Bénédictine

Bénédictine ist der Name einer französischen Kräuterlikör-Marke aus der Stadt Fécamp in der Normandie.


Hintergrund

Die Rezeptur der Marke geht zurück auf den venezianischen Benediktinermönch Bernardo Vincelli, der im Jahre 1505 sein angestammtes Kloster Monte Cassino in Italien verlassen hatte und mit einigen weiteren Ordensbrüdern in die Normandie nach Frankreich entsandt worden war. In Kräuterkunde und Alchemie bewandert und mit allen technischen Möglichkeiten ausgestattet, die das Leben in der Abtei bot, erfand Vincelli um das Jahr 1510 im dortigen Kloster Fécamp ein Elixier, das aus Kräutern und Gewürzen aus “allen vier Ecken der Welt” bestand, wie Zimt aus Sri Lanka, Safran aus Griechenland, Vanille aus Madagaskar, Muskat aus Indonesien, Kardamom aus Indien, Myrrhe aus Saudi Arabien, Koriander aus dem Mittelmeerraum, Moschuskörner aus der Karibik und Ysop aus Frankreich.

 

Die Beschaffung dieser exotischen, teils von weit her stammenden Zutaten dürfte wohl nur dank der weitreichenden Verbindungen der Benediktinermönche möglich gewesen sein. Dementsprechend teuer war sicherlich auch die Zusammenstellung der Rezeptur. Der Trank wurde sowohl den Mönchen, als auch der angesehenen und natürlich in erster Linie wohlhabenden Bevölkerung aus der näheren Umgebung gegen verschiedene körperliche Beschwerden verabreicht. Der Ruf des Elixiers war schließlich dergestalt, dass selbst der König von Frankreich davon erfahren hatte und es sich nicht nehmen ließ, der kleinen Abtei in der Normandie einen persönlichen Besuch abzustatten.

 

Die Mönche von Fécamp gaben die geheimnisvolle und streng gehütete Rezeptur von einer Generation an die nächste weiter und produzierten das Elixier bis ins späte 18. Jahrhundert hinein auf traditionelle und handwerkliche Weise. Der Namenszusatz “DOM” wurde dem Likör vermutlich noch von Bernardo Vincelli selbst verliehen und steht für lateinisch “Deo Optimo Maximo”, zu Deutsch “Dem Gott, dem Besten und Größten”.

 

Während der Französischen Revolution von 1789 wurde die Abtei von Fécamp von einer aufgebrachten Meute plündernder und marodierender Bauern verwüstet und fast völlig zerstört, doch schafften es die Brüder mit viel Glück und Wagemut zahlreiche ihrer unersetzlichen Bücher und Manuskripte in Sicherheit zu bringen. Zwischen allen diesen Stapeln, bestehend aus tausenden von handgeschriebenen Texten, befand sich wie durch ein Wunder auch das Rezept von Vincellis kostbarem Elixier.

 

In den Wirren der sozialen Umwälzungen, der Reformen und dem Blutdurst der Guillotine, die die folgenden Jahre mit sich bringen sollten, geriet das Wissen um den Kräutertrank in Vergessenheit. Die Rezeptur tauchte erst Jahrzehnte später im Jahr 1863 wiederum in Fécamp auf, als der Kaufmann Alexandre Le Grand sie unter einem Stapel vor einiger Zeit geerbter Papiere und Bücher aus der ehemaligen Klosterbibliothek entdeckte. Diese sog. Rezeptur bestand weniger aus einem einfachen Blatt Papier fein säuberlich aufgelisteter Zutaten inklusive Mengenangaben, sondern vielmehr aus einer nahezu 200 Seiten umfassenden, in altertümlicher Gotischer Schrift verfassten Abhandlung aus Studien über die Wirkung bestimmter Kräuter und Gewürze, sowie deren Anwendbarkeit zur Schaffung des mystischen Steins der Weisen. Als Verfasser des Werks gab sich ein gewisser Bruder Vincelli zu erkennen.

 

Le Grand nahm sich die schon zu damaliger Zeit über 350 Jahre alte Schrift mit großem Interesse zur Hand und versuchte sie mit Hilfe eines befreundeten Apothekers zu entschlüsseln. Nach etwa einem Jahr intensiver Arbeit und unzähligen Experimenten gelang es dem Kaufmann Alexander Le Grand letztlich, den Kode vollständig zu enträtseln und die Rezeptur weiter zu verfeinern. Zu Ehren der Benediktinermönche, die ihn über Jahrhunderte hinweg bewahrt hatten, nannte er den nun von ihm neu erschaffenen Kräuterlikör “Bénédictine”.

 

Le Grand machte sich nun an die industrielle Produktion des Likörs, der innerhalb weniger Jahre im ganzen Land bekannt wurde. In 1875 betrug die jährlich abgefüllte Menge bereits beachtliche 150.000 Flaschen. 1888 zog die Likörfabrik in das Herrschaftliche Palast-Museum “Palais Bénédictine” in Fécamp, das Le Grand im Stil des Elektizismus eigens zu diesem Zweck hatte erbauen lassen. Nach einem ausgebrochenen Feuer im Jahr 1892 wurde das völlig abgebrannte Gebäude in noch größerer und nicht minder prächtiger Form wiederaufgebaut. Bis heute dient dieses etwas eigenwillige aber dennoch wunderschöne palastartige Bauwerk als Produktionsstandort und Museum für den Kräuterlikör Bénédictine. Über viele Generationen hinweg eigenständig und im Besitz der Nachfahren von Alexandre Le Grand, gehört die Marke seit 1993 zum Bacardi-Konzern.

 

Das besondere Herstellungsverfahren ist genau wie die exakte Zusammensetzung der Zutaten bis heute weitestgehend geheim geblieben. Bekannt ist lediglich, dass die Kräuter und Gewürze zunächst in fünf verschiedenen Mischungen getrennt durch neutralen Alkohol ausgelaugt und vier davon anschließend destilliert  werden. Die so gewonnenen vier Destillate und das fünfte Extrakt werden nun abermals getrennt für 3 Monate in Steingutgefäßen gelagert, nach dieser Zeit miteinander gemischt und nochmals 8 Monate gelagert. Zum Schluss werden weitere Zutaten wie Wasser, Alkohol, Honig, Karamell und Safran beigemischt und Bénédictine ist fertig für die Flaschenabfüllung.


Produkte


Bénédictine DOM

Bestehend aus 27 Kräutern und Gewürzen, u. a. Kardamom, Vanille, Tee, Zimt, Safran, Myrrhe, Moschuskörner, Ysop, Muskat, Honig und Koriander; alc. 40% vol.


Bénédictine B&B

“Bénédictine & Brandy”; nach einer Kreation eines unbekannten Barmannes aus dem New Yorker Club 21 aus den 1930er Jahren; alc. 40% vol.


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