Becherovka

Becherovka ist der Name einer tschechischen Kräuterlikör-Marke aus dem Kur- und Heilort Karlsbad.


Hintergrund

Die Geschichte des Becherovka ist lang und bewegt. Seine Ursprünge reichen zurück bis in das Jahr 1805, als der Reichsgraf Maximilian Friedrich von Plettenberg-Wittem-Mietingen zusammen mit einigen Bediensteten sowie seinem englischen Leibarzt Dr. Frobig den berühmten Kurort Karlsbad (heute Karlovy Vary in der Tschechischen Republik) im damals noch zu Österreich gehörenden Böhmen besuchte. Sie quartierten sich im “Haus der drei Lerchen” des deutsch-böhmischen Apothekers, Gewürz- und Kolonialwarenhändlers Josef Vitus Becher ein. Dr. Frobig und Josef Becher teilten beide dieselbe Leidenschaft: Das Versetzen von Alkohol mit verschiedenen Kräuterextrakten zur medizinischen Anwendung.

 

Während des Reichsgrafen Kuraufenthalts saßen die beiden oft bis in die Nacht hinein zusammen und diskutierten über die verschiedensten Kräuterzusammensetzungen. Als Dr. Frobig Karlsbad wieder verließ, überreichte er Josef Becher zum Abschied einen Zettel, auf dem ein Rezept mit Kräutern, Ölen und Alkohol notiert war, mit der knappen Bemerkung “Das hier hat mich ziemlich begeistert”. Nach einer langen Reihe von Experimenten perfektionierte Josef Becher, der schon seit 1794 außerdem eine Weinbrennerei betrieb, schließlich die Rezeptur und begann 1807 mit der Produktion von “Carlsbader English Bitter” (“English” zu Ehren des aus England stammenden Dr. Frobig), den er in seiner Apotheke an die Kurgäste vor allem gegen Beschwerden, die den Magen betrafen, verkaufte. Sogar Johann Wolfgang von Goethe, der insgesamt dreizehnmal Karlsbad besuchte, erwarb 1812, obwohl er sonst nie einen Tropfen Alkohol anrührte, eine Flasche des Bitters und hielt den Kauf sogar in seinem erhalten gebliebenen Tagebuch fest.

 

In späteren Jahren änderte Josef Becher den Namen seines Heilmittels in “Karlsbader Becherbitter”, um nunmehr seinen eigenen Namen ins Spiel zu bringen. 1838 übernahm sein Sohn Johann (tschech.: “Jan”) Nepomuk die Firma, entwickelte die Rezeptur weiter und errichtete eine eigene Destillerie, da die bisherigen Räumlichkeiten zusehends zu klein wurden. Unter seiner Leitung wurde die Produktion ausgeweitet und der Kräuterbitter erstmals auch außerhalb Böhmens vermarktet. Aus diesem Grund ist bis heute auf jeder Flasche der Name Jan Bechers abgedruckt. Unter Jans Söhnen wurde das Haus 1904 zudem zum Hoflieferanten des Kaisers in Wien ernannt, der monatlich etwa 500 Flaschen orderte.

 

Als nach dem Ersten Weltkrieg der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn aufgelöst und die Tschechoslowakei gegründet worden war, änderte die Familie den Markennamen erneut. Dieses Mal erwählte man in Anbetracht der bewegenden Ereignisse, der nunmehr erlangten staatlichen Souveränität und der überall im Land übersprudelnden patriotischen Gefühle den wesentlich tschechischer klingenden Namen “Becherovka”. Bis zu diesem Tag hatte der Kräuterlikör der Familie Becher, der ob seiner Berühmtheit von Manchen sogar als “13. Karlsbader Heilquelle” bezeichnet wurde, schon eine ganze Serie von Preisen nach Hause gebracht, so z. B. bei Messen und Ausstellungen in Eger (1871 und 1881), Wien (1871), Prag (1874 und 1891), Paris (1871 und 1900) und Teplitz (1879). Wichtige Exportmärkte dieser Zeit waren vor allem Deutschland, Österreich, Spanien, Italien und sogar Ägypten und die Türkei. Die USA folgten 1934, England, die Heimat des beteiligten Urhebers Dr. Frobig, gar erst vier Jahre später.

