Australischer Wein

Seit der ersten Kolonisierung Australiens im späten 18. Jahrhundert durch englische Siedler wurden vor allem im Südosten des Kontinents Versuche unternommen, dort Wein zu kultivieren. Ziel war lediglich die Versorgung der Kolonisten, wozu man vornehmlich einfache, anspruchslose Rebsorten verwendete. Als erster kommerziell erfolgreicher Winzer ist Gregory Blaxland anzusehen, der um das Jahr 1820 auf seiner “Brush Farm” mit dem Weinbau begann. Als erster Australier exportierte er in 1822 eine Schiffsladung Wein und Branntwein nach England, weshalb er später mit einer Auszeichnung geehrt wurde.

 

Die australischen Weine blieben auch weiterhin generell schlicht und erwiesen sich als für den Export zunehmend ungeeignet. Trotz des Umstandes, dass die Rebbestände von der europäischen Reblaus- und Mehltauplage unberührt geblieben waren, so konnten sie doch das Qualitätsbedürfnis der Europäer nicht befriedigen. Auch die Einheimischen zogen zu Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend Weine aus Frankreich, Italien und Spanien vor und die heimische Produktion geriet weiter ins Hintertreffen. Dies war letztlich der nötige Anstoß, der das allgemeine Umdenken einleitete und die Winzer dazu veranlasste, hochwertige Weine nach Vorbild der Alten Welt zu produzieren. Neue Rebsorten und Weinbautechniken wurden aus Europa importiert, zudem wurden hohe Summen in Bewässerungsanlagen investiert, die in dem trockenen, niederschlagsarmen Klima Australiens unabdingbar sind.

 

Seit den 1960er Jahren erreichen die australischen Weine bereits eine ausreichend hohe Qualität, um auf den Weltmarkt zu drängen und den klassischen Produkten aus Frankreich, Italien usw. ernsthafte Konkurrenz zu machen.

           

Heute werden in Australien längst Weine hergestellt, die mit nur sehr geringem Abstand an die Spitzenprodukte Europas heranreichen. Derzeit werden auf ca. 170.000 ha Rebfläche 8 Mio. Hektoliter Wein jährlich produziert, wovon rund die Hälfte in den Export gelangt.


Die Region

In allen Staaten Australiens, mit Ausnahme des Northern Territory, wird Weinbau betrieben, doch ist aufgrund des in Australien weitgehend vorherrschenden trocken-heißen Wüstenklimas Weinbau in größerem Umfang nur in den gemäßigteren Zonen im äußersten Süden und Südosten möglich. Dort herrscht eine durchschnittliche Sommertemperatur von 19 bis 21°C, allerdings mit nur geringem Niederschlag. Deshalb sind überall umfangreiche  Bewässerungssysteme unentbehrlich, die die ohnehin schon knappen Wasserreserven zusätzlich erschöpfen.

 

Die wichtigsten weinerzeugenden Staaten sind: South Australia (1)  mit den Regionen Clare Valley, Riverland, Barossa Valley, Eden Valley, Adelaide Hills, McLaren Vale, Langhorne Creek, Coonawarra, Padthaway, Mount Beson, Wratonbully und Limestone Coast; Victoria (2) mit Goulburn Valley, Grampians, Mornington Peninsula, Pyrenees, Rutherglen und Yarra Valley; New South Wales (3) mit Hunter Valley, Mudgee und Riverina;  Western Australia (4) mit Margaret River und Swan Valley;  Tasmanien (5).



Die Regionen Australiens, in denen Wein angebaut wird
Die Regionen Australiens, in denen Wein angebaut wird

Die Weine

Da Australien über keinerlei einheimische Rebsorten verfügt, wurden sie in der Vergangenheit von Einwanderern und Winzern aus Europa, hauptsächlich aus Frankreich, importiert.

 

Die am häufigsten verwendeten Sorten sind: Weiß: Chardonnay, Sémillon, Riesling, Chenin Blanc, Colombard, Sauvignon Blanc, Traminer, Verdelho und Muskateller; Rot: Cabernet Sauvignon, Merlot, Shiraz, Pinot Noir, Cabernet Franc und Malbec.

 

Australische Weine sind häufig Verschnittweine, wobei gesetzlich vorgeschrieben ist, dass mindestens 85% des Weins aus ein und derselben Region (siehe Etikett) stammen muss. Die gesetzlichen Auflagen gestalten sich indes recht offen, regeln jedoch, was in jedem Fall auf dem Flaschenetikett stehen muss. Dazu gehören der Jahrgang, die verwendeten Rebsorten und die Herkunftsbezeichnung. Die Herkunftsbezeichnungen können von Produce of Australia (dieser Wein kann ein Verschnitt aus praktisch allen Regionen des Landes sein) bis hin zur exakten Bezeichnung eines winzig kleinen Weingebiets reichen. Zusatzbezeichnungen wie Superior oder Outstanding stehen für Weine aus Bestlagen.