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Der Beruf des Barmanns genießt wieder mehr Ansehen, vielleicht findet er derzeit sogar so viel Beachtung wie noch nie zuvor in der Geschichte der Gastronomie. Fast vorbei ist die Zeit, da man beinahe täglich die entlarvende Frage unbedarfter Gäste über sich ergehen lassen musste "Und, was studierst Du?". Es mag auch an der wachsenden Anzahl meiner grauen Haare liegen, dass man mir nun immer seltener zutraut, Student an einer Berliner Uni zu sein, doch erlebt der Beruf seit einigen Jahren eine ungeahnte Renaissance. Die Branche wird zunehmend professioneller und ehrgeiziger und entdeckt nun endlich auch ihr reiches, Jahrhunderte zurückreichendes Erbe. 

 

 

Wegbereiter dieser erfreulichen Entwicklung waren neben anderen Franz Brandl und Charles Schumann, die uns über die Jahre mit einer Vielzahl von Büchern zu den Themen Cocktails und Warenkunde versorgt haben, worunter einige sogar zu Bestsellern avancierten. Vermutlich gibt es hierzulande kaum einen engagierten Barmann, der nicht wenigstens ein Buch der genannten Autoren sein Eigen nennt. Auch in meinem Bücherregal findet sich das eine oder andere Exemplar dieser Barkeeperlegenden, und letztlich haben mich ihre Werke dazu verleitet, selbst Bücher rund um das Barwesen zu schreiben. Seit 2009 sind so bislang drei eigenständige Barbücher entstanden, die die Themengebiete Warenkunde, Berufserfahrung und Trinkgeld umfassen. 

 

 

Was mir dabei stets vorschwebte, ist das Bild eines Barmanns, der nicht nur wie aus dem Ei gepellt hinter dem Tresen steht und vor einem internationalen Publikum ausgeklügelte Cocktails mixt, sondern in seiner Freizeit gerne auch einmal ein Buch in die Hand nimmt um sich weiterzubilden und sein Wissen zu vervollkommnen. Wie bei allen Dingen, denen man gerne nachgeht oder die man sogar liebt, sollte das Ziel darin bestehen, ein größtmögliches Maß an Perfektion zu erreichen. Zu seinem Beruf sollte man sich idealerweise auch tatsächlich berufen fühlen, und da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, kann neben praktischer Erfahrung das Lesen von Büchern wertvolle Dienste leisten.

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Barmänner und andere Freunde der Trinkkultur, die über ihre Leidenschaft Bücher verfassen, gibt es schon wesentlich länger als man gemeinhin denken möchte. Erste Werke über Wein und Heiltränke entstanden bereits in der Antike, aber natürlich haben nur wenige davon die Zeiten überdauert. Auch das Mittelalter und die Neuzeit haben in dieser Hinsicht so einiges hervorgebracht, besonders interessant für professionelle Barkeeper wird es aber erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

 

Gerade in den vergangenen 10 - 15 Jahren sind viele dieser klassischen von Bartendern oder anderen Getränkeenthusiasten verfassten Werke nach einer langen Zeit des Dornröschenschlafs wiederentdeckt worden. Das hat wohl vor allem damit etwas zu tun, dass sich auch die Branche insgesamt betrachtet in diesem Zeitraum selbst wiederbelebt hat, aus ihrer jahrzehntelangen Trägheit heraus getreten ist und unglaublich an Selbstbewusstsein gewonnen hat. So schien es nur natürlich, dass auch einige ausgewählte und längst vergriffene Bücher zum Thema neu aufgelegt wurden, doch scheint mir nach einer Handvoll Neuauflagen schon wieder Schluss gewesen zu sein. Zudem entziehen sich noch immer nahezu alle diese Klassiker der Barliteratur einer Übersetzung und sind auch über 100 Jahre nach ihrer Erstauflage ausschließlich in englischer Sprache und zudem meist als simple und oft schlecht leserliche Kopie eines alten Buches erhältlich. Hieran möchte ich gerne etwas ändern.

 

 

Neben meinen selbst verfassten Büchern will ich auch in Zukunft immer wieder einmal einem solchen Barklassiker neues Leben einhauchen. Denn es ist bemerkenswert, wie viel Wissen verloren gegangen zu sein scheint, obwohl es doch die ganze Zeit über da gewesen ist; wir müssen es nur wieder für uns entdecken.

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