 

Aufgrund zahlreicher Nachahmer wurden die Markennamen “Becherovka” sowie das deutsche Pendant “Becherbitter” 1922 rechtlich geschützt. Nach der Besetzung und Teilung der Tschechoslowakei durch die Nazis im Jahre 1938 blieb das Familienunternehmen aufgrund seiner Deutschstämmigkeit unbehelligt. Während der nur ein Jahr später über Europa hereinbrechende Zweite Weltkrieg im Verlauf seiner fast 6jährigen Dauer dem Unternehmen vergleichsweise wenig Schaden zufügte, begann nach 1945 unter dem nun herrschenden und von den Sowjets installierten kommunistischen Regime ein chaotisches Hin und Her. Wie alle Firmen des Ostblocks wurde Becherovka verstaatlicht und die deutsche Bevölkerung aus dem Land vertrieben. Somit musste auch die Familie Becher das Land verlassen und gründete in 1949 unter Hedda Baier-Becher, die vor ihrer Vertreibung die Rezeptur an die Besatzer aushändigen musste, in Köln das Unternehmen “Johann Becher OHG Likörfabrik”. Die Familie kannte noch immer die genaue Formel des Originalrezepts und verkaufte weiterhin ihren “Karlsbader Becher” in Flaschen mit blau-gelbem Etikett.

 

Unterdessen ging auch die Produktion im tschechischen Karlsbad weiter. Für einige Zeit existierten also zwei Hersteller, die die Rechte an der Marke für sich beanspruchten und zudem beide über die ursprüngliche Rezeptur verfügten. Im Jahr 1972 wurde die kölner Firma vom Konzern Emil Underberg übernommen, welcher nach einem Vertrag mit dem verstaatlichten Unternehmen in Karlsbad die alleinigen Importrechte des Likörs für die Bundesrepublik Deutschland erhielt, im Gegenzug musste die Johann Becher OHG allerdings ihre eigene Produktion einstellen. 1994 wurde dieser Vertrag von der tschechischen Firma gekündigt, woraufhin Emil Underberg und Frau Baier-Becher die Produktion wiederaufnahmen. Ein Gerichtsverfahren entschied 1997 zugunsten der deutschen Unternehmer, doch wurde ihr Betrieb nur kurze Zeit später von Pernod-Ricard aufgekauft und an die tschechische Firma Becherovka weiterverkauft. Im Jahr 2001 gelangte Becherovka dann selbst unter die Fittiche des Spirituosen-Multis Pernod-Ricard. Zwischen 1998 und 2003 existierte sogar noch eine slowakische Version des Becherovka, da der Hersteller Zdenĕk Hoffmann die Behauptung aufgestellt hatte, Alfred Becher hätte seinem Großvater im Jahre 1939 die Rezeptur geschenkt. Ein eindeutiges Gerichtsurteil beendete dieses Zwischenspiel jedoch schon nach wenigen Jahren.

 

Die geheime Kräutermischung zur Herstellung von Becherovka, die lediglich 2 Personen bekannt ist, wird etwa eine Woche lang in neutralem Alkohol ausgelaugt. Das nun abgepresste Extrakt wird mit Wasser und Zucker vermischt, für 2 Monate in Eichenfässern gelagert, gefiltert und anschließend in die typische grüne, abgeflachte Flasche, die seit 1907 nahezu unverändert verwendet wird, gefüllt. Becherovka trinkt man bevorzugt gut gekühlt. In Tschechien besonders beliebt ist der Longdrink “Beton”, ein Mix aus Becherovka und Tonic Water. Varianten mit Cola oder anderen Limonaden sind ebenfalls beliebt.


Produkte


Becherovka Original

Seit 1807; bestehend aus einer geheimen Kräutermischung, Alkohol, Wasser und Zucker; alc. 38% vol.


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