keimen gebracht. Der Keimvorgang sorgt dafür, dass die zur Stärkeaufspaltung notwendigen Enzyme im Korn gebildet bzw. angereichert werden. Das nun entstandene Grünmalz wird auf der sogenannten Darre bei Temperaturen zwischen 85 und 100° C getrocknet. Dieser Vorgang wird Mälzen genannt und je höher die Temperatur dabei ist, desto dunkler werden das Malz und das Bier, das daraus gebraut wird.

 

Als nächster Schritt erfolgt das Schroten. Durch Zerkleinern des Malzes wird das Lösen seiner Inhaltsstoffe beim nachfolgenden Brauvorgang erleichtert. Im Maischebottich wird das Malz nun mit Wasser vermischt und stufenweise erhitzt, damit die im Malz enthaltenen Enzyme die Stärke zu vergärbarem Malzzucker (Maltose) und Eiweiß zu Aminosäuren abbauen können. Die Temperatur entscheidet bereits über die später erwünschte Biersorte, darf dabei aber 78°C nicht überschreiten, da sonst die Enzyme zerstört würden. Das Maischen nimmt etwa zwei bis vier Stunden in Anspruch.

 

Anschließend erfolgt das Läutern. Die Flüssigkeit, die sogenannte Bierwürze, wird von den Malzrückständen getrennt, die nun als Viehfutter Verwendung finden. Die Bierwürze wird nun zusammen mit Hopfen in der Würz- oder Sudpfanne 1 bis 2 Stunden lang bei 80° C gekocht. Der Hopfen macht das Bier haltbar, sorgt für einen herben Geschmack und ermöglicht später eine schöne Schaumkrone. Durch das Kochen verliert die Bierwürze an Flüssigkeit und die Stammwürze kann ermittelt werden. Sie beschreibt den Gehalt an Extrakt (Malzzucker, Eiweiß, Mineralien, Vitamine, Aromastoffe usw.), das in der Würze enthalten ist. Der spätere Alkoholgehalt beträgt etwa 1/3 bis ¼ des Stammwürzegehalts. Nach der Stammwürze richtet sich außerdem die Erhebung der Biersteuer, daher hat das Finanzamt folgende Einteilung vorgenommen:

 

 

  1. Einfachbier (Stammwürzegehalt 2 bis 5,5%)
  2. Schankbier (7 bis 8%)
  3. Vollbier (11 bis 14%)
  4. Starkbier (16 bis 24%)
  5. Biermischgetränk (Bier mit Zusätzen wie Softdrinks, Fruchtsäften,  Spirituosen, Aromen)

 

 

Nachdem die Würze nun auf etwa 5° C abgekühlt worden ist, kommt sie in den Gärkeller, wo ihr die Hefe zugesetzt wird. Die Art der Hefe entscheidet ebenfalls über den Typ des Bieres, das gebraut werden soll. Untergärige Hefe wirkt bei 4 bis 8° C und benötigt etwa 8 Tage um den Malzzucker in Alkohol und Kohlendioxid (Kohlensäure) umzuwandeln. Sie setzt sich am Ende des Gärvorgangs am Boden des Bottichs ab, daher die Bezeichnung “untergärig”. Obergärige Hefe benötigt eine Temperatur zwischen 15 und 19° C, und nach 4 bis 6 Tagen ist die Gärung abgeschlossen. Sie setzt sich an der Oberfläche ab und kann wiederverwendet werden. Am Ende der Gärung ist aus der Bierwürze das Jungbier geworden, welches, je nach Biersorte, noch eine Reifezeit von bis zu 3 Monaten benötigt. Dabei wird der noch vorhandene Restzucker praktisch vollständig abgebaut und die Kohlensäure im Bier gebunden. Darüber hinaus sinken Hefereste und Eiweißflocken ab, das Bier “klärt sich”. Das fertige Bier wird nun noch gefiltert und ist endlich bereit für die Abfüllung.


Wirkung auf den Körper

Bier ist reich an vielen wichtigen Inhaltsstoffen, darunter Eiweiße, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Bier ist durch den Brauvorgang besonders leicht verdaulich und passiert den Magen-Darm-Trakt vergleichsweise schnell und ohne belastend zu wirken. Bei Studien wurden auch günstige Auswirkungen auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel, auf Blutdruck und Cholesterinwerte festgestellt. Vor allem der bei den meisten Sorten zugesetzte Hopfen wirkt beruhigend, entspannend und stärkt das Immunsystem.

 

Als negativer Inhaltsstoff ist lediglich der Alkohol zu nennen, da seine positiven Auswirkungen immer noch heftig umstritten sind. Vergleicht man jedoch den Alkoholgehalt von Bier und denjenigen anderer alkoholischer Getränke wie z. B. Wein, so wird deutlich, dass Bier wesentlich alkoholärmer und zudem auch in alkoholfreien Varianten erhältlich ist. Der sprichwörtliche Bierbauch ist übrigens keine direkte Folge des Bierkonsums, sondern des damit oftmals einhergehenden Verzehrs von fettigen Speisen. Zu Lasten gelegt kann dem Bier nämlich, dass es appetitanregend wirkt und somit den Hunger auf Deftiges fördert.


Biersorten

Auch wenn das deutsche Reinheitsgebot nur 4 Zutaten zulässt, so gibt es doch nirgendwo sonst eine solche Biervielfalt wie in Deutschland - etwa 5000 Marken sind hier zu haben. Nachfolgend sollen die wichtigsten Biersorten vorgestellt werden.


