Ich wünscht', ich hätt' ein Einhorn - merkwürdige Gästewünsche

Ich wünscht', ich hätt' ein Einhorn - merkwürdige Gästewünsche

Foto: Pixabay


Auf das Wesentliche reduziert, besteht die Aufgabe in der Gastronomie darin, den Gästen Speisen und Getränke zu servieren. Je nach Firmenphilosophie wird dieser sogenannte Servicegedanke jedoch weiter oder enger aufgefasst und so gehören meist noch über das bloße Verpflegen hinausgehenden Dienstleistungen zum selbstverständlichen Angebot eines Lokals. In Kombination mit einer falsch verstandenen Der-Kunde-ist-König-Auffassung erreichen den armen Servicemitarbeiter aber so manches Mal auch die merkwürdigsten Gästewünsche. Ich habe ein wenig in meinen eigenen Erinnerungen gekramt und außerdem einige Berufskollegen befragt, um einige Highlights der kuriosesten Wünsche und Bestellungen aus unserem Erfahrungsschatz zusammenzustellen. Hier meine Top-Ten:


1. Eine Schachtel XY, bitte!

Beginnen wir mit etwas Harmlosem – sofern wir einmal von der reichlich bebilderten, schon sprichwörtlichen Tödlichkeit der fraglichen Sache absehen. Aus vielen Bars und Restaurants sind Zigarettenautomaten allen Einschränkungen und Teuerungen zum Trotz noch immer nicht ganz verschwunden, und so wird im selben Satz gemeinsam mit der Cola, dem Bier oder was auch immer gelegentlich auch gleich eine Schachtel der Marke XY mitbestellt. Das finde ich seltsam. Die Selbstverständlichkeit, beim Kellner eine Packung Zigaretten zu bestellen, stammt noch aus einer Zeit, da Rauchen in der Öffentlichkeit und ganz besonders auch in Restaurants noch weit davon entfernt war, geächtet zu sein. Zigaretten und - mit meiner Meinung höherem Anspruch - auch Zigarren wurden wie Speisen und Getränke als Teil des gewöhnlichen Genussangebotes angesehen und so hatten die Glimmstängel ihren gleichberechtigten Platz im Portfolio der Restaurants und Bars. Nicht selten konnte der Kellner sogar mit einer eigenen Tabakkarte aufwarten, aus der die rauchenden Gäste wählen durften. Diese Zeiten sind hierzulande längst vorbei und auch ich kenne sie lediglich von Erzählungen, aus Büchern und alten Filmen. Was jedoch geblieben ist, ist die Selbstverständlichkeit, mit der manche Gäste erwarten, von ihrem Kellner oder Barmann mit Rauchutensilien versorgt zu werden. Der Servicemitarbeiter hat von diesem Extra-Service in aller Regel nichts, er verdient nicht an den Tabakwaren und hat aufgrund des beständig steigenden Preises auch mit keinem Trinkgeld zu rechnen. Für ihn bedeutet die Besorgung einer Schachtel Zigaretten lediglich ein kleines bisschen mehr Arbeit, womöglich muss er das Geld hierfür sogar noch auslegen und sein kostbares Wechselgeld opfern, bis der Gast sie später mit der Gesamtrechnung bezahlt. Wer ganz gerne noch eins oben drauf setzt, fragt seinen Kellner am besten noch, ob denn Sorte sowieso im Angebot sei. Verdammt, denke ich mir sodann jedes Mal, sieht das hier etwa aus wie ein Kiosk? Darf es vielleicht auch noch die aktuelle Ausgabe der Bild-Zeitung sein?


