Asti Spumante

Asti Spumante ist die geschützte Bezeichnung für italienische Schaumweine, die aus einem bestimmten Weinbaugebiet südlich der Stadt Asti in der Region Piemont stammen müssen. Es darf ausschließlich die Muskatellerrebe (Moscato) verwendet werden. Der Restzuckergehalt beträgt zwischen 50 und 100 g/l, der Alkoholgehalt meist zwischen 7 und 10% vol.  Siehe auch Prosecco, Schaumwein, Sekt.


Hintergrund

Der erste Asti Spumante wurde im Jahre 1865 von Carlo Gancia hergestellt, nachdem dieser die vorangehenden Jahre im französischen Reims verbracht und dort die Champagner-Herstellung kennengelernt hatte. Wieder zurück in seiner Heimat Asti nutzte Gancia die dort seit Jahrhunderten weit verbreitete Muskatellerrebe, um daraus einen Schaumwein nach französischem Vorbild zu schaffen. Allzu exakt hielt er sich allerdings nicht an die Regeln der Méthode Champenoise, denn er wandelte den Prozess ab und vereinfachte ihn beträchtlich.

 

Das süße und leicht prickelnde Getränk wurde schnell auch von anderen Winzern des Piemonts imitiert und als “Champagner-Ersatz” auch ins Ausland exportiert. Der Asti Spumante gewann für die Region schließlich eine solche Wichtigkeit, dass 1932 die italienische Genossenschaft zum Schutz des Asti gegründet wurde. Ihre wesentlichen Aufgaben bestanden darin, jeglichen als Asti deklarierten Schaumwein auf seine Herkunft, Machart und Qualität hin zu überprüfen, um so ein Mindestmaß an Qualität zu gewährleisten. Zudem wurde die zulässige Region genau definiert und unter gesetzlichen Schutz gestellt. Diese Maßnahme sollte einerseits den Asti Spumante als etwas Besonderes und weltweit einzigartiges hervorheben, andererseits die dortigen Winzer schützen und fördern.

 

Der Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschlands hemmte jedoch die frühe Entwicklung des Asti-Marktes. Der langandauernde Krieg und die damit verbundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten verhinderten die weitere Ausdehnung des Exportes und der Schaumwein erlangte vorerst keine größere Bedeutung. Nach 1945 betrug der jährliche Gesamtausstoß gerade einmal rund 2 Mio. Flaschen, konnte bis in die 70er Jahre jedoch auf imposante 40 Mio. erhöht werden. Diese beachtliche Steigerung ging mit der damaligen allgemeinen Beliebtheit italienischer Schaumweine gerade in Mitteleuropa einher. Neben dem Prosecco entwickelten sich auch die Weine aus Asti zu regelrechten In-Getränken. Während jedoch der Prosecco besonders aufgrund überteuerter Preise zunehmend unter einem zweifelhaften Ruf litt, glänzten die Schaumweine aus dem Asti auch weiterhin mit niedrigen Kosten bei gleichbleibender Qualität. Bis zur Jahrtausendwende konnte seine Bedeutung weiter ausgebaut werden, er erreichte aber dennoch zu keiner Zeit dieselbe Größenordnung wie vergleichbare internationale Produkte wie beispielsweise Champagner, Sekt oder Cava.

 

Der Asti Spumante ist ein leichter, süßer Schaumwein mit einem relativ niedrigen Alkoholgehalt. Man trinkt ihn fast immer pur mit sehr kühlen 5 bis 8° C. Heute liegt die pro Jahr abgefüllte Menge bei ca. 80 Mio. Flaschen. Damit liegt er in seiner Bedeutung zwar noch immer weit hinter Champagner, Sekt und Co. zurück, er sollte jedoch als gänzlich eigenständiger Schaumwein betrachtet und geschätzt werden.


Herstellung

Der Höchstertrag für die ausschließlich zugelassene Rebsorte Muskateller ist für die Herstellung von Asti Spumante auf 10.000 kg/ha begrenzt. Der aus den Trauben gepresste Most wird direkt nach dem Pressvorgang gefiltert, mit anderen Mosten zur Gewährleistung eines konstanten Geschmacksbildes verschnitten und zur Gärung in Drucktanks gefüllt. Der Gärprozess wird bei niedrigen Temperaturen um die 18° C auf 1 bis 2 Monate ausgedehnt, damit sich das typische Muskat-Aroma optimal entfalten kann. Sobald der Kohlensäuredruck im Tank etwa 5 Bar erreicht hat, wird die Gärung durch rasches Abkühlen auf 0° C unterbrochen. Nach einer kurzen Ruhephase, während der der Schaumwein erneut gefiltert wird, kann er im Gegendruck-Verfahren in Flaschen abgefüllt werden. Im Gegensatz zu Sekt oder Champagner wird Asti Spumante also nur einmal vergoren. Somit wird Asti nicht erst zu Wein, sondern direkt zu Schaumwein. Durch den  kontrollierten Gärprozess und den von Natur aus hohen Zuckergehalt der Muskatellertraube bleibt ein Großteil der Süße des Mosts erhalten.


Die Region

Asti Spumante darf ausschließlich aus den piemonter Provinzen Asti, Cuneo und Alessandria stammen, dementsprechend dominiert hier in besonderem Maße die Muskatellerrebe. Im Nordwesten Italiens gelegen, unweit der Grenze zu Frankreich und der Schweiz, ist die Region eine der reichsten Gegenden des Landes. Der Weinbau ist für die ganze Provinz von größter Bedeutung, wobei allein der Asti Spumante und sein Bruder, der Stillwein Moscato d'Asti, rund 1/3 der gesamten regionalen Weinproduktion ausmachen.



Die piemonter Provinzen Asti, Cuneo und Alessandria stellen die einzig zulässigen Ursprungsregionen  für Asti-Spumante dar
Die piemonter Provinzen Asti, Cuneo und Alessandria stellen die einzig zulässigen Ursprungsregionen für Asti-Spumante dar