Alkohol

Alkohol gibt es in verschiedenen chemischen Formen, von denen die meisten für den Menschen ungenießbar und sogar schädlich sind. Viele finden in alltäglichen Dingen Anwendung, z. B. als Reinigungsmittel, für Parfüms oder als Brandbeschleuniger. An dieser Stelle von Bedeutung ist lediglich Trinkalkohol, genauer gesagt Ethylalkohol oder Ethanol. Ethylalkohol ist eine farblose, leicht entzündliche und stechend riechende Flüssigkeit, die bei der Vergärung zuckerhaltiger Pflanzen oder deren Teilen entsteht. Ethylalkohol ist leichter als Wasser (1l = 794g, 1l Wasser = 1000g), sein Siedepunkt bei Normaldruck liegt bei 78,35°C (Wasser 100°C) und verflüchtigt sich jährlich um ca. 2%. Ein Nebenprodukt der Destillation ist Methylalkohol. Dieser ist geruchs- und geschmacksneutral und hochgiftig (Erblindung, Tod), wird jedoch beim Brennvorgang ausgeschieden.



Hintergrund

Alkohol ist ein Naturprodukt und entsteht auch vom Menschen unbeeinflusst auf vollkommen natürliche Weise bspw. in überreifen Früchten. Dabei dringen in der Luft vorkommende Bakterien durch die beschädigte Schale in das Fruchtinnere und zersetzen den Fruchtzucker in Alkohol und Kohlenstoffdioxid.

 

Es ist anzunehmen, dass der Mensch schon in der Frühzeit seiner Entwicklungsgeschichte mit solcherart überreifen Früchten in Berührung gekommen ist. Auch in der Tierwelt wird immer wieder die Beobachtung gemacht, dass einige Arten vom Duft der gärenden Früchte über viele Kilometer hinweg angelockt werden und diese genüsslich verzehren. Bei der bewusst gesteuerten Vergärung pflanzlicher Bestandteile werden spezielle Hefepilzkulturen eingesetzt, die den Vorgang der Umwandlung von Zucker in Alkohol übernehmen. Heute gilt es als erwiesen, dass Bier, Wein und Met die ersten alkoholischen Kulturgetränke der Menschheit sind, die, zunächst durch einen Zufall entdeckt, bereits seit tausenden von Jahren gezielt hergestellt werden.

 

Die ersten belegbaren Ursprünge hiervon gehen zurück bis in die alten Reiche von Ägypten und Mesopotamien, liegen also teilweise mehr als 6000 Jahre zurück. Wann genau Früchte oder andere Pflanzen zum ersten Mal gezielt vergoren worden sind, lässt sich nicht exakt bestimmen, doch war dies möglicherweise schon lange Zeit vor den Ägyptern der Fall. Steinzeitliche Schamanen mögen vielleicht über das Wissen geheimer Tränke verfügt haben, mit denen sie Krankheiten heilten oder sich in einen Rauschzustand versetzten, um mit den Geistern Verstorbener oder den Göttern selbst Zwiesprache zu halten. Doch das bleibt Spekulation. Seit es jedoch schriftliche Aufzeichnungen gibt, und zwar vollkommen gleich in welchem Winkel der Erde, berichten die Schreiber von berauschenden Getränken.

 

Überall auf der Erde haben die Menschen seit je her Wege gefunden, Alkohol zu erzeugen und seine Wirkweise für sich zu nutzen. Dabei besaßen nicht alle alkoholischen Getränke immer denselben Stellenwert, oft waren bestimmte Tränke ausschließlich der Oberschicht vorbehalten, während andere als die Genussmittel der einfachen Leute galten. Fast überall jedoch sah man die klassischen Alkoholika als Geschenk der Götter an, denen meist auch eine eigene Gottheit gewidmet war. Die römischen bzw. griechischen Weingötter Bacchus und Dionysos sind hierunter nur die bekanntesten Beispiele.

 

Erwiesen ist außerdem, dass schon um 3500 v. Chr. in Mesopotamien die Technik der Destillation angewendet wurde, um Schminke herzustellen. Daher auch unser Wort “Alkohol”, welches vom arabischen “Al-kuhl” abstammt und ursprünglich so viel wie “Augenschminke” bedeutete. Ebenfalls zu dieser Zeit war in Indien bereits der Arrak bekannt, die vielleicht älteste destillierte Spirituose überhaupt. Dennoch dauerte es noch mit zum Jahr 356 n. Chr., bis in Wales zum ersten Mal im christlichen Europa mit der Destillation von Alkohol experimentiert wurde, sich merkwürdigerweise zunächst jedoch nicht weiter durchsetzen konnte. In Indien sowie im Mittleren und Nahen Osten verfügte man längst über dieses Wissen, doch stellten die verschiedenen Glaubensrichtungen der Menschen für Jahrhunderte eine in fast allen Lebenslagen schier unüberwindliche Barriere dar.