Pils

Vollbier nach Pilsener Brauart, benannt nach der Stadt Pilsen (tschech.: Plzeň), in der es 1842 von dem Bayern Josef Groll nach Vorbild der Bayerischen Brauart erstmals hergestellt wurde. Untergärig gebraut mit erhöhtem Hopfengehalt. Das beliebteste Bier in Deutschland.


Lagerbier

Eine untergärige Vollbiersorte, zu der auch das Pils zählt, meist jedoch weniger stark gehopft. Der Name kommt von der früheren Lagerung in Eiskellern.


Export/Helles

Untergäriges Vollbier nach Münchner Brauart, vor allem in Süddeutschland sehr beliebt. Weniger stark gehopft als Pils und daher milder. Da es früher oft für den Export produziert wurde, ist der Alkoholgehalt zur Verlängerung der Haltbarkeit (heute jedoch ohne diese Bedeutung) meist etwas erhöht.


Märzen

Ein sehr malziges, untergäriges Vollbier. Vor Erfindung der Kältemaschine durch Carl von Linde konnte bzw. durfte untergäriges Bier nur bis zum Beginn der warmen Jahreszeit gebraut werden (Monat März), daher der Name. Zur weiteren Steigerung der Haltbarkeit, um über die ehemals braufreien Sommermonate zu kommen, ist das Märzen meist stark gehopft und alkoholstark.


Rauchbier

Untergärig gebrautes Bier, das heute fast nur noch in Bamberg Tradition hat. Sein rauchiges Aroma erhält es, ähnlich wie Whisky, durch Trocknen der Gerste über einem Holzfeuer, was in früheren Zeiten aus Mangel alternativer Methoden nahezu überall die Regel war. Meist handelt es sich um ein Export oder Märzenbier.


Schwarzbier

Ein sehr malziges, untergäriges Bier. Das Malz wird bei besonders hohen Temperaturen getrocknet bis es eine dunkel geröstete Färbung erhält.


Bock/Doppelbock/Eisbock

Diese drei Sorten gehören zu den Starkbieren und werden vorwiegend in Bayern gebraut, stammen ursprünglich jedoch aus der niedersächsischen Stadt Einbeck. Aus “Einpöckisch Bier” wurde im Laufe der Zeit das Wort “Bockbier”. Bock oder Doppelbock kann hell oder dunkel sein, ist immer malzig und stark. Eisbock soll zufällig entstanden sein, als ein Brauergeselle Bierfässer bei Frost im Freien stehen gelassen hatte. Eisbock ist ein starkes Bier dem durch Einfrieren Wasser entzogen wird. Siehe auch den Artikel Wie der Bock ins Bier kam - eine Geschichte des Bockbiers.


Weizenbier

Ein obergäriges Vollbier, das aus Gersten- und Weizenmalz gebraut wird. Es wird überwiegend in Bayern (dort aufgrund der starken weißen Schaumbildung während des Brauvorgangs auch “Weißbier” genannt) und Baden-Württemberg gebraut und hat einen hohen Kohlensäure- dafür aber niedrigen Hopfengehalt. Es gibt folgende Varianten: klar (Kristallweizen), hell, hefetrüb, dunkel, alkoholarm bzw. leicht, Bock, Doppelbock und alkoholfrei.


Altbier

Nach “alter Art”, d. h. obergärig gebrautes, bernsteinfarbenes und leicht bitteres Vollbier mit oftmals weniger Kohlensäure. Es wird vornehmlich am Niederrhein gebraut.


Kölsch

Wie der Name schon andeutet, darf dieses obergärige Bier nur in Köln gebraut werden. Kölsch ist ein leichtes und mildes Vollbier mit rund 11% Stammwürzegehalt und wird aus typischen 0,2 l Gläsern getrunken.


Berliner Weiße

Aus Gersten- und Weizenmalz obergärig gebraut. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gab es in Berlin kaum ein anderes Bier. Es hat wenig Alkohol und durch Zusatz einer besonderen Hefe kommt es zu einer milchsauren Gärung, was zu einem leicht säuerlichen Geschmack führt. Zur Kaiserzeit im Volksmund auch “Spree-Champagner” oder “Arbeitersekt” genannt. Berliner Weiße gibt es als Einfach- und Schankbier und wird üblicherweise “mit Schuss” (Himbeer- oder Waldmeistersirup, Kümmelschnaps) getrunken.


Ale

In Großbritannien und den USA die übliche Bezeichnung für alle einheimischen obergärigen Biere. Früher wurde der Begriff nur für ungehopftes Bier verwendet.


Porter

Ein stets dunkles, oft tiefschwarzes Bier, das sowohl ober- als auch untergärig gebraut wird. Der Geschmack ist stets stark malzig, manchmal süßlich. Porter aus Deutschland und dem Ostseeraum sind fast immer stärker als ihre englischen Verwandten.


Stout

Stärkere Variante des englischen Porter, früher auch “Stout Porter” (engl.: “Starkes Porter”) genannt. Fast immer obergärig gebraut.


Leichtbier

So bezeichnetes Bier muss weniger als 1,5% Alkohol haben.


Alkoholfreies Bier

Herkömmlich gebrautes Bier, dem anschließend der Alkohol entzogen wird. Der Alkoholgehalt muss weniger als 0,5% vol. betragen. Vollständig “alkoholfreies” Bier herzustellen, also mit Alc. 0,0% vol., ist aus technischen Gründen nicht möglich.


Diätbier

Der Kohlenhydratanteil muss weniger als 0,75% betragen. Da so viel Malzzucker wie möglich in Alkohol und Kohlendioxid gespalten werden muss, kann der Alkoholgehalt unter Umständen höher sein als bei anderen Bieren gleicher Sorte.


Weiterführende Links