Beerenburg

Beerenburg (auch “Berenburg”) ist die Bezeichnung für Spirituosen, die aus mit Früchten und Pflanzen aromatisiertem Neutralalkohol mittels Mazeration hergestellt werden und ein deutliches Aroma von Enzianwurzeln, Wacholderbeeren und Lorbeerblättern aufweisen. Es dürfen ausschließlich natürliche Aromastoffe verwendet werden. Der Zuckergehalt darf maximal 20 g/l betragen und die Farbe des Destillats muss hellbraun oder dunkelbraun sein. Der Alkoholgehalt muss mindestens 30% vol. betragen.


Hintergrund

Der Ursprung des Beerenburgs geht zurück auf den niederländischen Gewürzhändler Hendrik Beerenburg. Um das Jahr 1724 stellte dieser in Amsterdam aus den Kräutern und Gewürzen seines Lagerbestandes eine besondere Mischung aus über 50 Bestandteilen zusammen und legte sie über mehrere Wochen hinweg in Genever ein. Das Ergebnis war ein Kräuterbitter, den Beerenburg nach sich selbst benannte und als heilsames Tonikum an seine Kundschaft verkaufte. Die Verwendung von Genever als Ausgangsbasis war nur natürlich, war dieser doch selbst 170 Jahre zuvor als Heilmittel in den Niederlanden erfunden worden und dort immer noch überaus beliebt.

 

Der neue Likör Beerenburgs war gerade aufgrund seiner Zusammensetzung schnell in der ganzen Stadt bekannt und wurde zeitweise sogar von vielen Reedern gerne als Proviant für ihre Seemannschaften verwendet, um Krankheiten und Mangelerscheinungen auf langen Reisen vorzubeugen. Ein fatales Versäumnis jedoch wurde Hendrik Beerenburg schon bald zum Verhängnis: Der Schutz seines Namens. Warum auch immer er den Erwerb eines Patents unterließ, Nachahmer in ganz Amsterdam und darüber hinaus machten sich diesen Umstand zunutze, kopierten den populären Beerenburg-Bitter mit mehr oder weniger großer Sorgfalt und missbrauchten für ihre Imitation sogar den guten Namen des Urhebers.

 

Die fortan überall im Land unter den Namen “Beerenburg” oder “Berenburg” kursierenden Kräuterbitter ruinierten bald den hervorragenden Ruf des ursprünglichen Getränks. Die Nachfrage sank aufgrund der stark schwankenden Qualitäten rapide ab, ließ den Beerenburg über die Jahre nahezu in der Bedeutungslosigkeit versinken und so bleibt er bis heute ein weitgehend auf den West- und Nordfriesischen Raum beschränktes Destillat. Außerhalb der Niederlande ist der Beerenburg längst so gut wie unbekannt und spielt unter den internationalen Spirituosen praktisch keine Rolle.

 

Die unklare Rechtslage, die letztlich auch auf das Versäumnis Hendrik Beerenburgs zurückzuführen ist, hat zudem dazu geführt, dass die Bezeichnung “Beerenburg” heutzutage laut EU-Recht ziemlich weit gefasst und vage ist (siehe oben). Nicht einmal die Verwendung von Genever ist mittlerweile noch zwingend; bei den vorgeschriebenen Zutaten wurden lediglich Enzianwurzel, Wacholder und Lorbeerblätter ausgewählt. An eine Region ist der Beerenburg genauso wenig gebunden. All diese Umstände haben dazu geführt, dass der Beerenburg nicht nur nahezu in Vergessenheit geraten ist, auch unterscheiden sich die wenigen erhältlichen Marken teilweise beträchtlich voneinander. Geschmack und Qualität des Original-Produkts von Hendrik Beerenburg aus dem Jahr 1724 können demnach allenfalls erahnt werden.