2. Können wir den Tisch nicht auch dort hinstellen?

Jeder kennt es, jeder hasst es: Gäste, die auf eigene Faust das Lokal umbauen. Wenn aus den 10 angekündigten Reservierungen spontan 18 werden, muss als allererstes die wohl überlegte Ordnung des Schankraumes dran glauben. Im günstigsten Fall werden einfach nur ein paar Stühle hin und her getragen, oft genug aber gleich ganze Tische ratternd und knarrend über das kostbare Parkett durch den Raum geschoben und gezogen. Oft scheint dabei der Gedanke vorherrschend zu sein: Was nicht passt, wird passend gemacht. Man muss nur zum falschen Augenblick gerade auf der Toilette oder im Lager verschwunden sein, sobald man zurückkehrt, erkennt man den Laden oft nicht wieder: Wo zuvor noch ein gemütliches Plätzchen war, klafft nun eine brutale Lücke, Stühle stehen kreuz und quer im Raum, an einem Tisch, der locker mit sechs Gästen besetzt werden könnte, sitzen nun ganze drei. Ich erinnere mich an einen heißen Sommertag, da ich eine Handvoll Trinkwilliger bei dem Versuch ertappte, Teile der Inneneinrichtung nach draußen zu tragen – auf dem Bürgersteig war schließlich auch noch genug Platz zum Sitzen. Wenn man sich sodann genervt an den Rückbau dieser mittleren Feng-Shui-Katastrophe macht, stößt man häufig auf völliges Unverständnis der Gäste. „Wir haben uns das so schön gemacht“ oder „Es kommen aber noch welche“, höre ich da manch einen dieser brillanten Innenarchitekten Klagen.


3. Hast Du was zu rauchen?

Dieses Mal beziehe ich mich nicht auf Tabak, das würde nicht sonderlich viel Sinn ergeben, sondern auf andere „rauchbaren Kräuter“. Es hat schon Phasen gegeben, da wurde ich von Gästen beinahe allabendlich nach Gras, Kokain oder anderen illegalen Substanzen angehauen. Ja, okay, wir sind hier im diesbezüglich freizügigen Berlin, möglicherweise wirke ich spätnachts hinter meinem Tresen auch manchmal wie ein zugedröhnter Vollhonk, aber ich bitte Euch, sehe ich wirklich aus wie ein abgefuckter Dealer? Ist es denn nicht schon schlimm genug, dass ich Alkohol unters Volk bringe und damit einem der wohl zerstörerischsten Laster Vorschub leiste? Von einem gewissen Standpunkt aus betrachtet lässt sich die Frage nach Drogen sogar verstehen; wäre ich als Tourist irgendwo im Ausland und verspürte das drängende Verlangen nach etwas „Stärkerem“ als nur Bier und Schnaps, so würde ich es vermutlich ebenfalls zunächst einmal beim Barmann meines Vertrauens versuchen.


4. Einen Whisky-Sour, bitte. Aber ohne Whisky. Und nicht so sauer.

Diese Bestellung hat sich vor gut 14 Jahren genau so zugetragen. Zuerst glaubte ich an einen Scherz und musste laut lachen, der ernste Blick, der mir daraufhin allerdings entgegenstierte, ließ keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Gastwunsches. Der junge Mann, der ihn äußerte, wollte ganz einfach einen Rum-Sour mit weniger Zitronensaft und etwas mehr Zuckersirup – warum er das nicht ganz einfach auch so gesagt hat, werde ich allerdings wohl nie erfahren. 


5. Alkoholfreier Whisky

Ein Gast äußerte sich mir gegenüber einmal so: „Ich würde gerne einen Manhattan-Cocktail probieren, aber ich muss noch Auto fahren. Können Sie den auch alkoholfrei machen?“ Erwähnen sollte ich vielleicht auch noch, dass der Typ zuvor die Karte studiert hatte, zweifellos irgendwann beim fraglichen Drink gelandet war und deshalb auch die Zutaten gelesen haben musste. Man muss nun wirklich nicht sonderlich viel über Getränke und Spirituosen wissen, um ganz von selbst zu der tiefgründigen Erkenntnis zu gelangen, dass Whisky, Wermut und Würzbitter vermutlich Alkohol enthalten. Wenn nun aber alle Bestandteile eines Cocktails alkoholischer Natur sind, was bleibt dann übrig, um diesen in eine alkoholfreie Variante zu verwandeln? Richtig: Schmelzwasser.


