Armagnac

Armagnac ist die geschützte Bezeichnung für französischen Branntwein, der aus dem Herzen der Gascogne, der Region Armagnac, stammen muss. Gemäß der Definition von Branntwein wird Armagnac durch die ein- oder mehrfache Destillation von Wein bis zu einem Alkoholgehalt von max. 86% vol. hergestellt. Der Zusatz von Alkohol oder Aromastoffen gleich welcher Art ist nicht zulässig. Zur Anpassung der Farbe darf lediglich Zuckerkulör (Karamell) beigemischt werden. Der Alkoholgehalt muss mindestens 40% vol. betragen. Siehe auch Branntwein, Cognac und Weinbrand.


Hintergrund

Der Name Armagnac bezeichnete ursprünglich nur eine Grafschaft im Südwesten Frankreichs, die im 9. Jahrhundert n. Chr. gegründet und schon zur Römerzeit für den Weinbau genutzt worden war. Die erstmalige Erwähnung des nach der Region benannten Branntweins ist bereits für das Jahr 1411 urkundlich belegt, doch wird darin nicht näher darauf eingegangen, wie der Armagnac hergestellt worden ist. Rund 50 Jahre später wurde im Departement Landes die erste Brennerei zur Herstellung von Armagnac per Dekret genehmigt. Damals galt die Spirituose noch als schmerzlindernde und desinfizierende Medizin und über den Grad ihrer Qualität kann nur spekuliert werden. Dennoch wurde schon damals nicht nur der Grundstein für den heutigen Armagnac gelegt, sondern darüber hinaus auch der Weg für viele spätere französische Spirituosen geebnet.

 

Zu dieser Zeit nämlich wurde der berühmte, ebenfalls für Cognac und einige Rum-Sorten der französischen Antillen angewandte Alambic-Destillierkolben entwickelt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gelangte der Vorläufer dieses Typs aus dem nahegelegenen, in weiten Teilen von den in technischer Hinsicht überlegenen Mauren besetzten Spanien in die Gascogne, wo er verbessert und weiterentwickelt wurde. Die somit älteste Spirituose Frankreichs blieb dennoch erst einmal eine regionale Erscheinung und wurde außerhalb der heutigen Departements Gers und Landes wohl kaum beachtet.

 

Die Bewohner dieses rauen und zerklüfteten Berglandes, die Armagnaken, waren jedoch als wilde Kämpfer gefürchtet und wurden mit Vorliebe von ausländischen Mächten als Söldner angeworben. So dienten viele von ihnen schon im Hundertjährigen Krieg (1337 bis 1453), führten den Kampf mit unglaublicher Brutalität und verbreiteten unter ihren Feinden Angst und Schrecken. Nach dem Ende des Konflikts zogen viele Armagnaken weiterhin marodierend durch das ohnehin schon geschundene Land und mussten nicht selten mit Gewalt wieder vertrieben werden. Nach der Unabhängigkeitserklärung der niederländischen Provinzen, die sich ab 1572 von der Spanischen Krone losgesagt hatten, bot sich den kämpferischen Gascognern dort ein neues, langandauerndes Betätigungsfeld. Ganze Scharen wurden von den Niederländern angeheuert, um den Kampf gegen bare Münze zu unterstützen. Im Gepäck hatten viele von ihnen ein Fässchen Armagnac, der auf diese Weise erstmals die Grenzen Frankreichs überschritt.

 

Bis zur endgültig errungenen Unabhängigkeit der Vereinigten Niederlande im Jahre 1648 hatten ihre zwischenzeitlich eng geknüpften Handelsbeziehungen mit den Armagnaken für eine weitere Verbreitung des Branntweins gesorgt. Die danach gewaltig ausgebaute Handelsflotte und das wachsende Kolonialreich der Niederländer taten ein Übriges und der Armagnac erreichte nun auch die Höfe und Adelshäuser Europas, sowie diejenigen, die sich den teuren Import leisten konnten. Bis dato stellte der Armagnac trotz alledem ein zweitrangiges Produkt der Gascogne dar, viel wichtiger für den Lebensunterhalt der dort lebenden Menschen war immer noch der Wein. Erst ein durchgesetztes Weinumschlagsverbot für gascogner Weine in der wichtigen Küstenstadt Bordeaux, die ebenfalls stark vom Weinhandel abhängig war und sich durch den Erlass lästige Konkurrenten vom Hals schaffen wollte, brachte den Wandel.

