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PWYW oder: Du bestimmst den Preis

Ob Cent- oder Eurobeträge, oder eben auch nichts - der Leser entscheidet
Ob Cent- oder Eurobeträge, oder eben auch nichts - der Leser entscheidet

PWYW oder: Du bestimmst den Preis

Die Idee ist nicht neu. Cafés haben sie ausprobiert, Restaurants, Rockbands und sogar Zoos - mit unterschiedlichem Erfolg. Sie basiert auf Wertschätzung und dem Vertrauen darauf, dass die meisten Menschen im Grunde ehrlich und dazu in der Lage sind, den Wert einer Sache fair zu bewerten. Das Prinzip: Jeder kann die Leistung - egal ob es sich dabei nun um einen Zoobesuch, ein Buffet oder das neueste Musikalbum handelt - ohne Vorbedingung in Anspruch nehmen und hinterher frei entscheiden, ob und wie viel er für eben jene Sache bezahlen möchte. Das klingt gerade für Kunden überaus verlockend, birgt für den Anbieter jedoch die Gefahr, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

 

 

So konnten Gastronomiebetriebe, die sich auf das fragliche Experiment eingelassen haben, dadurch gerade einmal ihre Unkosten decken, von einem Gewinn konnte zunächst keine Rede sein. Dennoch war ein Anstieg des Umsatzes zu beobachten, da zunehmend mehr Gäste von dem ungewöhnlichen Angebot angelockt wurden. Im Falle des Zoos Münster hingegen sind durch diese Aktion die Einnahmen um mehr als das Doppelte gestiegen, allerdings nicht aufgrund der besonderen Großzügigkeit der Besucher, sondern durch die drastisch zugenommenen Besucherzahlen. Die Rockband Radiohead konnte dank PWYW (Pay What You Want) neue Fans hinzugewinnen, auch wenn über die Hälfte der Leute, die ihr neues Album heruntergeladen hatten, dafür keinen Cent bezahlte. 

 

 

Bislang ist mir kein Fall bekannt, bei dem PWYW auch für eBooks angewandt worden wäre. Allerdings halte ich eBooks oder digitale Produkte im allgemeinen hierfür für besonders geeignet. Das hat vor allem den Grund, dass ein eBook, wenn es denn einmal geschrieben und formatiert worden ist, keinerlei Herstellungs- oder Lagerkosten mehr verursacht. Sofern man als Autor nicht nur den Text sondern auch das Cover und alles andere selbst gestaltet hat, geht man im schlimmstmöglichen Fall, nämlich wenn ein Kunde 0 € für das Produkt bezahlt, ohne Honorar aus. Es kann einem also lediglich der Gewinn entgehen, draufzahlen muss man hingegen nicht - wenn man einmal von der investierten Zeit absehen will.

 

 

Im Zeitalter von Selfpublishing und der damit verbundenen schieren Masse an oftmals fürchterlichen Neuerscheinungen halte ich das Prinzip der Preisgestaltung durch den Leser aber aus noch einem weiteren Grund für interessant. Denn sehr oft ist man versucht, bei einem Buchpreis von 0,99 € ohne lange zu überlegen zuzuschlagen - nur um hinterher festzustellen, dass selbst dieser Preis noch überteuert war. Andersherum schrecken mich gerade eBooks, die nur wenig oder nicht weniger kosten als die gedruckte Variante, aufgrund ihres unverschämt hohen Preises ab. Und das, obwohl ich das fragliche Buch eigentlich gerne lesen würde. Nur eben nicht zum selben Verkaufspreis, den ich auch für die Hardcover-Ausgabe hinblättern müsste, schließlich entfallen sämtliche Produktions-, Lager- und Distributionskosten. Ein Buch also erst einmal lesen und hinterher entscheiden, wie viel es einem wert ist? Großartig!

 

 

  • Jeder kann das Buch zuerst lesen und danach den Preis selbst bestimmen.
  • Anstatt sich in unschönen Rezensionen über einen evtl. Fehlkauf auszulassen, kann der Leser den Kaufpreis einfach auf Null setzen.
  • Bei der persönlichen Preisfindung können sämtliche relevante Faktoren wie Aufmachung, Formatierung, sprachliche Mängel, Mehrwert usw. mit einfließen.
  • Auch Leser, die sich von zu hohen Preisen abschrecken lassen, können bedenkenlos zugreifen, da sie keinerlei Risiko eingehen.
  • Wer nur wenig bezahlen kann oder will, der könnte sich stattdessen z. B. mit dem Verfassen einer ausführlichen Rezension revanchieren.
  • Bücher, die gelegentlich einem Update unterzogen werden (wie etwa die Barfibel), müssen nicht noch einmal vollständig bezahlt werden. Stattdessen kann der Leser entscheiden, wie viel ihm das Update wert ist.

 

 

Genau diese Entscheidungsfreiheit des Lesers ist es, die mich an Pay What You Want für eBooks reizt. Die meisten meiner Bücher sind noch für einige Wochen an das KDP-Select Programm von Amazon gebunden, weshalb ich sie auf keiner anderen Plattform in digitaler Form anbieten darf. Für dieses Experiment zur Verfügung steht mir also bislang lediglich die Barfibel, die ich aus eben diesem Grund auch von meiner Webseite entfernt habe, wie einigen vielleicht bereits aufgefallen sein dürfte. Daneben soll die Übersetzung von Drinking Cups And Their Customs, wenn sie denn einmal fertig ist, versuchsweise in das PWYW-Programm aufgenommen werden.

 

 

Bislang suche ich noch eine zuverlässige und möglichst einfache Methode, den freiwilligen Bezahlvorgang abzuwickeln, aber ich gehe davon aus, dass ich in Kürze eine Lösung finden und das Projekt an den Start schicken kann. Möglicherweise werde ich zunächst ganz einfach meine Bankverbindung angeben, was für die Testphase genügen sollte. Weitere Infos folgen in den kommenden Tagen.

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