Der Bartender hat immer Recht - Teil III

Der Bartender hat immer Recht - Teil III

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Der Bartender hat naturgemäß immer Recht. Um dem unbestreitbaren Wahrheitsgehalt dieser Behauptung Rechnung zu tragen, geht es in dieser Woche weiter mit Teil III der Serie zum Thema Arbeitsrecht. In den vorangegangenen Artikeln ging es um das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und um den Arbeitsvertrag, als nächstes möchte ich mich nun mit Befristungen beschäftigen.

 

 

Längst gehört es zur Firmenpolitik einiger Unternehmen, ausschließlich befristete Arbeitsverträge zu schließen, die Gastronomie bildet hierbei keine Ausnahme. Durch diese geschickte Herangehensweise will man sich in erster Linie auch für die Zukunft der Möglichkeit versichern, unliebsam gewordene Mitarbeiter ohne größere Probleme wieder loswerden zu können. Das Unternehmen kann dadurch einen neuen Mitarbeiter über die übliche Probezeit von maximal 6 Monaten hinaus gewissermaßen ausprobieren – das Wort „Probefahren“ lag mir zugegebenermaßen für einen kurzen Moment auf der Zunge – ohne fürchten zu müssen, das gebrauchte Servierpferd anschließend nicht mehr zurückgeben zu dürfen. Durch Befristungen lassen sich auch zeitweilige Ausfälle im Mitarbeiterpool z. B. aufgrund von Elternzeit, längeren Krankheiten oder chronischer Lustlosigkeit überbrücken. Häufig werden befristete Verträge aber gerade in der Gastronomie vor allem deshalb geschlossen, um für die Dauer der anstehenden, nur wenige Monate dauernden Saison gegen die anrückenden Horden von Touristen und Urlaubsgästen gerüstet zu sein.

 

 

Für befristete Arbeitsverträge gilt nun grundsätzlich einmal folgendes:

 

  • Arbeitsverträge dürfen ohne sachlichen Grund nur bei Neueinstellungen befristet werden
  • Der ohne sachlichen Grund befristete Vertrag darf auf maximal 2 Jahre geschlossen werden und innerhalb dieser 2 Jahre höchstens dreimal verlängert werden, doch gibt es Ausnahmen, z. B. bei neu gegründeten Unternehmen (max. auf 4 Jahre befristet), zudem können Tarifverträge ebenfalls eine längere Befristung ermöglichen
  • Sachlich begründete Befristungen (z. B. aufgrund von zeitweise erhöhtem Arbeitskräftebedarf oder zwecks Mitarbeitervertretung) können auch über den Zeitraum von 2 Jahren hinaus geschlossen werden
  • Die Befristung muss zwingend schriftlich im Vertrag festgehalten werden, mündliche Befristungen sind unwirksam und das Arbeitsverhältnis gilt nach Aufnahme der Tätigkeit automatisch als unbefristet
  • Wird ein befristeter Vertrag verlängert, so muss dies zu den gleichen Bedingungen geschehen, andernfalls läge eine Mehrfach-Befristung vor (ohne Sachgrund), und eine solche ist unwirksam bzw. der Vertrag gilt ebenfalls automatisch als unbefristet
  • Befristet beschäftigte Arbeitnehmer dürfen gegenüber unbefristet beschäftigten nicht ohne triftigen Sachgrund schlechter behandelt werden
  • Ein befristetes Arbeitsverhältnis kann nur dann vorzeitig ordentlich gekündigt werden, wenn diese Möglichkeit im Vertrag festgehalten wird, andernfalls gilt die Laufzeit als für beide Seiten bindend (Ausnahme: außerordentliche Kündigung)

 

 

Noch nie befand ich mich in der Verlegenheit, einen befristeten Arbeitsvertrag annehmen zu müssen – nun ja, wie schon in den vorangegangenen Artikeln erwähnt befand ich mich die vergangenen elf Jahre nicht in der Verlegenheit, überhaupt einen schriftlichen Vertrag zu besitzen. Bei allen möglichen Nachteilen hatte die ausschließlich mündliche Vereinbarung doch immerhin den Vorteil, dass ich automatisch unbefristet beschäftigt war. Doch kenne ich andere Fälle und weiß um die damit verbundene nagende Ungewissheit der Arbeitnehmer.