6. Wir haben unseren eigenen Schnaps dabei. Bring uns einfach nur ein paar Gläser mit Eis.

Ja, nee, is klar. Leider durften wir diese Freunde nur sehr kurz als unsere Gäste willkommen heißen. „Korkgeld? Was soll das sein? Siehst Du hier irgendwo einen Korken? Die Flasche hat nen Schraubverschluss, Du Blindfisch!“


7. Kann ich mal Dein Telefon benutzen?

Vor dreißig Jahren oder so war es sicherlich nichts Ungewöhnliches, von der Bar um die Ecke aus ein Telefonat zu tätigen. Oft fanden sich dort sogar öffentliche Fernsprecher zu genau diesem Zweck. Doch heutzutage, da selbst Zehnjährige das neuste Smartphone ihr Eigen nennen, bin ich auf eine derartige Frage nicht vorbereitet – es sei denn, der Anruf geht nach Timbuktu und der Gast möchte Kosten sparen. Verständlicher, aber darum nicht weniger lästig, sind Fragen nach einem Smartphone-Ladekabel. Ich erinnere mich an einen Nachmittag, da nahezu alle freien Steckdosen in der Bar von Handys in Anspruch genommen waren. Schließlich schob mein Chef dieser Ausbeutung seines Stromanschlusses einen Riegel vor und verlangte fortan 2 € pro aufzuladendes Telefon.


8. Mach mal weniger Eis rein und dafür bisschen mehr Schnaps.

Diese Masche dürfte wohl einer der Klassiker überall auf der Welt sein, stets hervorgetragen von besonders schlauen Schmalzköpfen. Man lasse sich das ganze einmal auf der Zunge zergehen: Jemand möchte ein Extra von mir und alles was er mir als Gegenleistung anzubieten hat, sind ein paar Eiswürfel, die ja ebenfalls mir gehören. Was für eine grandiose Win-Win-Situation! Vielleicht versuche ich bei Gelegenheit das gleiche einmal im nächstgelegenen Autohaus: „Ich hätte gerne den BMW mit allen verfügbaren Extras zum Standardpreis – dafür können Sie das Scheibenwischerwasser weglassen.“


9. Eis-Schokolade ganz heiß

Hierbei handelt es sich um einen Zusammenprall neuerer Zeit, bei der ein Gast den Wunsch äußerte, mit einer Eisschokolade beglückt zu werden. Er stamme jedoch selbst aus der Gastronomie und kenne sich daher aus, also würde er seine Eisschokolade sehr gerne so serviert bekommen, wie es fachlich korrekt sei – nämlich mit heißem Kakao. Da ich in Bezug auf Getränkewünsche recht flexibel und außerdem auch noch lernfähig bin, tat ich, wie mir geheißen. Als ich am Tisch ankam, war von den beiden Kugeln Vanilleeis allerdings beinahe nichts mehr übrig, aber jetzt weiß ich wenigstens endlich, wie man eine Eisschokolade richtig zubereitet: lauwarm und mit Vanillesoße.


10. Tiefgekühlte Tiefkühlpizza extra kross

Die folgende Geschichte stammt nicht von mir, und obwohl sie unglaubwürdig erscheinen mag, so halte ich ihren Urheber doch für glaubhaft. So soll bei ihm vor einiger Zeit ein Gast nach einer kalten Pizza verlangt haben. Klar, dachte er sich, Tiefkühlpizza aufbacken und dem Kerl servieren, stehen und abkühlen lassen wird er dann wohl noch selbst schaffen. Aber nein, weit gefehlt! Was der Gast wollte, war die tiefgefrorene Pizza, ganz so, wie sie die Pizzafabrik einst in eingeschweißter Form verlassen hatte. Rohkost sozusagen. Unter den ungläubigen Blicken der Anwesenden soll der fragliche Gourmet sodann genüsslich an seinem eisigen Snack geknabbert haben. Es mag ja tatsächlich sein, das manche Menschen solche und ähnliche unwiderstehliche Neigungen in sich verspüren. Dafür können sie sicherlich nichts. Aber muss man die eigene Abartigkeit denn wirklich unbedingt in aller Öffentlichkeit ausleben?


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