 

Für die Winzer der Gascogne gab es nun gar keine andere Möglichkeit mehr als ihren überschüssigen, kaum mehr zu veräußernden Wein zu destillieren und ihn somit nahezu endlos lagerfähig zu machen. Auf diese Weise entwickelte sich sozusagen gezwungenermaßen ein reger Handel mit Armagnac-Branntweinen. Das florierende Geschäft machte die Winzer und Brenner der Gascogne bis zur Zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reich, selbst die Konkurrenz aus der Charente schien zu dieser Zeit noch kein ernsthaftes Problem darzustellen. Dies änderte sich jedoch mit der sich in nahezu ganz Europa ausbreitenden Reblauskrise. Natürlich waren auch die Winzer der Regionen Cognac und Armagnac von dem Schädlingsbefall betroffen, den eigentlichen Todesstoß versetzten sich aber die Gascogner selbst.

 

Durch die Vernichtung der Rebbestände setzte naturgemäß eine starke, europaweite Verknappung von Weinen und Weinbränden ein. Nachdem sich die Weinberge bis zur Jahrhundertwende wieder einigermaßen erholt hatten, versuchten viele die enorme Nachfrage möglichst gewinnbringend zu nutzen und die Produktionsmenge so schnell wie möglich beträchtlich zu steigern. Selbst bis nach dem Zweiten Weltkrieg erfreute sich der Armagnac großer Beliebtheit und die Nachfrage war immer noch so gewaltig, dass viele Hersteller zur massenhaften Produktion minderwertiger Branntweine übergehen mussten, um mit dem Verkauf überhaupt noch halbwegs schritthalten zu können. Dieses Gepansche und die rasch sinkende Qualität der Brände führten jedoch zu einem beträchtlichen Prestigeverlust des Armagnacs. Schon bald war er als billiger Fusel verschrien und sank in der Gunst der Konsumenten gewaltig. Enttäuscht wandten sich die meisten Kenner der französischen Weinbrand-Kultur vom Armagnac ab und verlegten sich nun stattdessen auf seinen jüngeren Bruder, den Cognac. Dieser hatte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer deutlicher die Tendenz gezeigt, seinen Verwandten aus der Gascogne zu überflügeln. Bis in die 1970er, 1980er Jahre hinein drängte er ihn schließlich völlig ins Abseits.

 

Bis heute hat sich an diesem Missverhältnis nur sehr wenig geändert, trotz der größtenteils wieder hervorragenden Armagnac-Qualitäten. Der Niedergang hatte glücklicherweise ein erneutes Umdenken eingeleitet und die Güte der heutigen Armagnacs steht derjenigen ihrer so ruhmreichen Ahnen in nichts nach. Dennoch wirken die negativen Auswüchse der Vergangenheit nahezu unvermindert nach und so führt der Armagnac auch weiterhin ein zurückgezogenes Schattendasein und verfügt nur über eine kleine Anhängerschar von Liebhabern. Nur langsam tritt er wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, die ein Stück europäischer Trink-Kultur fast völlig vergessen zu haben scheint.