 

 

Befristet beschäftigt zu sein kann bei den betroffenen Personen regelrechte Zukunftsängste auslösen. Je näher dabei der Tag der Entscheidung rückt, desto größer die Sorge. Ich habe in der Vergangenheit schon Berufsgenossen vor mir am Tresen sitzen sehen, die unter Schweißausbrüchen und gelegentlich auftretenden Panikattacken den kommenden Wochen entgegensahen, da sie bis kurz vor Ende ihres Vertrages noch immer nicht wussten, ob ihr Arbeitsverhältnis nun verlängert werden würde, oder nicht. Oft erwartete sie danach eine erneute Befristung und das schweißtreibende Spielchen begann von vorne.

 

 

Abgesehen davon führen Befristungen aber auch noch zu einem anderen, zunächst nicht offensichtlichen Problem: Ohne unbefristete Festanstellung lässt sich in den boomenden Städten mit ihrem äußerst angespannten Wohnungsmarkt kaum mehr eine Mietwohnung finden. Wer einem potentiellen Vermieter nicht glaubhaft machen kann, dass er auch nach Ablauf seines befristeten Arbeitsverhältnisses noch immer über ein wenigstens gleich hohes Einkommen verfügen wird, der hat keine Chance gegenüber der zahlreichen Konkurrenz. Was das angeht ist ein befristeter Arbeitsvertrag also wie die sich endlos wiederholende nervtötende Melodie, die uns im Ohr säuselnd wissen lässt, dass wir bis auf weiteres ohne Ausweg in der Warteschleife festhängen.

 

 

Die ursprüngliche Idee hinter der Möglichkeit, befristete Arbeitsverhältnisse zu vereinbaren, bestand eigentlich darin, das Risiko von Arbeitgebern ein wenig abzumildern und ihnen einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen, neue Mitarbeiter einzustellen. Letztlich sollten dadurch mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, wobei jedoch unbefristete Arbeitsverhältnisse weiterhin der Normalfall sein sollten. Spätestens seit dem Ende der 1990er Jahre kann hiervon allerdings kaum mehr die Rede sein, denn ein Drittel bis etwa die Hälfte aller abgeschlossenen Erstverträge sind seither befristet. Zudem wurde das Ziel, neue Arbeitsverhältnisse zu schaffen, ebenfalls nicht erreicht. Andererseits wurde festgestellt, dass befristete Arbeitnehmer im Vergleich zu unbefristet Beschäftigten häufig niedrigere Löhne erhalten, oftmals von Bonuszahlungen ausgeschlossen werden und man ihnen auch andere Leistungen und Vorteile vorenthält.

 

 

Alle Vorteile eines befristeten Arbeitsverhältnisses liegen ganz klar auf Seiten des Arbeitgebers, für den Arbeitnehmer sehe ich hingegen keinen einzigen. Oft wird angeführt, eine Befristung würde den Einstieg ins Berufsleben erleichtern und Arbeitnehmer könnten auf diese Weise das Unternehmen kennenlernen – als wäre hierfür die sechsmonatige Probezeit hierfür nicht ausreichend. Zudem setzen viele Betriebe außerdem noch ein unbezahltes Praktikum voraus oder unterbreiten ihren Azubis selbst nach dem Ende der Ausbildung einen befristeten Vertrag. „Ja, wie lange soll ich denn das Unternehmen kennenlernen?“, fragt man sich da. Ein Trick übrigens mag schon so manches Mal funktioniert haben: Kommt man nach Ablauf des befristeten Vertrages als wäre nichts gewesen zur Arbeit und wird von seinem Chef nicht nach Hause geschickt, gilt das als unbefristete Weiterbeschäftigung. Das einen sodann erwartende Arbeitsklima kann sich allerdings jeder leicht selbst ausmalen.

 

 

Befristungen sind für meinen Geschmack deutlich zu einseitig und sorgen für Unruhe und Unsicherheiten, die sich weit über das Berufsleben hinaus auswirken. Sie versetzen die Betroffenen in einen Zustand bangen Abwartens, und mit trübem Blick sehen sie in die Zukunft und fiebern Tag X entgegen. Gründe für eine Befristung sind schnell gefunden und als Arbeitnehmer hat man nur die Wahl zwischen „Friss oder stirb“. Kein Wunder also, wenn Kellner Peter mit seinen 38 Jahren noch immer bei Mami und Papi wohnt.

 

 

 

 

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