 

Über die britischen Inseln und über das von den Arabern im 8. Jahrhundert besetzte Spanien gelangte das Wissen um den destillierten Alkohol schließlich erneut in das mittelalterliche Europa. Dies geschah freilich weniger auf friedlichem Wege, als vielmehr durch Kriegs- und Kreuzzüge, auf denen so mancher irdener Brennapparat von den Christen erbeutet und nach Hause geschafft wurde. Mit der technischen Entwicklung wurde die Alkoholproduktion über die Jahrhunderte immer effizienter und bis zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) war Hochprozentiges bereits ein leicht zu beschaffendes Rauschmittel für Jedermann. Das 17. Jahrhundert kannte bereits vielerlei verschiedenster Alkoholika, allen voran allerdings wohl immer noch Wein und Bier. Gerade zu Krisenzeiten, da Hunger, Not und Elend verstärkt die Menschen heimsuchte, machte sich zunehmend eine neue Form des Alkoholkonsums bemerkbar: Der Missbrauch.

 

Einerseits führte die technologische Entwicklung zu immer billigerem Alkohol, der zudem in immer größeren Mengen verfügbar wurde. Auf der anderen Seite führte gerade der Umbruch von einer landwirtschaftlichen zu einer Industriegesellschaft zu einer wachsenden Verelendung der Massen, die nun selbst mit ihrem spärlichen Lohn ihre Not tagtäglich in Alkohol ertränken konnten. Spätestens seitdem er in größeren Mengen verfügbar war, mussten die Menschen also lernen, welch mächtiges zweischneidiges Schwert der Alkohol doch sein konnte. Behutsam  und verantwortungsvoll angewendet kann er stimulierend und der Gesundheit zuträglich wirken. Unkontrolliert und zügellos eingenommen jedoch besitzt er die Fähigkeit selbige zu ruinieren und ganze Existenzen zu zerstören. Minderwertige, schwarzgebrannte Spirituosen führten in der Vergangenheit mehrmals aufgrund ihres hohen Methylalkohol-Gehalts zur massenhaften Verelendung vor allem ärmerer Bevölkerungsschichten, was nicht selten Alkoholverbote  oder strengere Überwachung durch staatliche Kommissionen nach sich zog. Nicht selten kam es somit in der Geschichte immer wieder zu Alkoholverboten, am bekanntesten hiervon ist wahrscheinlich die amerikanische Prohibition zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Heute werden weltweit nur noch in sehr wenigen Ländern Alkohol-Prohibitionen aufrechterhalten, zu sehr ist der berauschende Stoff bereits ein Teil der allgemeinen menschlichen Kultur geworden. Natürlich stellt die Alkoholsteuer auch eine wichtige Einnahmequelle des Staates dar. Trinkalkohol ist mit Abstand die weltweit am häufigsten konsumierte Droge, deren Herstellung und Verkauf allenfalls noch dadurch eingeschränkt wird, dass dies mancherorts das Monopol des Staates ist. Doch auch überall dort, wo Alkohol relativ frei verfügbar ist, unterliegt er meist strengen gesetzlichen Auflagen. Diese sind auch notwendig, um hohe Qualitätsstandards zu gewährleisten und die Bevölkerung vor den schwerwiegendsten gesundheitsschädigenden Auswirkungen zu schützen. Zudem sorgen sie für Klarheit und Transparenz und teilen die verschiedensten, schier unüberschaubar vielfältigen alkoholischen Getränke in Kategorien und Unterkategorien ein. Trotz aller Auflagen sollte man allerdings nicht vergessen, dass stets die Dosis das Gift macht. Wer bereits aufgehört hat, Alkohol ausschließlich als Genussmittel anzusehen und ihn stattdessen regelmäßig in großen Mengen ohne jede Kontrolle konsumiert, der betreibt Missbrauch und gefährdet massiv die eigene Gesundheit.


Herstellung

Alkohol entsteht immer, auf natürliche wie künstliche Weise, durch einen “Gärung” genannten Prozess. Hierzu benötigt man zucker- bzw. stärkehaltige Pflanzen wie Früchte oder Getreide. Allerdings muss bei letzterem die Stärke erst durch Mälzen in gärfähigen Zucker umgewandelt werden. Dies geschieht zunächst durch Einweichen des Getreides. Durch die Zugabe von Wasser werden die Getreidekörner zum Keimen gebracht und ein Teil der im Korn enthaltenen Stärke wandelt sich in Zucker. Anschließend wird das Getreide getrocknet, zerkleinert und gekocht, um den Zucker aus dem Korn herauszulösen. Der nun vorhandene gärfähige Zucker wird durch Zugabe besonderer Hefepilzkulturen von diesen Mikroorganismen “aufgefressen”. Gewissermaßen als Abfallprodukte der Zuckerverwertung scheidet die Hefe Alkohol und Kohlendioxid aus. Sobald ein Alkoholgehalt von maximal 15% vol. erreicht ist, stoppt die Hefe den Gärprozess, um sich nicht selbst zu vergiften, und setzt sich entweder an der Oberfläche oder am Boden der Maische ab. Um höhere Alkoholkonzentrationen zu erreichen muss die vergorene Flüssigkeit nun destilliert werden.