Die Region

Seit dem Jahr 1909 ist gesetzlich festgelegt, welche Gebiete zur Region Armagnac gehören. Diese sind Teile der Departements Gers, Landes und Lot-et-Garonne mit insgesamt rund 15.000 ha Rebfläche. Der Einfachheit halber unterscheidet man drei Bezirke: Im Westen Bas(Nieder)-Armagnac (55% Anteil an der Gesamtproduktion), von den Sandböden dieser Region stammen die feinsten Armagnacs, die besten ihrer Lagen werden auch als “Grand-Bas” bezeichnet; im Osten Haut(Ober)-Armagnac (3% Anteil an der Gesamtproduktion), auf deren Kreideböden die Trauben für die schwächsten  Brände wachsen  und die  heute kaum noch von Bedeutung ist; die Landschaft Ténarèze (42% Anteil an der Gesamtproduktion), deren Tonerde leichten und schneller alternden Branntwein hervorbringt. Die Etiketten-Bezeichnung “Bas-Armagnac Contrôlée” beispielsweise steht für eine ausschließliche Verwendung von Weinen aus dem genannten Gebiet, “Appellation Armagnac Contrôlée” hingegen weist auf einen Verschnitt aus möglicherweise allen drei Gebieten hin.




Herstellung

Die folgenden weißen Rebsorten wurden 1936 für die Herstellung von Armagnac per staatlicher Verordnung zugelassen: Folle Blanche (Picpoule), Folle Jaune, Meslier, St. François, Colombard, Blanquette, Mauzac, Plant de Grèce, Saint-Émilion (Ugni Blanc), Jurançon und Baco 22 A. Die Weinlese erfolgt meist Mitte bis Ende Oktober.

 

Nach der Gärung und einer gewissen Reifezeit wird der Wein destilliert, was allerdings bis zum 30. April des folgenden Jahres abgeschlossen sein muss. Der Unterschied zum Cognac ist, dass Armagnac nur einmal nach dem kontinuierlichen Brennverfahren destilliert wird, d. h., der Wein wird dem Brennkessel ständig (kontinuierlich) zugeführt. Es war bis in die jüngere Vergangenheit hinein erlaubt, dem Brennwein zur Geschmacksgebung Haselnüsse, Kräuter, Pflaumen o. ä. beizugeben, dies ist jedoch nach den neueren EU-Verordnungen verboten, da jedwede Aromatisierung untersagt ist.

 

Nach dem Brennvorgang wird das Destillat zur Reife in kleinen (225 - 420 l) Holzfässern aus der gascogner Schwarzen Eiche  für mindestens 2 Jahre eingelagert, jedoch niemals länger als 40 Jahre, denn nach dieser Zeit beginnt der Armagnac an Qualität zu verlieren. Für jede Ernte werden zunächst neue Fässer verwendet, nach ein paar Jahren füllt man den Armagnac dann in ältere Fässer um, da ansonsten ein zu starker Holzgeschmack entstehen würde.

 

Am Ende der Brennkampagne, also am 1. Mai, erhält das Fass das Konto 0, ein Jahr später das Konto 1 usw. Der Staat überwacht diese Reifezeit 5 Jahre lang (Konto 5). Darüber hinausgehende Altersangaben sind Vertrauenssache. In der Regel werden verschiedene Jahrgänge und Destillate gemischt, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, wobei für die Bezeichnung immer das jüngste Destillat ausschlaggebend ist. Wichtig ist auch, dass Armagnac in der Flasche nicht weiter altert. Die gemeinhin üblichen Altersstufen sind folgende:


***bis*****

 

 

V.S. (Very Special), Sélection, De Luxe

 

Superieur, Premièr Choix, Grande Sélection

 

Réserve, V.O. (Very Old), V.S.O.P. (Very Superior Old Pale), Grande Fine

 

Extra, Napoléon, Vieille Réserve, Hors d'Age. X.O. (Extremely Old)

Lagerzeit von mindestens 1 bis 3 Jahren

 

Lagerzeit von mind. 3 Jahren

 

 

Lagerzeit von mind. 4 Jahren

 

 

Lagerzeit von mind. 5 Jahren

 

 

 

Lagerzeit von mind. 6 Jahren



Im Gegensatz zum Cognac sind Jahrgangsabfüllungen erlaubt. Diese werden dann mit der Bezeichnung “Millésime” und dem Jahr der Ernte bzw. der Destillation versehen.