 

Von besonderer Bedeutung bei der Herstellung vieler Spirituosen ist sogenannter neutraler Alkohol /Neutralalkohol oder auch Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs. Dieser wird meist aus verschiedenen Getreidearten gewonnen, wobei das genaue Ausgangsprodukt von untergeordneter Bedeutung ist, da das EU-Recht vorschreibt, dass der Alkohol zu mindestens 96% vol. destilliert wird. Bei solch hohem Alkoholgehalt verschwindet jeglicher Eigengeschmack, den das Ausgangsprodukt möglicherweise zuvor aufgewiesen hat. Dieser Neutralalkohol wird für Trinkzwecke praktisch niemals in reiner Form verwendet, sondern stets mit weiteren Aromen, Auszügen und Farbstoffen versetzt und mit Wasser auf ein erträgliches Alkoholniveau reduziert.


Wirkung auf den Körper

Alkohol ist ein Körpergift, heftet sich bei der Einnahme an die Rezeptoren im Gehirn und hemmt diese dadurch. Durch diese Blockade entsteht der sogenannte Rauschzustand, aber auch Betäubung, Stimulation oder Stimmungswandel können die Folge sein. Viele der alkoholbedingten Erscheinungen sind somit also gewissermaßen auf Lähmungen zurückzuführen, da das Gehirn nicht mehr ordnungsgemäß reagieren und funktionieren kann. Das wärmende Gefühl, das durch die Einnahme hochprozentiger Spirituosen verursacht wird, ist eine Täuschung,  da sich die Blutgefäße weiten und das Blut zwar schneller fließen kann, dadurch aber der Körperkern auskühlt. Vermeintlicher Kräftezuwachs, also eine stärkende Wirkung des Alkohols, ist ganz einfach damit zu erklären, dass ein Betrunkener seine Kräfte ohne Rücksicht auf den eigenen Körper einsetzt, während der nüchterne Mensch darauf bedacht ist, Verletzungen zu vermeiden und mit den eigenen Energiereserven zu haushalten.

 

Blutdruckerhöhende Stoffe wie Koffein, Zucker, Kohlenstoffdioxid (Kohlensäure) oder auch Wärme beschleunigen die Alkoholaufnahme, was zu einem schnelleren Rausch führt. Die berühmte Tasse Kaffee am Ende einer langen Kneipentour hat also eine andere Wirkung als man sich einbilden mag und verstärkt den Rausch sogar noch für kurze Zeit. Fett hingegen verzögert die Aufnahme.

 

Die Leber baut in einer Stunde pro 10kg Körpergewicht ca. 1g Alkohol ab, lediglich 5% des Alkohols werden über Urin, Atem und Schweiß ausgeschieden. Ein Zwischenprodukt beim Alkoholabbau ist das Ethanal, welches verantwortlich ist für Katersymptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel. Zucker hemmt den Abbau von Ethanal  zusätzlich, was dazu führt, dass süße Alkoholika wie Liköre oder Schaumweine oftmals einen intensiveren Kater nach sich ziehen.

 

Die regelmäßige Einnahme von zu viel Alkohol kann zur physischen und psychischen Abhängigkeit führen, da sich einerseits der Körper an das Gift gewöhnt (und immer mehr davon benötigt) und andererseits das Belohnungszentrum im Gehirn den Rauschzustand herbeisehnt. Dabei werden alle Zellen, insbesondere das Nervensystem, die Leber und der Magen schwer geschädigt. Neben den verschiedensten körperlichen Schäden kann zudem Soziale Vereinsamung die Folge sein, denn für den Trinker stehen die Beschaffung und der Konsum des Suchtstoffes nicht selten an erster Stelle.

 

Positive Wirkungen sind vor allem die in vielen Pflanzen und Kräutern enthaltenen  Begleitstoffe, wie beispielsweise Hopfen, die durch Alkohol gelöst und damit für den Körper verfügbar gemacht werden. Eine gesundheitsfördernde Wirkung des Ethanols an sich ist unter Wissenschaftlern bis heute umstritten und nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Dennoch weiß man, dass auch der Körper selbst Alkohol in kleinsten Mengen produziert und für verschiedene Funktionen benötigt.

 

Trinkalkohol ist ähnlich wie Fett ein Geschmacksträger, d. h., die in alkoholischen Getränken enthaltenen Aromen werden durch den Alkohol gebunden und den Geschmacksnerven leichter zugänglich gemacht. Dadurch lassen sich aus Wein und einer Vielzahl hochwertiger Spirituosen die unterschiedlichsten Aromen (z. B. Nüsse, verschiedene Früchte und Beerenarten, Salz, Torf usw.) zum Teil recht deutlich herausschmecken.